VG-Wort Pixel

Luise, Preußens "Königin der Herzen" Hoffnungsträgerin in schweren Zeiten


1810 starb die beliebte Königin Luise von Preußen mit nur 34 Jahren. Das gesamte Volk trauterte um seine "Lady Di des 19. Jahrhunderts". Wegen eines gebrochenen Herzens, wie man es früher annahm, war die Regentin allerdings nicht aus dem Leben geschieden.

Mit Königin Luise gab es in Preußen schon vor 200 Jahren eine "Königin der Herzen", die zu Lebzeiten verklärt wurde und deren Nachruhm bis heute ungebrochen ist. "Miss Preußen" war wohl neben Friedrich dem Großen Preußens populärste Herrschergestalt. "Alle Herzen flogen ihr entgegen, und ihre Anmut und Herzensgüte ließen keinen unbeglückt", schrieb der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué.

Luise wurde mit 21 Jahren Königin und starb am 19. Juli 1810 mit nur 34 Jahren. War sie eine Art "Lady Diana" des frühen 19. Jahrhunderts? Die kollektive Trauer, die nach Luises Tod einsetzte, ist wohl vergleichbar mit der Trauer um die 1997 mit 36 Jahren ums Leben gekommene Prinzessin von Wales.

Der britische Historiker Christopher Clark, Verfasser eines Standardwerks über Preußen, sah die in Hannover geborene Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz als "eine in der Geschichte der Dynastie beispiellose Figur, eine weibliche Berühmtheit, die in den Augen der Öffentlichkeit Tugend, Bescheidenheit und souveräne Grazie mit Liebenswürdigkeit und äußerer Anziehung vereinte". Auch ihr Familienleben galt als glücklich.

Luise war aber noch mehr. Sie war Hoffnungsträgerin in Preußens schweren Zeiten. An der Seite ihres wenig entscheidungsfreudigen Ehemannes und Königs Friedrich Wilhelm III. nahm die warmherzige Mutter von zehn Kindern eine Schlüsselstellung im Kampf gegen Napoleons Besatzung ein. Weniger beachtet wurde bei dem verklärten Luisen-Bild ihre politische Rolle bei den Reformen des preußischen Staates, die von der Königin unterstützt und von Männern wie Hardenberg und Stein vorangetrieben wurden.

Luise wird bis heute in Ehren gehalten. Drei große Ausstellungen in Berlin erinnern 2010 an "Miss Preußen". Ihre letzte Ruhe fand sie im Schlosspark Charlottenburg in einem Mausoleum, das Heinrich Gentz unter Mitarbeit Karl Friedrich Schinkels nach Entwürfen Friedrich Wilhelm III. schuf. Straßen, Plätze, Kirchen und Institutionen wie Kindergärten und sogar Restaurants und Apotheken tragen Luises Namen. Früher hieß es, die Königin sei an "gebrochenem Herzen" gestorben - heute weiß man, dass es vermutlich eine Bronchitis war.

Ihre letzten Tage können jetzt am authentischen Ort nachempfunden werden: In Hohenzieritz, der Sommerresidenz des damaligen Herzogs von Mecklenburg-Strelitz. Unter dem Titel "Luise - der Tod der Königin" hat die Kunsthistorikerin Friederike Drinkuth Dokumente und Ausstellungsstücke zusammengetragen, die zum Teil erstmals zu sehen sind. Die Schau im Kavaliershaus des Schlosses wird am Montag eröffnet und geht bis zum 31. Oktober.

Wilfried Mommert und Winfried Wagner, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker