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Mitholz im Kanton Bern 3500 Tonnen Munition in der Nachbarschaft – Hilfe für ein Schweizer Dorf in Gefahr

Grüne Wiesen und ein paar Häuser umgeben von Bergen: die Gemeinde Mitholz in der Schweiz
Berge, Wiesen und viel Munition: Die Gemeinde Mitholz in der Schweiz 
© Peter Schneider / Keystone / Picture Alliance
Ein ehemaliges Munitionslager in der Schweiz bedroht das Dorf Mitholz. Tausende Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg lagern noch immer hier. Jetzt soll die Gefahr beseitigt werden. Für die Einwohner bedeutet das: wegziehen. 

Es ist ein Leben mit der Gefahr. Die Zukunft soll sicherer werden. Deshalb müssen die 170 Einwohnerinnen und Einwohner von Mitholz in der Schweiz ihr Dorf verlassen. Bereits 2025 soll es für die ersten von ihnen so weit sein, teilte Verteidigungsministerin Viola Amherd in diesen Tagen mit. Der Grund für die Umsiedlung ist die Räumung des Munitionslagers in Mitholz. 

Eine tragische Geschichte ist damit verbunden. Oberhalb von Mitholz in der Schweizer Gemeinde Kandergrund war im Zweiten Weltkrieg ein Munitionslager errichtet worden. Kurz vor Weihnachten 1947 kam es in dem Lager zu mehreren schweren Explosionen. Neun Menschen starben. 

Ein Teil der verbliebenen Munition konnte daraufhin geräumt werden. Aber bei Weitem nicht alles, was vor allem geologische Gründe hatte. Wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport schreibt, befinden sich laut Schätzung in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel noch bis zu 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff.

Weitreichende Folgen für die Menschen im Dorf

Seit mehreren Jahrzehnte leben die Menschen in Mitholz mit der verschütteten Munition in ihrer Nachbarschaft. Das Risiko schien akzeptabel. 2018 jedoch kamen ein vom Verteidigungsdepartement in Auftrag gegebener Expertenbericht sowie ein vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegebenes Gutachten zum Schluss, dass in dem ehemaligen Munitionslager ein höheres Risiko für eine weitere Explosion besteht als bisher angenommen. Einzig eine Räumung könnte die Gefahren endgültig beseitigen. Diese Erkenntnis hat weitreichende Folgen für die Menschen in Mitholz: Sie müssen ihr Dorf verlassen. 

Vergangene Woche hat die Schweizer Regierung einen Kredit verabschiedet. Der Beschluss, das ehemalige Munitionslager in Mitholz zu räumen, sei nicht einfach gewesen, zitiert SRF Verteidigungsministerin Viola Amherd: "Denn die Räumung hat einschneidende Konsequenzen für die Einwohner von Mitholz". Sie müssten für rund zehn Jahre aus dem Ort wegziehen. Für die ersten sei es bereits 2025 so weit. Dies seit notwendig, damit die Schutzbauten für Straße und Bahn im Kandertal erstellt werden könnten. Spätestens 2030 müssten die übrigen Bewohner innerhalb des Sicherheitsperimeters aus Mitholz wegziehen, nämlich dann, wenn die Räumung beginne. 

Schweiz: Regierung bietet Unterstützung an 

Es geht dabei um eine Menge Geld: 2,59 Milliarden Franken, etwa 2,64 Milliarden Euro. Auf diese Summe beläuft sich der Verpflichtungskredit. Die Schweizer Regierung ruft das Parlament auf, ihn zu genehmigen. Geplant ist laut Regierung einiges: Das Projekt beseitige die Gefahr von Großereignissen durch die Explosion der großen Munitionsmengen im ehemaligen Bahnstollen und im Schuttkegel vor der Anlage. Es sehe eine umfassende Räumung der Munitionsrückstände im gesamten von der Explosion 1947 betroffenen Gebiet vor. Darüber hinaus werden ein Schutztunnel für die Nationalstraße gebaut sowie Massnahmen getroffen, mit denen die Infrastruktur vor Naturgefahren wie Lawinen, Hochwasser, Murgängen oder Steinschlag geschützt werden.

Den Einwohnerinnen und Einwohnern von Mitholz hat die Regierung Unterstützung zugesichert. Bei der Vorbereitung des Wegzugs und "der Suche nach konkreten Lösungen für die Zukunft" hat sie bei Bedarf Hilfe angekündigt. Mit der Räumung wolle der Bundesrat die Grundlage für eine sichere und attraktive Zukunft für Mitholz schaffen, schreibt der Bundesrat. Bis diese sichere Zukunft beginnt, wird es für die Menschen aus Mitholz ein langer Weg. 

Quellen: SRF (I), SRF (II), Der Bundesrat, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport

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