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Partnerwahl: "Frauen suchen Ernährertypen"

Hoch qualifizierte Frauen jenseits der dreißig haben ein Problem: Eigentlich suchen sie Männer, die ihnen in Sachen Status überlegen sind - nur sind genau diese rar. Im stern.de-Interview analysiert der Bamberger Soziologe Hans-Peter Blossfeld den schwierigen Heiratsmarkt und dessen Gesetze.

Frauen haben es oft schwer, den Partner ihrer Träume zu finden

Frauen haben es oft schwer, den Partner ihrer Träume zu finden

Frauen, vor allem die gut ausgebildeten, haben es immer schwerer, den Partner ihrer Träume zu finden. In seinem Buch "Überlisten Sie Ihr Beuteschema" fordert der Mediziner und Paartherapeut Stefan Woinoff Deutschlands Akademikerinnen deshalb auf, sich bei der Partnerwahl nicht bloß an statusüberlegenen Männern zu orientieren. Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld, Direktor des Staatsinstituts für Familienforschung in Bamberg, beobachtet dieses Phänomen seit Jahren.

Herr Blossfeld, wonach suchen Frauen vor allem ihren Mann aus?

Als Soziologe denke ich, dass soziale Normen wichtig sind. Die sorgen dafür, dass die Partnerwahl immer noch in traditionellen Strukturen steckt. Wir beobachten weiterhin dieses alte, längst überwunden geglaubte Ernährermodell, wonach der Mann den Status und den Lebensunterhalt der Familie sichert. Frauen suchen in der Tat immer noch nach möglichst einkommensstarken, hoch gebildeten Partnern.

Dabei ist mit 56 Prozent die Mehrzahl der Studienanfänger inzwischen weiblich.

Eben, und, wenn Sie so wollen, ist dies genau das Problem: Wenn die Frauen die Männer in der Bildungsstruktur überholen, wird die Luft nach oben hin immer dünner. Denn diese Frauen suchen vor allem Akademiker, die den gleichen oder einen noch höheren Status haben.

Sie suchen also nicht Mr. Right, sondern Mr. Big?

Wenn Sie es so formulieren wollen. Sie müssen wissen, dass ein großer Teil der Männer - wir gehen gegenwärtig noch von 15 bis 20 Prozent aus - bei der Partnerwahl sich immer noch traditionell nach unten orientiert, wenn es um das Bildungsniveau oder Einkommen der Partnerin geht. Somit herrscht an der Spitze ein struktureller Männermangel. Das ist dann simple Mathematik. Hoch qualifizierte Frauen stehen zunehmend vor der unangenehmen Frage: Allein bleiben oder einen Partner wählen, der unter ihrem Niveau liegt? Aber gegen die zweite Alternative gibt es bei den Frauen noch große Widerstände.

Liegt das an den Frauen oder an den Männern?

An beiden. Einen Mann kostet es viel Überwindung, wenn er sich mit einer Frau einlässt, die mehr verdient als er. Er stellt damit ja seine traditionelle Rolle als Ernährer in Frage. Das ist auch gesellschaftlich noch immer nicht voll akzeptiert. Wenn ein Arzt eine Krankenschwester heiratet, ist das kein Thema. Aber wenn eine Ärztin einen Pfleger heiratet oder einen Tankwart, dann wird sie auch heute noch einige Diskussionen in ihrem Umfeld auslösen. Es ist also kein Wunder, wenn wir bei den hoch qualifizierten Frauen die höchsten Singlequoten haben. Bis ins Alter von 36 liegen diese bei gut 20 Prozent.

Das klingt dramatisch. Wie gehen die Frauen damit um?

Zunächst ist es ihnen größtenteils gar nicht bewusst. An der Uni haben sie das Gefühl, dass die Zahl der Singles unendlich ist und sie immense Möglichkeit haben, ihren Partner zu finden. Nach dem Studium ändert sich diese Situation aber unerwartet abrupt, und mit der beruflichen Etablierung explodiert die Heiratsquote geradezu. Wer dieses Zeitfenster im Lebenslauf verpasst, hat große Probleme einen Partner zu finden und bleibt vielleicht sogar auf der Strecke, das heißt langfristig ein Single.

Oder ein Fall für eine Partnervermittlung.

Wer in einem gewissen Alter nicht in einer Beziehung ist, hat das Problem geeignete Singles zu treffen. Erfolgreiche Frauen zum Beispiel sind dann beruflich eingespannt und haben wenig Zeit für die Suche. Daher kommt der Erfolg von Onlinebörsen. Die bieten eine stressfreie Möglichkeit, den Partnermarkt zu screenen. Wir untersuchen dieses Verhalten gerade in einem Forschungsprojekt. Doch auch hier ist die Partnerwahl überraschend traditionell. Für Männer spielen Bildung und der berufliche Erfolg der Frauen eine eher untergeordnete Rolle. Bei Frauen ist das genau andersrum: Je mehr sozialen Status und materielle Sicherheit ein Mann verspricht, umso attraktiver wird er und umso mehr "Klicks" bekommt er.

Sind die Frauen selbst schuld an Ihrer Misere? Sind sie zu anspruchsvoll?

Anspruchsvoll ist der falsche Begriff. Sie sind vielleicht zu wählerisch. Auch Hochnäsigkeit wäre die falsche Assoziation. Es ist gibt noch immer allgemein geteilte soziale Normen, die das Verhalten der Frauen in bestimmte Bahnen lenken. Das ist eher ein gesellschaftliches Problem. Es gibt zum Beispiel nur wenige Berufe, die ein stressfreies Nebenher von Karriere und Familie ermöglichen - und Familie ist noch immer vor allem Frauensache.

Ist der Preis für Bildung und Erfolg in vielen Fällen also Einsamkeit?

Das ist allgemein schwer zu sagen. Sicher ist: Die Phase, in der die Familienbildung stattfindet, ist auch die entscheidende für die Karriereplanung. Frauen, die sich zunächst für die Karriere entscheiden, stehen in der Gefahr, den Zug in die andere Richtung zu verpassen. Rein statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese Frauen Single bleiben, oder mindestens kinderlos.

Interview: Markus Götting