HOME

Neuer Job für Greenwald: "Guardian" verliert NSA-Reporter

Er berichtete federführend über den NSA-Skandal und Edward Snowden, jetzt verlässt Glenn Greenwald den britischen "Guardian". Er habe ein "journalistisches Traumangebot" erhalten.

Ihm vertraute Edward Snowden seine Geheimnisse und sein Leben an: Seit der "Guardian" die weltweite NSA-Überwachung aufdeckte, steht der Name Glenn Greenwald in einer Reihe mit berühmten Enthüllungsjournalisten wie Bob Woodward und Carl Bernstein. Die Publicity zahlt sich nun offenbar aus. Greenwald wird seine Heimzeitung, den britischen "Guardian", verlassen. Er habe ein "journalistisches Traumangebot" bekommen, könne aber noch keine Details nennen, teilte Greenwald am späten Dienstag mit. Es gehe um ein gut finanziertes neues Unternehmen, erklärte er dem Online-Dienst "Buzzfeed". Guardian-Sprecherin Jennifer Lindauer erklärte, die Zeitung sei enttäuscht über die Kündigung Greenwalds. "Wir können aber anerkennen, dass seine neue Rolle sehr attraktiv ist und wünschen ihm alles Gute."

Snowden, der tausende geheime Unterlagen des US-Geheimdiensts NSA der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, hatte sich Greenwald als journalistischen Partner ausgesucht, weil er dessen frühere Arbeit kannte. Er gab dem Reporter und der Filmemacherin Laura Poitras ein langes Interview in Hongkong, das Anfang Juni den Skandal um die großflächige Internet-Überwachung durch amerikanische und britische Geheimdienste ins Rollen brachte.

Diesmal war es Greenwald selbst, der 'Opfer' eines Infolecks wurde: Bei "Buzzfeed" gestand er, dass die Nachricht von seinem Wechsel früher als geplant bekannt wurde. Deswegen könne er noch keine Details zu seinem neuen Arbeitgeber verraten, werde dies aber in Bälde tun.

Neues Projekt vom eBay-Gründer?

Laut Reuters handelt es sich bei Greenwalds künftigem Arbeitgeber um ein neues Medienunternehmen des eBay-Gründers Pierre Omidyar. Die Nachrichtenagentur berief sich am Mittwoch auf "mit dem Vorgang vertraute Personen". Der 46-jährige Omidyar verfügt nach Informationen des Magazins Forbes über ein Vermögen von 8,5 Milliarden Dollar. Er engagiert sich seit längerem für soziale Zwecke. Er gründete unter anderem "Honolulu Civil Beat", eine Internetseite, die über Hawaii berichtet und ein neues Journalismus-Modell entwickeln will.

Unklar ist, ob der in Frankreich geborene Amerikaner iranischer Abstammung noch weitere Geldgeber für sein jüngstes Projekt hat. Omidyars Twitter-Nachrichten lassen darauf schließen, dass er sich stark mit den staatlichen Spionageprogrammen beschäftigt, die Edward Snowden und Glenn Greenwald aufgedeckt haben. Snowden hat in Russland Asyl erhalten und lebt an einem geheimen Ort. Er wird in den USA wegen Spionagevorwürfen gesucht.

jwi/DPA/Reuters / DPA / Reuters