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Kachelmann und das Fernsehen: Kehrt der nette Wetteronkel zurück?

Jörg Kachelmann steigt nach dem Freispruch wieder bei seiner Firma Meteomedia ein. Doch wird er auch auf den TV-Bildschirm zurückkehren? Fernsehmacher sind skeptisch.

Von Jens Maier

Es ist nach wie vor mit über 1,4 Millionen Abrufen der erste Treffer: Wer den Namen Jörg Kachelmann beim Videoportal Youtube eingibt, bekommt keine Szenen aus dem Mannheimer Gerichtssaal, keine geifernde Frauenrechtlerin und auch keinen Hau-Drauf-Anwalt zu sehen, sondern ein Stück heile Welt. "Jörg Kachelmann und Lupin" heißt die Filmsequenz schlicht. Sie zeigt Kachelmann bei einer Wettervorhersage im Januar 2009 für Rheinland-Pfalz, bei der sich eine Katze ins Studio schleicht. Der Wettermann zögert nicht, nimmt sie hoch und beendet die Moderation mit "Lupin", der Studiokatze, auf dem Arm. Kachelmann, der nette Wetteronkel.

Ob wir Kachelmann jemals wieder so sehen werden, ist fraglich. Bereits vor dem Ende seines Prozesses hatte er eine Rückkehr auf den Bildschirm kategorisch ausgeschlossen. "Ich werde nach all dem keine Wettersendungen mehr moderieren können. Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär's mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig", sagte Kachelmann im November vergangenen Jahres. Doch nach seinem Freispruch hat er jetzt angekündigt, wieder bei seiner Wetterfirma Meteomedia einsteigen zu wollen. Wird er auch ins Fernsehen zurückkehren?

ARD will sich an Spekulationen nicht beteiligen

Bis zu seiner Verhaftung 2010 hat Kachelmann sehr erfolgreich die Sendung "Wetter im Ersten" moderiert. Zwischen der ARD und der Kachelmann-Firma Meteomedia gibt es nach wie vor bestehende Verträge. Doch wird die ARD Kachelmann auch als Moderator zurücknehmen? "Wir sehen im Moment keinen Entscheidungsbedarf", sagte eine Sprecherin des Senders. Solange das Urteil nicht rechtskräftig sei, werde die ARD sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. Die Sprecherin stellte aber klar, dass die ARD und nicht Meteomedia bestimme, welche Moderatoren in der Sendung zum Einsatz kämen.

Dass Kachelmann in der ARD zurückkehren kann, hält der Schweizer Kommunikationsberater Patrick Rohr eher für unwahrscheinlich. "Kachelmanns Glaubwürdigkeit hat nach den Enthüllungen um seine zahlreichen Affären gelitten", sagte Rohr stern.de. Dies passe nicht zum sauberen Image, das der Sender von seinen Moderatoren erwarte. "Ich kann mir aber vorstellen, dass Kachelmann bei einem Lokal- oder Privatsender das Wetter moderiert", sagte Rohr. Seine weitere Karriere hänge davon ab, wie er sich jetzt verhält. "Ich würde ihm raten, sich erstmal zurückzuziehen, keine Interviews zu geben." Auf keinen Fall dürfe Kachelmann als strahlender Sieger in Gewinnerpose auftreten. "Das wäre das Ende seiner Karriere."

Helmut Thoma hält eine weitere TV-Karriere für möglich

Eine Karriere Kachelmanns bei den Privaten kann sich auch der frühere RTL-Chef Helmut Thoma vorstellen. "Er ist im Fernsehen sehr wohl noch vermittelbar. Schließlich ist er freigesprochen. Wenn so einer nicht mehr im TV auftreten darf, können wir bald nur noch das Testbild senden", sagte der Österreicher stern.de. "Was wirft man ihm denn noch vor? Es stand Aussage gegen Aussage, und er ist ein guter Moderator." Kachelmanns ausschweifendes Liebesleben sei zudem "in der heutigen Zeit kein Thema mehr - gerade in der Medienbranche nicht. Da kenn ich ganz andere Geschichten". Wäre er noch RTL-Chef, so Thoma, hätte er jetzt keine Bedenken, Kachelmann auf den Bildschirm zurückzuholen. Er hoffe, dass die ARD genauso denke. "Schließlich ist Kachelmann nicht für das Wort vom Sonntag zuständig." Auch geschäftsschädigend dürfte der Prozess und der Freispruch zweiter Klasse nicht sein, meint Thoma. Er kenne Kachelmann als sehr seriösen Geschäftsmann und exzellenten Fachmann. Thoma: "Wenn sonst nichts ist ..."

Im Fernsehen sind allerdings Karrieren schon wegen kleinerer Vergehen beendet worden. Moderatorin Ulla Kock am Brink wurde jahrelang aus dem Fernsehen verbannt, weil sie ihrer Freundin Sabine Christiansen den Mann ausgespannt hatte. Carsten Spengemann flog bei DSDS raus, weil er seiner Freundin einen 1700 Euro teuren Cartier-Ring gestohlen haben soll. Und für den ehemaligen Erfolgsmoderator Wolfgang Lippert war die Karriere sogar beendet, nachdem er im Baumarkt eine Zange hatte mitgehen lassen. Ein "Versehen", wie er hinterher beteuerte, doch da war es längst zu spät.

Talkshowgast statt Wetteronkel

Der Schweizer Medienunternehmer und Moderator Roger Schawinski kennt Kachelmann seit 30 Jahren und hat ihn fürs Fernsehen entdeckt. Er hält ein Comeback Kachelmanns als Wettermann für unmöglich. "Nicht, weil es ein Freispruch zweiter Klasse war, sondern weil zu viele Details aus seinem Privatleben bekannt geworden sind, die nicht zu einer antiseptischen Sendung wie dem Wetter passen - schon gar nicht bei der ARD", sagte Schawinski stern.de. "Der Sender hat sich sehr tolerant gegenüber Kachelmann gezeigt, hat jahrelang akzeptiert, dass er aus Kanada sendet und sogar seinen Penner-Look hingenommen", sagte Schawinski. "Aber jetzt haben sie die Nase voll." Schawinski glaubt vielmehr, dass Kachelmann bald ein Dauergast in deutschen Talkshows sein wird. "Kachelmann ist sehr clever. Er weiß, dass er dort seinen Charme spielen lassen und Sympathiepunkte sammeln kann. Vielleicht wird er ein Buch über seine Zeit im Gefängnis schreiben und dann darüber sprechen", sagte Schawinski. ""Dies ist wohl ein Weg, wie sich Kachelmann in der Öffentlichkeit rehabilitieren möchte."

Den netten Wetteronkel, der die Studiokatze auf seinen Arm nimmt, werden die deutschen Fernsehzuschauer also wahrscheinlich nicht wiederbekommen. Dass Jörg Kachelmann aber noch oft im Fernsehen zu sehen sein wird, ist so gut wie sicher.

Mitarbeit: Dirk Benninghoff