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Wetterexperte zu Tschechien Kachelmann über Tornado: "Wird bei uns auch kommen, eines Tages. Wird viele Tote geben"

Eine Frau geht im Dorf Mikulcice in Tschechien an den Trümmern eines Haus vorbei
Zerstörerische Naturgewalt: Eine Frau geht im Dorf Mikulcice in Tschechien an den Trümmern eines Haus vorbei
© Michal Cizek / AFP
Verheerende Tornados wie jetzt in Tschechien sind in ganz Mitteleuropa möglich, sagt der Wetterexperte Jörg Kachelmann. Und sie sind wahrscheinlicher als früher, weil das Klima wärmer und feuchter wird.

Der Meteorologe Jörg Kachelmann hat auf Twitter angesichts des schweren Tornados in Tschechien eine düstere Prognose gewagt: "Wird bei uns auch kommen, eines Tages. Wird viele Tote geben", schrieb Kachelmann. 

Im Südosten von Tschechien hatte am Donnerstagabend ein starker Tornado eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, rund 200 wurden verletzt. Betroffen waren sieben Dörfer in Südmähren. Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert.

Wetterexperte zu Tschechien: Kachelmann über Tornado: "Wird bei uns auch kommen, eines Tages. Wird viele Tote geben"

Das wärmere Klima begünstigt Tornados

Kachelmann hatte schon vor drei Jahren in einem Artikel für die Schweizer Zeitung "Tagesanzeiger" prognostiziert, dass es stärkere Tornados geben werde, auch wenn ihre Zahl bislang nicht signifikant gestiegen sei: "Was aber ebenfalls zutrifft: dass in einem zunehmend wärmer und feuchter werdenden Klima (was statistisch gesehen in den letzten Jahrzehnten signifikant der Fall ist), stärkere Gewitter und damit auch Tornados wahrscheinlicher werden", schrieb er damals.

Sehr starke Tornados wie in Tschechien seien zwar in Ballungsräumen wie Berlin und Köln oder in Zürich und Bern nicht sehr wahrscheinlich, aber eben auch nicht ausgeschlossen. Aber "Computermodelle können zum Glück schon am Morgen eines Unwettertages deutliche Hinweise für die Bildung von Tornados geben", führte er weiter aus.

Suche nach Verschütteten nach Tornado dauert an

In Tschechien gab es vorher offenbar keine Warnung. In den betroffenen Dörfern dauerte am Freitagmorgen die Suche nach möglichen Verschütteten an. Hunderte Feuerwehrleute gingen in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Auch Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik.

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. "Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". "Dann begann die Hölle, alles flog herum." Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

tis mit AFP

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