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Prozess: Wie Polizisten aussehen dürfen

Nimmt man einen Polizisten mit langen Haaren nicht ernst? So richtig korrekt sieht ein Zopf nicht aus, zumindest nach Meinung der Richter am Oberverwaltungsgericht Koblenz. Folglich verwehrten sie einem Beamten seinen Wunsch, seine Haarpracht zu behalten.

Eigentlich gelten sie ja eher als klassische Schnurrbartträger und sind nicht für ihre langen Haare bekannt. Nun hat in Rheinland-Pfalz ein Polizist mit Pferdeschwanz geklagt, der seine Haarpracht entgegen einem Rundschreiben des Mainzer Innenministeriums behalten wollte. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz verwehrte ihm den Wunsch. So richtig korrekt sieht ein Zopf nach Meinung der Richter nicht aus. Und überhaupt: Die Bevölkerung nimmt einen Polizisten mit schulterlangen Haaren nicht immer ernst. Stimmt das?

Bei den Gesetzeshütern wird grundsätzlich Wert auf das Äußere gelegt und viel darüber diskutiert. Ob ein Polizist ein Piercing tragen darf, ist zum Beispiel genau geregelt, wie Thomas Will, Geschäftsführer des Landesbezirks der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mainz, sagt. Seiner Meinung nach ist das Zopf-Urteil "vollkommen in Ordnung".

"Reizthema Erscheinungsbild der Polizei"

Bei der Gewerkschaft, die bundesweit rund 185 000 Beamte vertritt, gibt es zu dem "Reizthema Erscheinungsbild der Polizei" aber viele Stimmen. Ein Artikel in der GdP-Zeitung löste im vergangenen Jahr eine Flut von zum Teil hitzigen Leserbriefen aus, oft mit dem Tenor, die Polizei habe doch andere Sorgen. "Ich schlage vor, es werden vom am meisten angepassten Polizisten 300 000 Klone her- und dann eingestellt", schrieb ein Leser.

Wie ein Polizist im Dienst aussehen darf, ist Ländersache. Vor fast fünf Jahren bekam ein Münchner Beamter Recht, der im Dienst einen Ohrring tragen wollte. Das gehöre zur "freien Entfaltung der Persönlichkeit". In Hamburg zogen Ende der 80er Jahre 15 Vollbart- Träger vor Gericht, weil sie nicht mit nacktem Kinn arbeiten wollten. Der Bart muss gestutzt werden, wenn durch ihn die Schutzmaske nicht richtig funktioniert, beschieden die Richter.

Kurze Haare auch aus hygienischen Gründen

Soldaten müssen seit 1972 nach dem Ende des "Haarnetz-Erlasses" (der der Bundeswehr den Spottnamen "German Hair Force" brachte) wieder kurze Haare tragen, was auch hygienische Gründe hatte. Aus modischer Sicht ist der Pferdeschwanz ohnehin ein Relikt - "mega- out", urteilt Klaus-Dieter Kaiser, Ex-Friseurweltmeister aus Lüneburg. Ihn persönlich würde ein Zopf beim Polizisten nicht stören. Aber: "Pferdeschwanz beim Mann - das ist schon lang vorbei. Das passt nicht mehr ins Modebild." Eine Ausnahme ist für ihn der hoch auf dem Kopf angesetzte Puschel, den Fußballer David Beckham zuweilen bei der Arbeit trägt.

Ein Polizisten-Zopf war 1996 schon einmal Gegenstand der juristischen Debatte - und wurde erlaubt. Bei den uniformierten Frauen gebe es ja auch unterschiedliche Frisuren. Und aus einem hessischen Polizeipräsidium hieß es dazu: "Es kommt nicht darauf an, was der Beamte auf dem Kopf, sondern im Kopf hat."

Caroline Bock / DPA
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