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Zürich Sexueller Missbrauch während Behandlung: Arzt legt vor Gericht Widerspruch ein

Sexueller Missbrauch durch Schweizer Arzt.
War es sexueller Missbrauch? Mit dieser Frage muss sich nun ein weiteres Mal das Züricher Oberlandesgericht befassen (Symbolbild).
© Lynne Cameron / Picture Alliance
Sexueller Missbrauch: Ein Schweizer Arzt wurde verurteilt − ihm droht ein Berufsverbot. Nun hat er Widerspruch eingelegt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei RTL.de

Einem Hausarzt in der Schweiz droht ein lebenslanges Berufsverbot, wie die Zeitung "Blick" berichtet. Dem 51-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, eine junge Frau in seiner Praxis missbraucht zu haben. Die 18-Jährige ging zum Arzt, weil sie sich wegen einer Erkältung krankschreiben lassen wollte. Weil der Arzt, zu dem sie normalerweise ging, nicht da war, wurde sie von dessen Kollegen in einem Ärztezentrum in Zürich betreut.

Arzt droht Freiheitsstrafe

Der Vorfall ereignete sich bereits 2019: Die 18-Jährige sollte sich Medienberichten zufolge auf die Untersuchungsliege legen, nachdem der Arzt sie abgehorcht hatte. Dann sollte die junge Frau ihre Hose ausziehen, sodass der Mediziner sie im Intimbereich und anal abtasten konnte. Weil diese Untersuchungen nicht medizinisch notwendig, sondern sexuell motiviert gewesen sein sollen, verurteilte ein Gericht den Mann im November 2020 wegen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten.

Dagegen legte der 51-Jährige Berufung ein und das Züricher Oberlandesgericht muss nun über das Schicksal des Arztes entscheiden. Er behauptet, dass er die 18-Jährige damals ausführlich untersucht habe, weil in ihrer Patientenakte andere Beschwerden erwähnt worden seien. Sie habe in den Wochen und Monaten vor dem Vorfall mehrfach über Bauchschmerzen und Blut im Stuhl geklagt.

Schwere Vorwürfe gegen den Arzt

Zuvor hatte der 51-Jährige jede Aussage verweigert. Im Berufungsprozess gab er nun erstmals eine Erklärung ab: "Ich wollte mit den vorgenommenen Untersuchungen verschiedene mögliche Ursachen ausschließen, beispielsweise eine Blinddarmentzündung oder eine Eileiterschwangerschaft", zitiert "Blick" den Arzt. Es sei seine Pflicht gewesen, die Patientin auf mögliche Erkrankungen zu untersuchen. Er habe die Untersuchungen mit ihr besprochen und die junge Frau habe keine Einwände gegen die vaginale und anale Untersuchung gehabt, erklärte er vor Gericht.

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Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte alle Untersuchungen in der Patientenakte ausführlich dokumentiert haben – nicht aber die vaginale Untersuchung. Und auch die Patientin gab an, dass sie völlig überrumpelt worden wäre, als der Arzt ihr unangekündigt nach der Anal-Untersuchung mehrere Finger in die Vagina gesteckt habe. Laut "20min.ch" soll er dabei noch nicht einmal Handschuhe getragen haben.

Ist das Urteil rechtskräftig?

Das Ärztezentrum hat den 51-Jährigen wegen des Übergriffs entlassen. Die Kündigung akzeptierte der 51-jährige, wie "Blick" berichtet. Nun gehe er gegen das Missbrauchsurteil vor, weil die Vorwürfe seiner Meinung nach nicht stimmen und er wieder als Hausarzt arbeiten will. Das Urteil im Berufungsprozess wurde noch nicht verkündet. Es soll den Prozessbeteiligten wohl in der kommenden Woche schriftlich zugestellt werden.

jgr / RTL.de

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