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Polizeigewalt in den USA: Polizeigewalt ist eine der häufigsten Todesursachen für junge US-Amerikaner

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist die Tötung durch einen Polizisten die sechshäufigste Todesursache für junge Amerikaner. Vor allem junge Schwarze sterben in Folge von Polizeigewalt.

Leere Patronenhülsen und Glassplitter liegen auf dem Asphalt – im Hintergrund: ein Absperrband der Polizei

Einer von 1000 jungen, männlichen Afroamerikanern stirbt durch die Hand der Polizei. Damit werden sie weitaus häufiger Opfer von Polizeigewalt als weiße US-Bürger gleichen Alters und Geschlechts

Getty Images

Die Tötung durch Polizisten ist laut einer Studie der US-amerikanischen National Academy of Sciences die sechshäufigste Todesursache für männliche Amerikaner zwischen 25 und 29 Jahren. Besonders betroffen sind junge Afroamerikaner. Die Analyse von Todesfällen, bei denen auch Strafverfolgungsbehörden mit einbezogen wurden, ergab, dass die Wahrscheinlichkeit, das Opfer eines Polizisten zu werden, als junger, männlicher Schwarzer 2,5 mal höher ist als bei Weißen gleichen Alters und Geschlechts. Demnach wird einer von 1000 schwarzen Jungen und Männern durch einen Polizisten getötet.

Auch andere Minderheiten sterben öfter durch Polizistenhand: Bei jungen Latinos ist das Risiko 1,4 mal, bei amerikanischen Ureinwohnern 1,2 bis 1,7 mal höher, Todesopfer von Polizeigewalt zu werden als bei Weißen. Asiaten und Pazifikinsulaner beider Geschlechter sind laut Studie nur halb so oft unter den Toten. Als Frau ist es sogar 20 mal unwahrscheinlicher durch Polizisten getötet zu werden. Aber auch hier würden sich deutliche Unterschiede abzeichnen – schwarze Frauen würden häufiger von Polizisten getötet als weiße.

Begrenzte Daten

Ein Problem für die Forscher waren die begrenzten Daten. Eine glaubwürdige staatliche Angabe über die Anzahl an Polizeitötungen habe es nicht gegeben. Aus diesem Grund arbeiteten die Forscher mit der journalistischen Datenbank "Fatal Encounters" zusammen. Diese sammelt Informationen über Polizeigewalt und greift dabei auf Nachrichten, öffentliche Aufzeichnungen und Social-Media-Posts zurück. Kombiniert mit den Ressourcen des National Vital Statistics Systems konnten die Zahlen so nach Ethnie, Alter und Geschlecht getrennt ausgewertet werden. Letztlich könnte die Dunkelziffer jedoch weitaus höher liegen: Tode, die die Polizei als Selbstmord oder Unfall eingestuft hat, wurden ausgeschlossen.

"Die Anzahl der Menschen, die in den USA durch Polizeikräfte getötet wurden, ist, verglichen mit ähnlich wohlhabenden Demokratien, einzigartig", erklärt Justin Feldman, Sozialepidemiologe an der New York University School of Medicine. Grund hierfür, so Feldman, sei unter anderem, dass sich die amerikanischen Polizeibehörden nicht hinreichend juristisch und politisch rechtfertigen müssten. Auch der weitverbreitete Besitz von Schusswaffen könnte zu den erschreckenden Zahlen beitragen: Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 war die Mordrate durch Schusswaffen in den USA 25 mal höher als in wirtschaftlich und politisch vergleichbaren Ländern.

Kranke Gesellschaft

Vor allem die auffällig vielen Todesopfer unter jungen, schwarzen US-Bürgern geben Grund zur Besorgnis. Fünf Jahre, nachdem der unbewaffnete, jugendliche Afroamerikaner Michael Brown im US-Bundesstaat Missouri von dem Polizisten Darren Wilson erschossen wurde, haben Aktivisten die unverhältnismäßige Gewalt gegenüber Schwarzen in den öffentlichen Fokus gerrückt. Das medizinische Fachmagazin "The Lancet" berichtete im vergangenen Jahr, dass knapp die Hälfte der über 100.000 befragten Afroamerikaner in den drei Monaten vor der Umfrage mindestens einen polizeilichen Mord in ihrem Staat wahrgenommen haben. Darunter habe auch die psychische Gesundheit der nicht direkt Betroffenen gelitten, was zur vermehrten Verbreitung von Depressionen geführt habe. Weiße US-Amerikaner hätten im selben Zeitraum keinerlei psychischen Schaden genommen.

Quellen: "Los Angeles Times", "The Washington Post"

ys