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Nach gescheitertem Banküberfall: Polizei nimmt Geiselnehmer in Toulouse fest

Die Polizei hat den Geiselnehmer verhaftet, der die südfranzösische Stadt Toulouse den ganzen Tag lang in Atem hielt. Der Mann hatte sich als Al-Kaida-Mitglied ausgegeben und in einer Bank vier Geiseln genommen. Er soll psychisch krank sein.

Der Geiselnehmer, der sich im südfranzösischen Toulouse mit vier Menschen in einer Bank verschanzt hatte, ist verhaftet worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden seine beiden letzten Geiseln befreit. Er selbst sei verletzt worden.

Zuvor hatte der Mann nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP nach und nach zwei seiner Opfer freigelassen. Den ganzen Tag lang liefen die Verhandlungen, um auch die anderen Geiseln freizubekommen, denen Essen übergeben werden konnte.

Der Unbekannte, der sich als Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida ausgab, hatte sich in der Bank im Stadtzentrum verschanzt und unter anderen den Bankdirektor gefangen genommen.

Ein Bankraub lief offenbar schief

Nach Angaben des Staatsanwaltes von Toulouse, Michel Valet, gab der Mann an, rein aus "religiösen Überzeugungen" zu handeln und nicht wegen Geld. Die Schwester des mutmaßlichen Täters sagte der Nachrichtenagentur AFP aber telefonisch, ihr 26-jähriger Bruder sei "nicht sehr religiös". Er sei schon als Kind in der Obhut des Gesundheitsamtes gewesen sei: "Er ist durchgedreht und hat Angst vor der Außenwelt.

Der Mann war gegen 10.10 Uhr in die Bank CIC eingedrungen, hatte Geld verlangt und vier Geiseln genommen, als die Angestellten ihn nicht ernst nahmen. Zudem feuerte er laut Polizei einen Schuss ab. Verletzt wurde niemand. Der Geiselnehmer forderte danach, dass die Elitepolizei RAID vor Ort kommen solle.

Diese Einheit hatte am 22. März den Serienattentäter von Toulouse, Mohamed Merah, nach mehr als 30-stündiger Belagerung in dessen Wohnung erschossen, die nur rund 500 Meter vom Ort der Geiselnahme entfernt liegt. Auch Merah, der insgesamt sieben Menschen erschoss, hatte sich als Al-Kaida-Mitglied ausgegeben.

"Wahrscheinlich ist der Typ verrückt"

Der Geiselnehmer soll rund 30 Jahre alt und polizeibekannt sein. Nähere Einzelheiten teilten die Ermittler zunächst nicht mit. Unklar war zunächst, ob die Forderung des Mannes ernstzunehmen war. "Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass der Typ verrückt ist, was ihn aber nicht weniger gefährlich macht", hieß es bei der Polizei.

Der Umkreis der Bank wurde abgeriegelt, und die Eltern einer benachbarten Schule wurden aufgefordert, ihre Kinder abzuholen. Nach Angaben des Staatsanwaltes von Toulouse, Michel Valet, sollten Spezialkräfte den Kontakt zu dem Geiselnehmer aufnehmen. Auch Sondereinsatzkräfte der Polizeieinheit GIPN rückten aus Bordeaux und Marseille an.

Schreckliche Erinnerungen werden wach

Bei den Anwohnern weckte die Geiselnahme schreckliche Erinnerungen an den Serienattentäter von Toulouse. Merah hatte sich dazu bekannt, im Großraum Toulouse drei französische Soldaten sowie drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule erschossen zu haben. Der 23-jährige Islamist war laut Ermittlern 2010 und 2011 in Afghanistan und Pakistan gewesen. Ob er tatsächlich zu al Kaida gehörte, ist bis heute ungeklärt.

Merahs Vater hatte erst vergangene Woche Klage wegen "Ermordung" seines Sohnes eingereicht. Er wirft der Eliteeinheit RAID vor, seinen Sohn absichtlich erschossen zu haben. Sie hätten ihn nach stundenlanger Belagerung lebend fassen müssen.

In Toulouse war erst am 6. Juni ein Sicherheitsmann des französischen Wetterdienstes als Geisel genommen worden. Der Täter, ein Arbeitsloser, konnte überwältigt werden.

be/DPA / DPA