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Sachsen "Arglistige Täuschung": Sächsische Polizei will Transmann nach Coming-out kündigen – Urteil gefallen

Polizeiuniform der Polizei in Sachsen
Die sächsische Polizei hatte den jungen Mann wegen "arglistiger Täuschung" entlassen, da er sich noch als Frau beworben hatte (Symbolbild)
© Florian Gaertner/ / Picture Alliance
Obwohl der sächsischen Polizei bekannt war, dass einer ihrer Anwärter eine Geschlechtsumwandlung anstrebte, wurde er entlassen. Da er sich noch als Frau beworben hatte, sprach die Polizei von einer "arglistigen Täuschung".

Als er sich beim Präsidium der Bereitschaftspolizei bewarb, war er auf dem Papier noch eine Frau. Er bekam einen Ausbildungsplatz und begann seine Ausbildung an der sächsischen Polizeifachschule Schneeberg im Herbst 2020. Kurze Zeit später soll der Polizeianwärter seinem Lerngruppenleiter mitgeteilt haben, dass er eine Geschlechtsangleichung anstrebe. Das berichtet die Sächsische Zeitung.

Ein Jahr nach Ausbildungsbeginn sollte er in ein Praktikum starten – doch es kam anders: An seinem ersten Praktikumstag wurde ihm sogleich seine Entlassung mitgeteilt. Als Begründung hieß es, dass der junge Mann "wichtige gesundheitliche Daten nicht offengelegt hat, die für die Überprüfung der Polizeidiensttauglichkeit von entscheidender Bedeutung sind." 

Polizei spricht von "arglistiger Täuschung"

Dass der Polizeianwärter auf diese Weise von seiner Entlassung erfahren hatte, bedauert die Polizei und räumt Fehler ein: "Zutreffend ist, dass aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten bzw. Informationsdefiziten zwischen dem Referat Recht, Personal und der PFS Schneeberg Herr [...] zu unserem großen Bedauern tatsächlich zunächst zu seiner Praktikumsdienststelle entsandt und dort mit der Information konfrontiert wurde."

In internen Papieren der Polizei ist von einer "arglistigen Täuschung" die Rede. Allerdings geht aus ihnen auch hervor, dass jene Informationen scheinbar bekannt waren. "Er lebt bereits seit 2018 offen in der Schule und in der Freizeit als Junge", heißt es darin. 

Gericht verfügt, dass die Polizei den Mann wiedereinstellen muss

Seine Mitschüler:innen wandten sich in einem Brief an die Schulleitung. Sie seien entsetzt über die Entlassung ihres "Klassenkameraden, Freund, Mitschüler oder schlicht Kollegen".

Die Polizei aber weigerte sich, den jungen Mann wiedereinzustellen. Der Fall landete vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen, welches ihm den Weg zurück zur Beamtenlaufbahn ebnete. Die Polizei muss den Mann in den Vorbereitungsdienst einstellen sowie weiterhin seine Bezüge zahlen. Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus.

Quelle: Sächsische Zeitung

jha / tvm

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