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Bloß nicht herumlungern oder fluchen!: So hart wird man im Ausland für Bagatellen bestraft

In Singapur wurden zwei Leipziger wegen eines Graffiti mit Stockhieben bestraft. Solche drastischen Mittel sind selten in der Welt, nicht aber Strafen für absurde Bagatelldelikte - eine Übersicht.

"Verändern des Erscheinungsbildes einer Sache" – so putzig nennt das deutsche Strafgesetzbuch Grafitti. Wer beim Sprayen erwischt wird, muss eine Geldstrafe zahlen oder bis zu zwei Jahre ins Gefängnis. Klingt harsch, aber immer noch besser als das, was zwei Leipziger in Singapur erwartet. Die beiden Anfang-Zwanzigjährigen waren in ein U-Bahn-Depot des Stadtstaats eingebrochen und hatten einen Waggon besprüht. Dafür müssen sie zwar nur neun Monate hinter Gitter, bekommen allerdings noch je drei Stockhiebe verpasst. Was nach tiefstem Mittelalter klingt, ist in Singapur durchaus üblich. Zum Beispiel auch für Drogendelikte, illegalem Geldverleih oder Visa-Vergehen.

Das Land ist wie kaum ein anderes berüchtigt für seine rigorosen Verbote: Kaugummi verkaufen, Pornografie, nackt in der eigenen Wohnung Herumlaufen – alles untersagt. Nur die USA können es vielleicht noch mit den Asiaten aufnehmen. Zumindest, was die Geringfügigkeit von Straftaten angeht.

Herumgelungert? Ab in den Knast!

  • In Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico landeten mindestens sieben Menschen im Knast, weil sie Müll auf die Straße geworden haben. Auch "Herumlungern" kann auf die gleiche Weise geahndet werden – jedenfalls dann, wenn die Straftäter die eigentlich fällige Geldstrafe nicht zahlen können.
  • Auch die Benutzung des in den USA sowohl verpönten als auch beliebten F-Worts ist in einigen Bundesstaaten bei Strafe verboten. Die "Welt" berichtet von einem Mann aus New Bern in North Carolina, der in einem Laden mächtig Dampf abgelassen hatte. Dabei fiel wohl auch öfter das Wort Fuck, was die Polizei auf den Plan rief. Seit 1971 ist das Fluchen im öffentlichen Raum verboten, der Mann wurde zu zehn Tagen Haft verurteilt, geriet aber an einen gnädigen Richter, der das Gefängnis gegen eine elektronische Fußfessel tauschte.

Vorsicht ist aber auch bei den europäischen Nachbarstaaten geboten, nicht nur im Straßenverkehr:

Betrunken gefahren? Auto weg!

  • In Dänemark etwa darf die Polizei einem betrunkenen Fahrer das Auto abnehmen. Zudem ist mindestens ein Nettomonatsverdienst als Strafe fällig. Wie in Italien auch, wird nicht nur der Wagen einkassiert sondern auch noch zwangsversteigert – zumindest, wenn Fahrer und Halter identisch sind.
  • Die Türkei bestraft Besucher streng, die sich an den Kulturgütern des Landes vergreifen und unbedacht Andenken mitnehmen wollen. Auf die Ausfuhr von Steinen etwa stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis.
  • Polen und Litauen teilen sich eine weitgehend grüne Grenze mit der russischen Exklave Kaliningrad. Wer die überschreitet, aus Versehen oder absichtlich und ohne Papiere, muss damit rechnen, von russischen Grenzern festgenommen zu werden und unter Umständen für längere Zeit ins Gefängnis zu gehen.
  • Als Barack Obama am 20. Januar 2009 als Präsident vereidigt wurde, wollten fast zwei Millionen Menschen das Ereignis vor Ort in Washington sehen. Die Eintrittskarten wurden kostenlos verteilt, waren aber so begehrt, dass ihr Verkauf oder die Fälschung mit einer Geldstrafe von bis zu 100.000 US-Dollar oder ein Jahr Knast bestraft wurde.

Andere Länder, andere Verbote: Wer sich vor einer Reise über die Gepflogenheiten seines nächsten Gastlandes informieren will, kann dies etwa über die Länderprofile auf der Seite des Auswärtigen Amt tun oder auch beim ADAC, wenn es zum Beispiel um die europäischen Bußgelder geht. In unserem stern-Urlaubsratgeber finden sie alles weitere, um sorgenlos im Ausland unterwegs sein zu können.

nik