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Millionenbetrug mit Schrottmünzen: Sechs mutmaßliche Euro-Fälscher sitzen in Haft

Kurioser Fall für die Staatsanwaltschaft Frankfurt: Betrüger sollen verschrottete Euro-Münzen nach China transportiert, dort wieder zusammengesetzt, zurück nach Deutschland gebracht und in Scheine umgetauscht haben. Eine entscheidende Rolle haben offenbar Stewardessen der Lufthansa gespielt.

Ein mutmaßlicher Millionenbetrug mit gefälschten Euro-Münzen ist laut "Bild"-Zeitung Anlass für Durchsuchungen unter anderem bei Mitarbeitern der Lufthansa gewesen. Von der Bundesbank verschrottete Münzen sollen in China wieder zusammengesetzt und von Stewardessen nach Deutschland geschmuggelt worden sein. Dann sollen Komplizen das "Geld" bei der Bundesbank in Scheine umgetauscht haben. Der Schaden belaufe sich laut Schätzungen der Ermittler auf mindestens 20 Millionen Euro.

Sechs mutmaßliche Münzfälscher und -schmuggler wurden inzwischen verhaftet. Fünf Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft, ein sechster wird dem Haftrichter noch vorgeführt. Vier der während einer Razzia Festgenommenen sind Chinesen im Alter zwischen 28 und 45 Jahren. Die Bande soll von 2007 bis November 2010 insgesamt 29 Tonnen Münzen eingetauscht haben. "Gegen die Tatverdächtigen läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Inverkehrbringen von Falschgeld", sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu.

Tonnenweise werden dreckige und verbogene Euro-Münzen von der Bundesbank verschrottet. Dabei wird der Kupfernickelkern aus dem Messingring entfernt. Dieses Altmetall wird offenbar nicht eingeschmolzen, sondern versteigert. Die Betrüger sollen Hunderttausende der Münzen ersteigert und nach China transportiert haben, wo sie wieder zusammengesetzt worden sind.

Stewardessen als Geldtransport

Für den Rücktransport sollen Stewardessen angeheuert worden sein, die die Münzen auf ihren Flügen von Asien nach Deutschland mitnahmen. Da die Geldmenge unter 10.000 Euro lag, musste der Transport nicht angemeldet werden. Dennoch wurde der Zoll aufmerksam. Eine Stewardess – so berichtet die "Bild" – fiel auf, weil ihr Handgepäck ungewöhnlich schwer war. Im Koffer waren Tausende Ein- und Zwei-Euro-Münzen.

Nach geglückten Transporten von China sollen die Münzen bei der Bundesbank in Frankfurt dann in Scheine umgetauscht worden sein. Gegen Mitarbeiter der Bundesbank liegt nach Angaben der Bank kein Verdacht vor. Insgesamt gehen die Ermittler von 25 Beteiligten aus.

swd/DPA / DPA