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Schifffahrt: "Verfluchte Dänen!"

Soldaten und Freiwillige arbeiten fieberhaft an der Reinigung der mit Öl bedeckten Strände an der schwedischen Küste. Öl, das aus dem vor Bornholm gesunkenen chinesischen Frachter stammt. Jetzt klagt Schweden: Dänemarks Bürokratie habe die Bergung verhindert.

«Verfluchte Dänen!» überschrieb die Malmöer Zeitung «Sydsvenskan» am Mittwoch ihren Leitartikel zur Ölpest an den schönsten Sandstränden der schwedischen Ostseeküste. Dass die dänischen Behörden durch umständliche Bürokratie die Bergung des am Sonnabend vor Bornholm havarierten Frachters «Fu Shan Hai» verschliefen und so letztlich das Auslaufen von bisher etwa 1000 Tonnen zu verantworten hatten, meint auch die Regierung in Stockholm. Gewerbeministerin Ulrica Messing schickte am Mittwoch eine offizielle Klage an ihren Kopenhagener Kollegen Bendt Bendtsen.

Dabei sind durch massive Anstrengungen von schwedischen, dänischen und deutschen Spezialschiffen aus gut 90 Prozent des ausgelaufenen Öls sofort an der Unglücksstelle wieder eingesammelt worden. Alles in allem hatten «nur» 50 bis 100 Tonnen schweres Maschinenöl die Strände zwischen Simrishamn und Borrby erreicht, weitere 50 Tonnen waren am Mittwoch auf dem Weg dorthin.

Angst vor einer «richtigen» Katastrophe

Das sei nun wahrlich keine Katastrophe, schrieb «Svenska Dagbladet», verglichen mit der «täglichen und unsichtbaren Katastrophe» auf der Ostsee, wo die schwedische Küstenwacht im letzten Jahr 228 Fälle von bewusst herbeigeführten, illegalen Altöl-Emissionen von Schiffen aus notiert hatte. Die enorme Aufmerksamkeit für die von der «Fu Shan Hai» verursachte Ölpest vor allem in Schweden wird von Beobachtern auch als Zeichen für die Angst unter Ostsee-Anrainern vor einer «richtigen» Katastrophe gewertet. Was, so wird immer wieder gefragt, wenn statt des chinesischen Frachters am Sonnabend ein Riesentanker mit dem Frachtschiff «Gdynia» zusammengestoßen wäre?

Der ohnehin extrem dichte Verkehr mit jährlich 63 000 Schiffspassagen auf dem kleinen Binnenmeer mit seinen engen und winkligen Durchfahrten Richtung Nordsee nimmt derzeit explosiv zu. Hauptursache ist der Ausbau von Ölterminals an der russischen Küste, von wo aus immer mehr Öl auf immer größeren, aber oft überalterten und noch nicht einmal doppelwandigen Supertankern verschifft wird. Nun hoffen Umweltschützer auf eine schnelle Durchsetzung schärferer Sicherheitsbestimmungen. Eine absolute Lotsenpflicht in schwierigen Passagen und das Verbot von Einhüllen-Tankern stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste.

Thomas Borchert / DPA
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