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Bullenhitze und Hochwasser: Der Sommer der Extreme

Extreme haben den Sommer 2010 in Deutschland bestimmt: Kälterekorde, Hitzewelle, Wassermassen, Tornados und Schnee. Zugleich war er einer der zehn wärmsten seit 1881. Experten sehen darin klare Anzeichen für den Klimawandel.

Der Sommer 2010 war in Deutschland zu warm - ungeachtet eines völlig verregneten Monats August mit Spitzenniederschlägen. Mit einer Durchschnittstemperatur von 17,8 Grad lagen die Sommermonate Juni bis August insgesamt um 1,5 Grad über dem vieljährigen Klimawert. Damit gehörte der Sommer zugleich zu den zehn wärmsten seit 1881, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Montag bilanzierte. Selbst der August war unterm Strich leicht zu warm, obwohl auf der Zugspitze und auf dem Feldberg im Schwarzwald am Montag bereits Schnee fiel.

Schneeverwehungen im August

Für den letzten Tag des Sommers 2010, den morgigen Dienstag, sagen die Meteorologen von Meteomedia (Bochum) bis zu einen halben Meter Schnee und Schneeverwehungen oberhalb von 1800 Metern in den Alpen vorher. Bis Dienstagabend muss außerdem erneut mit Starkregen gerechnet werden, vor allem im Osten sowie an den Nordrändern der Mittelgebirge und der Alpen. Der September - und damit der meteorologische Herbst - beginnt dann am Mittwoch freundlicher und es wird auch allmählich wieder wärmer.

Der August war verregnet wie nie - und zugleich extrem trüb. Von "nahezu monsunartigen Wassermassen" spricht der DWD in seinem Rückblick. "Wir haben mehr als doppelt so viel Regen gemessen wie im langjährigen Mittel im August", sagte ein DWD- Sprecher. Rund 157 Liter Niederschlag pro Quadratmeter sind im Durchschnitt im August gefallen; der Mittelwert vieler Jahre liegt bei 77 Litern. Bisheriger Spitzenwert: 134 Liter pro Quadratmetern im August 1960. Schwere Gewitter mit extremen Starkregenfällen verursachten in der Oberlausitz (am 7. August) und im Münsterland (am 26. August) schwere Überflutungen.

Erst zu trocken, dann zu nass

Der gesamte Sommer übertraf in Deutschland wegen der Wassermassen im August das Niederschlagssoll um 21 Prozent. "Dabei herrschten in fast ganz Deutschland von Mitte Juni bis in die dritte Julidekade, im Nordosten sogar noch deutlich länger große Trockenheit und Dürre", heißt es in der DWD-Bilanz. In der Heide im Norden und Osten waren zahlreiche Waldbrände entstanden.

Die Sonnenscheinbilanz fiel zwar positiv aus, allerdings kam der Norden dabei deutlich besser weg als der Süden. Mit 662 Stunden lag die Sonnenscheindauer um zehn Prozent über dem Soll. Darüber konnten sich besonders die Menschen an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern freuen, die kleine Ostseeinsel Greifswalder Oie war mit 844 Stunden Sonnenschein Spitzenreiter. Benachteiligt war der Alpenrand: So bildete Oberstdorf im Allgäu mit 532 Stunden das Schlusslicht. Besonders trüb im ganzen Land war der verregnete August: "Seit Beginn der Aufzeichnungen der Sonnenscheindauer (1951) war bislang nur der August 2006 trüber", heißt es im Rückblick.

Bodenfrost im Juni, Hitze im Juli

Achterbahnfahrt der Temperaturen: Die Schafskälte führte Mitte Juni sogar zu Bodenfrost: Die niedrigste Temperatur wurde mit minus 1,9 Grad in Klettwitz in der Lausitz (16. Juni) gemessen. Kälterekorde wurden Meteomedia zufolge auch am Montag registriert: Vor allem auf dem Brocken im Harz (1141 Meter) mit 0,9 Grad und auf der Wasserkuppe (950 Meter) in Hessen mit 1,8 Grad. Mit einer gewaltigen Hitzewelle hatte dagegen der Juli begonnen. Die Rekordtemperatur wurde am 10. Juli mit 38,8 Grad in Bendorf bei Koblenz erreicht.

Nach dem Sommer 2003 schafft es der Sommer 2010 voraussichtlich auf Platz 9. Das entscheide sich endgültig in den letzten paar Stunden, sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux. Da fast alle der zehn wärmsten Sommer in den vergangenen 20 Jahren gemessen worden seien, deute dies durchaus auf den Klimawandel hin.

swd/DPA / DPA

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