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Schüler-Protest: Frau Merkel, heute schwänzen wir!

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!" Zehntausende Schüler haben vielerorts in Deutschland diesen oder andere Slogans skandiert, um gegen die Bildungsmisere in Deutschland zu demonstrieren. Dabei riskierten sie teilweise ernste Konsequenzen, denn nicht alle Ministerien hatten die Demonstrationen erlaubt.

Sie haben den Unterricht boykottiert und für eine bessere Bildung demonstriert. Zehntausende Schüler hat die Bildungsmisere am Mittwoch in zahlreichen Städten auf die Straße getrieben. In Berlin sprachen die Veranstalter von zehntausend Teilnehmern. In Hamburg, München, Stuttgart und Kiel gingen trotz der Androhung von Strafen jeweils bis zu 5000 Schüler auf die Straße. Die Schüler-Initiative "Bildungsblockaden einreißen" nannte die Gesamtzahl von 70.000 Teilnehmern in 30 Städten.

Der ganz überwiegend friedliche Protest richtete sich gegen Unterrichtsausfall, zu volle Klassen, Prüfungsstress und "überhaupt alles, was allgemein 'Bildungsmisere' genannt wird", hieß es auf der Internetseite von "schulaction", dem Veranstalterbündnis.

Einige Behörden verboten die Demonstration

Einige Ministerien oder Schulbehörden hatten ausdrücklich verboten, den Unterricht für die Teilnahme an Demonstrationen zu schwänzen. Der Sprecher des Schulministeriums in Düsseldorf, Thomas Breuer, sagte: "Die Schüler können sich nicht einfach vom Unterricht entfernen." Nach Schulschluss bleibe genügend Zeit für Kundgebungen. Viele Schüler berichteten hingegen, dass ihre Lehrer und Eltern die Aktion unterstützten. "Wir tun das ja auch zur Erleichterung der Lehrer", sagte Moritz Tütting (13) aus Köln.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Proteste. Schüler wie Lehrer benötigten "gute Schulen und gute Lernbedingungen", erklärte die Vize-Vorsitzende Marianne Demmer. Sie appellierte an Bildungsministerien und Schulleitungen, keine Strafen gegen schwänzende Schüler zu verhängen.

Leichte Ausschreitungen in Hannover

In Hannover durchbrachen einige hundert Demonstranten die Bannmeile um den niedersächsischen Landtag. Einige Steine flogen und eine Scheibe wurde eingeworfen. In Erfurt besetzten rund einhundert Schüler kurzzeitig das Schulamt. Sie blockierten das Treppenhaus, um durchzusetzen, dass streikende Schüler ohne Bestrafung davonkommen. Nachdem der Behördenchef versprochen hatte, es werde keine "nachhaltigen Konsequenzen wie Schulverweise" geben, verließen die Schüler das Amt. Größere Proteste, die von Trillerpfeifen und Holzrasseln begleitet wurden, gab es auch in Rostock, Bremen, Braunschweig, Aachen, Kassel, Nürnberg und weiteren Städten.

In Stuttgart riefen die Schüler: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut." In Kiel schrieben sich einige Demonstranten die Forderung "Gegen G-8" mit Schminke ins Gesicht - als Protest gegen die Verkürzung der Gymnasialbildung von neun auf acht Jahre. Der stellvertretende Landesschulsprecher in Hessen, Gerrit Gissel, sagte: "Wir fordern echte Ganztagsschulen und mehr Geld für Bildung - die Schulen sind heute ausgestattet wie die letzten Drecksbuden." In Gießen hieß es auf Transparenten: "Unterricht in Riesen-Klassen können wir uns nicht gefallen lassen".

Das Aktionsbündnis Gegliedertes Schulwesen warnte vor der Unterstützung der Schulstreiks. Missstände wie Unterrichtsausfall und zu große Klassen lieferten nur den Vorwand für "stramm ideologische Ziele wie die Zerschlagung des gegliederten Schulwesens", erklärte Sprecher Wolfgang Kuert. An der Aktion seien auch linksradikale Schülergruppen maßgeblich beteiligt.

DPA / DPA