Prozess in Freiburg Gnade für den Luxuspriester


Ein katholischer Priester hat eine Geliebte. Er schlägt sie, weil er Geld von ihr will, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Als sie nichts mehr hat, ergaunert er von der Kirche 137.000 Euro. Nun wurde der Moraltheologe am Landgericht Freiburg zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt.
Von Manuela Pfohl

"Wo die Gier nach dem schnellen Geld größer ist als das notwendige Verantwortungsbewusstsein, da gerät die Welt schnell aus den Fugen." Ob der Freiburger Erzbischof Robert Zöllitsch bei seiner Predigt am vergangenen Sonntag in Hockenheim auch an Frank B. dachte? Den wohl bekanntesten Priester seiner Diözese?

B. soll die katholische Kirche um insgesamt 137.000 Euro betrogen und vier weitere Opfer um mehr als 100.000 Euro geprellt haben. Doch damit nicht genug: Alles in allem werden dem 39-jährigen Geistlichen mehr als 50 Straftaten vorgeworfen, darunter Betrug, Nötigung, Untreue und Körperverletzung. Ein Dutzend Straftaten gehen zu Lasten von Gudrun E., seiner Ex-Geliebten. Einer Frau, die Frank B. vor Jahren kennenlernte, als er noch Kaplan in einer Kleinstadt im Odenwald war. Sie arbeitete damals als Aushilfe in einem Drogeriemarkt und habe ihn - so stellt es Frank B. vor Gericht dar - zum Kniefall vor dem Mammon verführt.

Sie habe ihn quasi animiert, teure Möbel zu kaufen, sich einen getunten Mercedes im Wert von 72.000 Euro zuzulegen, plus einen Audi A3. Sie sei es gewesen, die ihn zu einem luxuriösen Leben verführte. Sie habe immer gesagt: "Gönn' dir was, Geld ist kein Problem." Sie hätte ihm auch versichert, dass sie mehrere Grundstücke besitze, die zu Geld gemacht werden könnten. Sie sei schuld. Es ist ein bisschen wie beim Sündenfall: Gudrun E., die ihm den Apfel reicht - und Frank B. als Opfer, das die Schlange nicht sieht.

Mit dem Gürtel gezüchtigt

Als der Geistliche 2003 nach Freiburg ging, folgte ihm die elf Jahre ältere Frau. Ob aus Liebe oder schon aus einem Gefühl der Abhängigkeit, wird vor Gericht nicht deutlich. Fakt ist allerdings, dass der Priester seinerseits ganz eigene Vorstellungen von der Zweisamkeit hatte. Staatsanwalt Dietrich Bezzel erklärt: "Diese Beziehung war in der Folgezeit von Geldforderungen sowie verbalen und körperlichen Aggressionen des Angeklagten gegen die Geschädigte geprägt." Mehr als einmal soll Frank B. seine Geliebte mit einem Gürtel gezüchtigt und immer wieder gezwungen haben, mehr Geld heranzuschaffen. Als das irgendwann nicht mehr funktionierte, habe er angefangen, sich selbst um die Finanzen zu kümmern.

In seiner Funktion als Priester und Doktorand habe der Moraltheologe die Erzdiözese Freiburg, eine Freiburger Kirchgemeinde und verschiedene Privatpersonen belogen. So soll er sich 2003 und 2004 zwei Darlehen in Höhe von 35.000 und 85.000 Euro mit der Begründung ergaunert haben, er brauche es für eine dringend notwendige Behandlung seines schwerbehinderten Bruders. Einem bekannten Politiker habe er die Geschichte von einer angeblich mittellosen alleinerziehenden Studentin erzählt, der dringend geholfen werden müsse. Einer Cousine seiner Geliebten habe er vorgespielt, das Vermögen von Gudrun E. sichern zu wollen. Die Frau habe ihm daraufhin tatsächlich 90.000 Euro überwiesen. Im Herbst 2005 und Frühjahr 2006 habe er schließlich behauptet, selbst an Krebs erkrankt zu sein. 5000 Euro habe ihm das von zwei mitleidigen Frauen eingebracht. Kein einziger Euro sei für wohltätige Zwecke verwandt worden.

Beten für Frank B.

Für die katholische Kirche ist der Fall Frank B. mehr als nur ein finanzielles Desaster. Er hat vor allem einen Imageschaden verursacht, der kaum wieder gut zu machen ist. Nachdem das ganze Ausmaß der Verfehlungen Ende 2006 bekannt geworden war, stellten die Gemeindemitglieder nicht nur in Freiburg die Frage, wem man denn überhaupt noch trauen könne, wenn selbst ein katholischer Priester in Sünde lebt und das Geld der Mutter Kirche für seine Gier nach einem Luxusleben missbraucht.

Am letzten Verhandlungstag erklärte sich Frank B. bereit, eine Entschädigung von 70.000 Euro an Gudrun E. zu zahlen. Er sagte: "Ich habe geschlagen, gelogen und betrogen. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen, die ich verletzt habe, irgendwann für mich beten."

Heute hat das Landgericht Freiburg den Sünder zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde. Eine Überraschung ist das Urteil nicht. Denn die Prozessbeteiligten hatten sich schon vorab darauf geeinigt, dass eine eventuelle Freiheitsstrafe unter zwei Jahren liegen soll und zur Bewährung ausgesetzt wird. Frank B. möchte künftig wieder für die katholische Kirche arbeiten.


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