HOME

"Aktenzeichen XY": Polizei überzeugt: Er brachte einen jungen Boxer um. Wer sind die Hintermänner?

Ein erschossener Boxer, eine tote Rentnerin und ein Häftling, der sich umgebracht hat. Die Polizei geht davon aus, dass diese Fälle zusammenhängen. Die entscheidenden Hinweise sollen jetzt "Aktenzeichen XY"-Zuschauer bringen.

"Aktenzeichen XY"-Fall Frank Lindner

Die Polizei erhofft sich von den "Aktenzeichen XY"-Zuschauern Hinweise auf die Taten von Frank Lindner

Die Kleinstadt Quickborn bei Hamburg. Am 21. Juli 2017 macht ein polnischer Lkw-Fahrer unweit der Autobahnraststätte Holmmoor eine grausige Entdeckung und alarmiert die Polizei. In einem Waldstück liegt die Leiche eines Mannes. Für die Ermittler ist schnell klar, dass er nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen ist und nicht eines natürlichen Todes starb. Er wurde erschossen, "regelrecht hingerichtet", schreibt das "Hamburger Abendblatt".

Doch wer ist der Tote? Wenige Tage später kann zumindest diese Frage geklärt werden. Anhand des Fingerabdrucks, der DNA und der Tätowierungen weiß die : Es handelt sich um Tunahan Keser, 22 Jahre alt, hoffnungsvoller Nachwuchsboxer aus Schenefeld vor den Toren Hamburgs und Mitgeschäftsführer eines Betriebes für Fahrzeugservice. Er ist seit dem 23. Juni 2017 verschollen. Doch eine andere Frage beschäftigt die Ermittler bis heute: Warum musste Tunahan Keser sterben?

Das Opfer: Nachwuchsboxer Tunahan Keser wurde nur 22 Jahre alt

Das Opfer: Nachwuchsboxer Tunahan Keser wurde nur 22 Jahre alt

Seit einem dreiviertel Jahr ermitteln Beamte der Mordkommission in dem Fall, haben mögliche Zeugen und das Umfeld des befragt, das Waldstück an der Autobahn 7 abgesucht, Handzettel verteilt. Stück für Stück können die Ermittler Mosaiksteinchen zusammentragen, doch ein Teil fehlt auch jetzt noch: der Mörder des jungen Boxers.

Erschoss Frank Lindner Tunahan Keser?

Die Suche nach ihm wurde von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat verworrener. Ein nächtlicher Schuss, der an einer Rentnerin, der Suizid eines Untersuchungshäftlings - all das spielt inzwischen eine Rolle.

In der Nacht vor dem Verschwinden des jungen Boxers fällt in Wedel bei gegen 0.30 Uhr ein Schuss. Khoren G. wird am Bein verletzt, der maskierte Schütze verschwindet in der Dunkelheit. Im Nachhinein brisant: Das 37 Jahre alte Opfer ist der Trainer von Tunahan Keser. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Gibt es einen Streit im Boxermilieu? Einen Täter haben die Ermittler bis heute nicht überführt.

Nur wenige Stunden nach dem Schuss in Wedel wird Tunahan Keser von einem Zeugen zum letzten Mal lebend gesehen, 15 Kilometer von Wedel entfernt, vor einem Autohaus in der Hamburger Kollaustraße, in der Nähe seines Arbeitsplatzes. Es ist kurz nach 17 Uhr, als der Nachwuchsboxer in seinem schwarzen Maserati in Richtung Autobahn 7 abbiegt. Wenig später verlässt er die Raststättte Holmmoor Ost über die Lieferantenausfahrt. Sein Auto wird kurz darauf für einige Minuten in unmittelbarer Nähe des Leichenfundorts geparkt, stellen Experten nach der Auswertung des Bordcomputers fest. Eine halbe Stunde später steht der Sportwagen wieder in Hamburg, an der Alten Kollaustraße, 120 Meter von der Arbeitsstelle des Boxers entfernt (siehe Karte am Ende des Artikels). Wer hat ihn dort abgestellt und warum? Von Tunahan Keser fehlt jede Spur.

Ist er untergetaucht, weil er etwas mit dem Schuss in Wedel zu tun hat? Die Polizei fahndet wenig später öffentlich nach ihm. Offiziell gilt er als "vermisst". Wenige Wochen später entdeckt der Lkw-Fahrer den Leichnam Kesers. Er soll schon längere Zeit dort gelegen haben.

