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Meteorologen zu Bad Reichenhall: Es war nicht nur der Schnee

Das Unglück von Bad Reichenhall kam nicht aus heiterem Himmel, sondern aus schneelastigem: Die Wetterdienste hatten vor dem Unglück rechtzeitig Unwetterwarnungen herausgegeben.

Die Regionen waren gewarnt: Sowohl der Deutsche Wetterdienst DWD als auch der Wetterdienst Meteomedia hatten vor dem Unglück von Bad Reichenhall Unwetterwarnungen herausgegeben. Meteomedia bereits Tage davor und am Tag des Unglücks um 00:29 Uhr sogar eine Unwetterwarnungen der Stufe Rot.

Nach Aussage von Meteorologen gab es in den Tagen vor dem Unglück Regenfälle, die von der dicken Schicht Schnee auf dem Hallendach aufgesogen worden waren. "Es war das Nachregnen in den Schnee und die Schwammwirkung, was das zusätzliche Gewicht ausmachte", sagt Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia.

Der nasse Schnee lag vermutlich als tonnenschwere Last auf dem Dach der mehr als 30 Jahre alten Halle. Kachelmann glaubt allerdings nicht, dass der Schnee die alleinige Rolle bei dem Unglück spielte. "Es sind ja nicht reihenweise Dächer eingestürzt. Ich bin sicher, dass die Sicherheitsmargen für die Konstruktion solcher Hallen den Faktor Schnee mit berücksichtigen."

Die Schneelast für diesen Winter sei zwar bislang die höchste gewesen, allerdings gab es vergleichbare Schneefälle in dieser Region auch schon in den vergangenen 30 Jahren.

Nach Meinung von Christian Freuer, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst DWD, war die Schneemenge der ausschlaggebende Faktor. Wobei auch Freuer bestätigt, dass solche Schneemengen für diese Region nicht ungewöhnlich sind. "Vor allem im Frühjahr ist damit zu rechnen. Ungewöhnlich ist nur, dass es schon Anfang Januar passierte." Wie Freuer bestätigte, hatte auch der Deutsche Wetterdienst gegen Mittag am Tag des Unglücks von Bad Reichenhall eine Unwetterwarnung an die Behörden vor Ort ausgegeben. "Was dann die Verantwortlichen dann damit machen, fällt nicht mehr in unseren Bereich", so Freuer.

Jens Lubbadeh