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Mubaraks Rücktritt: Die ägyptische Mauer ist gefallen

Was für ein Fest! Husni Mubarak ist weg, endlich! Heute Nacht ist die Nacht des ägyptischen Volkes, das Land feiert seinen Mauerfall. Doch jetzt müssen demokratische Reformen folgen. Ein Kommentar von Florian Güßgen

Er hat sich gewehrt. Bis zum Schluss. Aber am Freitag hatten dann wohl auch die ägyptischen Militärs endgültig genug. An diesem Freitag ist die 30 Jahre währende Herrschaft von Ägyptens Präsident Husni Mubarak zu Ende gegangen. Er musste gehen. Der Kopf eines menschenverachtenden Regimes ist weg. Das ist ein wahrhaft historischer Moment. Der Druck der Straße war am Ende zu mächtig, die Wut der jungen Ägypter zu groß, zu groß auch ihr Beharrungsvermögen. Sie sind geblieben, als die Reiter mit ihren Schlagstöcken kamen, sie sind geblieben, als das Regime darauf setzte, dass der Protest versanden würde. Und am Donnerstag, als ein entrückter Mubarak in einer bizarren TV-Ansprache den Rücktritt verweigerte, haben sie klar gemacht, dass sie das nicht dulden werden.

Das kann nur der Anfang sein

Es sind die ägyptischen Demonstranten, die heute Nacht feiern können. Diese Nacht ist die Nacht des ägyptischen Volkes. Endlich.

Und dennoch kann der Abgang Husni Mubaraks nur der Anfang sein. Denn, da gibt es kein Vertun, sein Rücktritt markiert keineswegs das Ende des Regimes, sondern ist im Gegenteil ein weiterer Versuch der Machtsicherung. Es waren Militärs, die den Demonstranten schon am Donnerstagabend zuriefen, sie hätten gewonnen, genau jene Militärs, die nun am Ruder bleiben werden. Die Macht werde einem "Militärrat" übertragen, hieß es in dem TV-Statement des Vizepräsidenten Omar Suleiman. Wahrscheinlich, wenn auch nicht bestätigt, ist, dass Suleiman, der langjährige Geheimdienstchef, auch der Mann des Übergangs sein wird. Suleiman steht für alles Mögliche, für eine enge Anbindung an die USA etwa, aber keinesfalls für einen Systemwandel.

Und so ist diese Nacht eine Nacht zum Feiern. Die ägyptische Mauer ist gefallen, wie einst die Berliner Mauer am 9. November 1989. Ob hier eine echte Demokratie entsteht, hängt von zig Faktoren ab: Sind die Militärs und Suleiman zu einem echten Transformationsprozess bereit, der ihre Herrschaft sehr schnell durch Wahlen beenden könnte? Gelingt es dem Regime und den Oppositionsparteien bei einer Art Rundem Tisch tatsächlich, eine neue Verfassung aus der Taufe zu heben? Kann die Opposition es vermeiden, sich spalten zu lassen? Und: Schafft der Westen, schaffen die USA es, diesen Prozess des stabilen Wandels voranzutreiben?

"Welcome back, Egypt"

Der Westen, die USA, aber auch die jämmerliche EU, sind in den vergangenen zwei Wochen fatal schwach aufgetreten. Die vermeintlichen Vorzeigedemokratien haben die Menschen auf den Straßen stehen lassen und mehr oder minder für das Regime Partei ergriffen. Mit dieser Politik sind sie in einem historischen Moment auf der falschen Seite gestanden. Jetzt, nachdem die Ära Mubarak beendet ist, erhält auch der Westen noch einmal eine Chance, diesen Fehler zu korrigieren. Er muss mit dafür sorgen, dass dieses autoritäre System sich mittelfristig selbst entsorgt. Auch der Westen kann es sich nicht leisten, diese Menschen, die heute Abend auf dem Tahrir-Platz und in ganz Ägypten ihren so wichtigen Etappensieg feiern, weiter zu enttäuschen.

"Welcome back, Egypt", twitterte Wael Ghonim, der zwischenzeitlich verhaftete Google-Manager, der junge Held der Revolution, am frühen Freitagabend. Willkommen zurück, Ägypten!