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Verlängerter Winter: Frühling - und Rügen versinkt im Schnee

20. März, Frühlingsanfang. Doch in Norddeutschland bibbern die Menschen, auf der Ostsee-Insel Rügen fährt nicht ein Schulbus, Glatteis führt zu Unfällen. Der Grund: 35 Zentimeter Neuschnee!

Frühlingsanfang oder nicht, vor allem in Norddeutschland herrscht weiterhin Winter. Eigentlich sollte zum kalendarischen Jahreszeitenwechsel allmählich milde Luft in unsere Breiten strömen und die Natur erwachen, doch das haben starke Schneefälle und Glatteis verhindert. Im Norden gab es etliche Unfälle und massive Verkehrsbehinderungen. Besonders schlimm traf es Rügen.

Auf Deutschlands größter Insel fuhr am Morgen kein einziger Schulbus, teilte ein Sprecher des Rügener Personennahverkehrs am Mittwoch mit. Auf der Ostseeinsel waren nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia in der Nacht rund 35 Zentimeter Schnee gefallen. Dazu blies ein kräftiger Wind. Manche Schneewehen seien meterhoch.

"Frühling nicht in Sicht"

Auf dem vorgelagerten Festland sah es nicht viel besser aus. In Rostock beispielsweise registrierte die Polizei 67 Glätteunfälle. Dabei wurden zwölf Menschen leicht und zwei schwer verletzt. Anderswo krachte es seltener, was aber nicht an milderer Witterung lag. "Die Autofahrer haben sich auf die Straßenverhältnisse eingestellt", sagte ein Polizeisprecher im schleswig-holsteinischen Harrislee. 27 Zentimeter hoch lag der Schnee am Mittwochmorgen in Laage im Landkreis Rostock, damit sei dort der bisherige März-Rekord vom 2. März 2005 um sechs Zentimeter übertroffen worden, sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Nach Meteomedia-Angaben hat sich der Wind inzwischen auf Stärke drei bis vier abgeschwächt. Am Mittwoch seien nur noch geringe Schneefälle zu erwarten, sagte Meteorologe Stefan Kreibohm. Für Donnerstag würden an der Küste nochmals Niederschläge mit fünf bis zehn Zentimetern Neuschnee erwartet. "Der Frühling ist in einem seriös überschaubaren Zeitraum nicht in Sicht", sagte Kreibohm. Zum Wochenende wird es sogar wieder kälter, mit Nachttemperaturen von bis zu minus zehn Grad.

Wenigstens keine Unwetterwarnung mehr

Wenig verwunderlich, dass der März im Norden bisher bis zu vier Grad kälter war als im langjährigen Durchschnitt, im Süden beträgt die Abweichung nur ein bis zwei Grad. Am "wärmsten" war es am Alpenrand, wo es an den ersten 19 März-Tagen nur null bis ein Grad zu kalt war.

Der DWD warnte vor Schneeverwehungen und riet, wenn möglich Autofahrten zu vermeiden. Auch im weiteren Verlauf der Woche ist laut DWD noch mit Schneefällen zu rechnen. Ein stabiles Frühlingshoch mit Sonnenschein und blauem Himmel ist nach wie vor nicht in Sicht. Allenfalls am Freitag könnte es einen Hauch von Frühling geben, sagte Trippler. Dann treibt die Sonne im Süden und Südwesten die Temperaturen auf zweistellige Werte. Mindestens noch eine Woche werde es in Deutschland insgesamt grau und nasskalt bleiben, sagte Trippler. Immerhin: Für heute wurden zunächst alle Unwetterwarnungen in Deutschland aufgehoben.

dho/DPA / DPA