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RAF-Fotos: Alte Fotos neu entdeckt

Die Selbstmorde der RAF-Terroristen in Stammheim im Oktober 1977 faszinieren bis heute. Deshalb war die Aufregung groß, als nun 400 Fotos der toten Terroristen in einem Keller gefunden wurden. Nicht alle sind unbekannt: Der stern hat einen Teil davon bereits veröffentlicht.

Von Manuela Pfohl

Der Deutsche Herbst, Höhepunkt des Terrors der Roten Armee Fraktion (RAF), endete mit einem Paukenschlag: In der Nacht nach der Erstürmung der entführten Lufthansa-Maschine, der "Landshut", im somalischen Mogadischu, waren die führenden Köpfe der ersten Generation der RAF tot. Sie hatten sich selbst gerichtet, im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim: Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe. Die Toten wurden im Auftrag der Behörden fotografiert. Ein Teil der Aufnahmen ist der Öffentlichkeit schon seit langem bekannt. Das Bild Baaders, wie er in seinem eigenen Blut liegt, ist eines der Symbolbilder jener Epoche. Seither hat das Interesse an den deutschen Terroristen kaum nachgelassen. Immer wieder wurde dabei behauptet, sie seien ermordet worden. Beweise gab es keine.

Vier Schachteln mit Bildern toter RAF-Terroristen

Vor diesem Hintergrund war der mediale Aufruhr groß, als es diese Woche kurz schien, als gebe es bislang unbekannte Fotos der Toten, entdeckt im Keller eines verstorbenen Kriminaltechnikers. Baader, erschossen am Boden, Ensslin, erhängt am Fenster ihrer Zelle, Raspe mit zerschossenem Schädel auf einem Obduktionstisch. Diese Szenen sind auf einigen der insgesamt mehr als 400 Fotografien zu sehen, die für Wirbel sorgten: Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete am Montag, dass im Nachlass jenes Kriminaltechnikers vor wenigen Tagen vier Fotoschachteln entdeckt worden seien, die randvoll mit Abzügen jener Polizeifotos waren, die der Beamte am 18. Oktober 1977 aufgenommen hatte, am Morgen nach dem nächtlichen Selbstmord. Mehrere Medien griffen den Bericht auf.

Doch unbekannt sind zumindest die meisten der Bilder nicht. Ausgewählte Aufnahmen veröffentlichte der stern in seiner Serie zur Geschichte der RAF, die im März 2007 startete. Weitere Fotos, die mit Rücksicht auf die Toten und ihre Angehörigen nicht veröffentlicht wurden, liegen im Archiv des stern. Spektakuläre Hinweise auf schlampige Ermittlungen oder vertuschte Erkenntnisse enthalten sie nicht. Ob auf einem der 400 jetzt aufgetauchten Bilder doch noch belastende neue Details erkennbar ist, ist allerdings offen.

"Kein Ansatz für neue Ermittlungen"

Aus Sicht der Stuttgarter Staatsanwaltschaft jedenfalls ist auf den Fotos "dem Anschein nach nichts Neues zu sehen". Behördensprecherin Bettina Vetter sagte, die Bilder böten keinen " keinen Ansatz für neue Selbstmord-Ermittlungen". Gemeint ist der im vergangenen Jahr erhobene Vorwurf, Sicherheitsbeamte hätten 1977 von den Selbstmordplänen der Terroristen gewusst, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte deshalb im vergangenen Jahr neue Vorermittlungen aufgenommen. Bislang allerdings ohne neue Erkenntnisse.

Interessant bleibt bei dem Wirbel um die aufgetauchten Bilder auch die Frage, warum der Kriminaltechniker, der damals in Stammheim die Fotos zur Dokumentation für die Ermittlungsakten machte, mehr als 30 Jahre lang, bis zu seinem Tod, Abzüge der Bilder in einem Koffer im Keller seines Hauses versteckte.