Schläge und Beleidigungen Soldaten sollen Kameraden misshandelt haben


Neue Misshandlungsvorwürfe bei der Bundeswehr: Mehrere Soldaten sollen in einer Kaserne in Augustdorf im Kreis Lippe von ihren Kameraden geschlagen und beleidigt worden sein.

Neue Misshandlungsvorwürfe bei der Bundeswehr: Mehrere Soldaten sollen in einer Kaserne in Augustdorf im Kreis Lippe von ihren Kameraden geschlagen und beleidigt worden sein. Seit Mitte März liefen Ermittlungen gegen acht Zeitsoldaten, sagte der Sprecher der Kaserne, Udo Hagedorn, am Freitag auf DAPD-Nachfrage und bestätigte damit einen Bericht des "Westfalen-Blatts". Bei sieben Beschuldigten habe sich der Verdacht inzwischen erhärtet. In der vergangenen Woche schaltete die Bundeswehr die Staatsanwaltschaft ein.

Den Angaben zufolge geht es um Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und sexuelle Übergriffe. Nach bisherigen Erkenntnissen soll es sich um zwei bis drei Opfer handeln. Vorgesetzte hätten mit den mutmaßlichen Misshandlungen in der Kaserne nichts zu tun, betonte Hagedorn. Fünf der acht beschuldigten Soldaten wurden bereits beurlaubt. Ob die Verantwortlichen auch mit einer Entlassung aus der Bundeswehr rechnen müssen, sei noch nicht entschieden. "Wir bemühen uns derzeit um eine lückenlose Aufklärung", sagte der Sprecher.

Die Ermittlungen bei der Detmolder Staatsanwaltschaft sind derweil noch im Anfangsstadium. "Wir haben des Fall gerade erst auf den Tisch bekommen", sagte Behördensprecher Michael Kempkes. Am Freitag sei auch die Anzeige einer Anwältin eingegangen, die eines der mutmaßlichen Opfer vertrete. In Augustdorf sind laut "Westfalen-Blatt" rund 3.500 Soldaten stationiert, die unter anderem Kontingente für den Afghanistan-Einsatz stellen.

Die Bundeswehr musste sich in der Vergangenheit immer wieder mit Misshandlungsvorwürfen auseinandersetzen. Erst Mitte Februar war bekannt geworden, dass in einer Einheit im oberbayerischen Mittenwald Soldaten offenbar als Aufnahmeritual Rollmöpse und Frischhefe essen mussten, bis sie sich erbrachen.

Schlagzeilen machte auch der Bundeswehr-Skandal von Coesfeld. Dort wurden im Jahr 2004 insgesamt 163 Rekruten bei simulierten Geiselnahmen von Ausbildern gequält und gedemütigt. Was genau geschah, ist wegen des Schweigens der mutmaßlichen Täter noch immer nicht geklärt.

Der Bundesgerichtshof hob im vergangenen Jahr Freisprüche des Landgerichts Münster für insgesamt acht Angeklagte auf. Die Fälle müssen nun neu verhandelt werden. Fünf Angeklagte wurden wegen Misshandlung und Erniedrigung von Rekruten zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Kompaniechef erhielt eine Geldstrafe.

APN APN

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