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Privatdetektive: Die Masche mit dem Untreue-Verdacht

Eine Detektei versucht, aus dem Misstrauen von Ehefrauen Kapital zu schlagen - mit angeblichen Hinweisen auf Seitensprünge des Gatten.

Von Elke Schulze

Gabriele H. war geschockt, als sie den Brief der Detektei Bullman & Petersen las. Das ihr bis dahin unbekannte Unternehmen bezichtigte ihren Ehemann indirekt der Untreue: "Einer unserer Tätigkeitsbereiche befasst sich damit, unseren Mandanten Klarheit über die Treue ihres Partners zu Verschaffen … Durch umfangreiche Recherche in Hamburg haben wir diesbezüglich Informationen erlangt." Angehängt war ein Vertrag, mit dem die 59-jährige Hamburgerin weitere Nachforschungen gleich in Auftrag geben konnte: 325 Euro, zahlbar per Nachnahme bei Zusendung des Berichts. Sie brauchte nur noch zu unterschreiben. "Obwohl ich meinem Mann den Brief zeigte, fürchtete er, dass ich ihm misstraue. Aber wir führen eine intakte Ehe", sagt sie.

Hinter der Offerte steckt keine seriöse Detektei, sondern offenbar eine neue Abzocker- Masche, mit der versucht wird, aus dem Misstrauen von Ehefrauen Kapital zu schlagen. Mit ähnlichen Briefen haben sich Betroffene auch an die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gewandt. Sprecherin Evelyn Kessler sagt: "Hier wird mit falschen Behauptungen versucht, an Geld zu kommen." Sie schätzt, dass bis zu einigen Tausend Menschen diese Briefe erhalten haben.

Dubiosen Geschäftemachern wie Bullman & Petersen nach deutschem Recht beizukommen ist gar nicht so einfach. Denn deren Unternehmensrechtsform ist eine britische "Limited". Für den Gründer Andreas Weigel hatte das den Vorteil, dass er kein Haftungskapital einzahlen musste, als er die Firma am 13. Dezember 2007 beim Handelsregister im walisischen Cardiff eintragen ließ. Und persönlich haftbar ist er auch nicht, sodass Geschädigte keine Geldrückzahlung erwarten können.

Mindestens ein Seitensprung

Wahrscheinlich sind sich die wenigsten so sicher wie Gabriele H., dass ihr Partner nicht fremdgeht. Einer Umfrage des Gewis- Instituts zufolge geben über 47 Prozent der Deutschen zu, bereits mindestens einmal einen Seitensprung riskiert zu haben. Treue ist Vertrauenssache. Und wer kann sich schon immer sicher sein? Auf diesen Faktor setzt Bullman & Petersen offenbar. Hans Sturhan, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Detektive, fürchtet, dass der ganze Berufsstand in Misskredit gerät: "Wir würden nie Menschen mit solchen Briefen bedrängen, aber in Deutschland darf sich jeder Detektiv nennen, der ein Gewerbe angemeldet hat. Dabei haben wir uns strenge Regeln auferlegt, machen vorab keine Pauschalpreise ab." Der Verband stellt seinen Mitgliedern einen Preisspiegel zur Verfügung. Danach kostet eine Detektivstunde im Schnitt 56 Euro.

Es sei einfach zu leicht, eine solche Masche durchzuziehen, kritisiert Verbraucherschützerin Evelyn Kessler. Weil jeder bei Adressverlagen - nach bestimmten Kriterien sortiert - Anschriften einkaufen könne. So hat es wahrscheinlich die Firma Bullman & Petersen gemacht: Ehepartner angeschrieben, die mit ihren Vornamen dort gespeichert sind. Wie sonst wäre etwa eine 87-jährige Frau aus Ganderkesee zu dem Brief gekommen, in dem ihr bereits vor sieben Jahren verstorbener Ehemann der Untreue verdächtigt wurde? Evelyn Kessler rät jedem Angeschriebenen, eine Anzeige zu erstatten. Nur dann könnte einem Betrugsverdacht nachgegangen werden. Der Polizist, der die Anzeige bei Gabriele H. aufnahm, hatte allerdings eine ganz pragmatische Empfehlung: Sie solle solche Briefe am besten gleich wegwerfen.

Nur ein Briefkasten

Der stern wollte Andreas Weigel mit den Vorwürfen konfrontieren. Doch hinter der Firmenadresse Brunnenstraße in Berlin verbirgt sich ein abgerissenes, nur teilweise bewohntes graffitibespraytes Hinterhofhaus. Mehr als ein Briefkasten deutet nicht auf die Firma hin. Versuche, das Detektivbüro telefonisch zu erreichen, scheiterten ebenfalls. Niemand nahm den Hörer ab. Bis vor Kurzem wurde aber zumindest der Briefkasten geleert. Denn bereits Ende Januar hatte sich der Detektivverband bei der Wettbewerbszentrale Stuttgart beschwert. Die leitete ein Abmahnverfahren ein. Eine an die Adresse Brunnenstraße geschickte Unterlassungserklärung kam kurz darauf tatsächlich unterschrieben zurück. Unterzeichnet: A. Weigel.

Gabriele H. hat nicht nur Anzeige erstattet, sondern der Detektei in einem Brief mit rechtlichen Schritten gedroht. Daraufhin erhielt sie ein umfassendes Entschuldigungsschreiben von Bullman & Petersen: Über ihren Ehemann sei nichts bekannt, was dessen Treue infrage stelle. Sie sagt: "Da waren wir beide doch erleichtert, dass das Ganze dann erledigt war."

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