HOME

Metzler-Prozess: "Ich bereue unendlich, was ich getan habe"

Im Prozess um Entführung und Tod des elfjährigen Bankierssohnes Jakob von Metzler hat der Angeklagte Magnus Gäfgen zum Prozessende noch einmal seine Schuld gestanden und sich für seine Tat entschuldigt.

"Ich bereue unendlich, was ich getan habe. Ich schäme mich abgrundtief dafür", sagte Gäfgen am Freitag vor dem Frankfurter Landgericht. "Ich sehe Jakob immer, egal ob ich die Augen schließe oder nicht". Dass er mit der Tat leben müsse, sei die schlimmste Strafe für ihn. Er forderte für sich eine Strafe, die ihn hart anfasse, aber nicht vernichte. Er dürfte sich damit auf die besondere Schwere der Schuld beziehen, deren Feststellung Staatsanwaltschaft und Nebenklage vergangene Woche zusätzlich zu einer lebenslangen Haft gefordert hatten. Die Feststellung würde eine Entlassung nach 15 Jahren verhindern.

Gäfgen bat um harte Strafe

Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, was eine Strafaussetzung zur Bewährung nach 15 Jahren ausschließen würde. Die Verteidigung sah in ihrem Plädoyer dagegen keine Gründe für eine besonders schwere Schuld des Angeklagten. Gäfgen betonte während seiner etwa halbstündigen letzten Erklärung, die er ablas, er habe ein aufrichtiges, reumütiges und glaubhaftes Geständnis abgelegt. Das müsse das Gericht zur Kenntnis nehmen. "Ich habe große Schuld auf mich geladen, die nach einer harten Strafe verlangt", sagte der 28-Jährige.

Unbegreifliches Verhalten

Mit brechender Stimme wandte er sich dagegen, als "Monster und Bestie" dargestellt zu werden. Er müsse mit seiner Tat weiterleben, sagte Gäfgen. Er habe das Bild Jakobs während der Tat immer vor sich, "egal ob ich die Augen schließe oder nicht, jeden Moment, mein Leben lang." Diese Strafe, die er sich selbst gegeben habe, sei viel höher als die juristische, die er erwarte. "Zur Klarstellung" betonte der Angeklagte: "Ja, ich habe Jakob von Metzler getötet." Er habe dessen Tod in die Planung der Tat einbezogen, nicht jedoch die Ausführung, weil diese Vorstellung zu schrecklich für ihn gewesen sei. Für ihn selbst unbegreiflich sei sein Verhalten nach der Tat, zum Beispiel dass er Geld auf Konten eingezahlt habe, obwohl ihm klar gewesen sei, dass die Scheine nummeriert waren. "Es war eben nicht planvoll", sagte Gäfgen.

"Besinnungslose Furcht"

Jakob das Leben zu nehmen und seines wegzuwerfen, sei ein irreales Verhalten. "Ich hatte mich durch eigene Schuld in eine für mich ausweglose Situation gebracht." Am Anfang des Prozesses hatte er erklärt, er habe seiner Freundin Katharina und seinen wohlhabenden Freunden vorgespiegelt, dass er bereits als Anwalt arbeite und über eine größere Geldsumme verfüge. Dieses Lügengebäude habe einzustürzen gedroht. Am Freitag sprach Gäfgen von seiner "besinnungslosen Furcht, in Bindungslosigkeit unterzugehen".

"Gewissen hat versagt"

"Wie mein Gewissen so versagen konnte, weiß ich nicht", sagte der Angeklagte. Er habe deshalb große Hoffnung in das psychiatrische Gutachten des Professors Norbert Leygraf gesetzt. Dieser habe aber zur Aufklärung der Tat nichts beigetragen. Zu seinen Gunsten führte er an, dass in seinem "27-jährigen Leben soziales Engagement und Hilfsbereitschaft die größten Konstanten" gewesen seien. Es sei ihm ein Anliegen, gegenüber der Familie von Metzler "auch mit Taten kundzutun, dass es mir Leid tut". An die Richter gewandt, sagte er zum Schluss: "Glauben Sie mir: Ich würde mein Leben geben, um Jakob zurückzubringen." Das Urteil soll am Montag, 28. Juli, verkündet werden.

Themen in diesem Artikel