Monate ziehen ins Land, die Ermittler der Mordkommission tragen weiter Spuren zusammen, doch so richtig voran kommen sie nicht. Inzwischen ist es Herbst in Deutschland. Am 23. November rückt die Polizei zu einem Einfamilienhaus in Appen (Kreis Pinneberg) aus, etwa 15 Kilometer entfernt vom Leichenfundort.

Omninöses Versteck auf Grundstück in Quickborn

Eine 76-Jährige wird in ihrem Wohnhaus Opfer eines brutalen Überfalls. Der Täter verletzt die Seniorin mit einem Metallrohr und fordert Geld. Die Frau kommt in ein Krankenhaus in Hamburg, dort erliegt sie einen Monat später ihren schweren Verletzungen.

Nach dem Überfall sucht die Polizei mit Hubschraubern und Hunden nach dem Täter, Ermittler können anhand von Zeugenaussagen ein Phantombild erstellen. Am 4. Januar nimmt eine Spezialeinheit einen vorbestraften 58-Jährigen fest. Für die Beamten ist Frank Lindner kein Unbekannter: 2003 begeht er einen Einbruch in der Nähe von Berlin und schießt auf einen Mann. Erst 2012 kommt er aus dem Gefängnis frei.

Am 4. Januar 2018 endet Lindners Leben in Freiheit wieder, er kommt in die Justizvollzugsanstalt Itzehoe und gesteht den Mord an der Rentnerin in Appen. Im Gefängnis plaudert Lindner mit einem Mithäftling. Von einem ominösen Versteck auf seinem Grundstück ist die Rede. Worum es dabei geht? Unklar, denn Mitte Januar nimmt sich Lindner hinter Gittern das Leben.

Ermittler erfahren von dem Gespräch zwischen dem 58-Jährigen und dem Mithäftling, werden hellhörig. Sie wollen wissen, was es mit dem Grundstück auf sich hat.

"Aktenzeichen XY"-Zuschauer sollen helfen

Mit Spürhunden und Schaufeln rücken rund 50 Beamte Ende Januar auf dem Gelände an, durchkämmen es systematisch. Es liegt am Harksheider Weg, am Rande von Quickborn. Und damit nur wenige hundert Meter vom Fundort der Leiche Tunahan Kesers entfernt. Frank Lindner wird auch in diesem Fall zum Verdächtigen. "Die Maßnahmen im Harksheider Weg dienen dem Auffinden von Beweismitteln aus anderen Straftaten", erklärt seinerzeit Polizeisprecherin Merle Neufeld. "Ein Zusammenhang zu dem Tötungsdelikt an dem jungen Boxer aus Schenefeld wird geprüft." Rund einen Monat später kehren die Polizeikräfte auf das abgelegene Grundstück zurück, sie bringen Bagger mit, stemmen mit einem Presslufthammer Fundamente auf, graben das Erdreich um, reißen einen Wintergarten ein. Das Grundstück sieht anschließend aus, als wäre der Blitz eingeschlagen.

Die Beamten finden Indizien für die Schuld Frank Lindners: "Es konnten Waffen- und Munitionsteile gefunden werden, die dem Mordfall Tunahan Keser zugeordnet werden konnten", erklärt die Polizei. Zudem haben die Ermittler einen Verdacht: "Möglicherweise ist Lindner noch für weitere Straftaten verantwortlich", sagt Stefan Hinrichs von der Polizei Itzehoe dem stern. Der Fall bleibt ein Rätsel. Um den Mord an Tunahan Keser, mögliche Hintermänner oder Auftraggeber, aber auch um eventuelle andere Verbrechen aufzuklären, wandte sich die Kripo jetzt via ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" an die Öffentlichkeit, um möglichst viel über das Opfer und die Schlüsselfigur Frank Lindner zu erfahren. Sie fragt unter anderem:

Das Opfer fuhr einen schwarzen Maserati Ghibli

Das Opfer fuhr einen schwarzen Maserati Ghibli

Picture Alliance
  • Wer kennt Frank Lindner?
  • Wer kennt Personen, die mit Frank Lindner in Kontakt standen?
  • Wer hat Tunahan Keser an den Tagen vor seinem Verschwinden am 23. Juni 2017 gesehen?
  • Wem ist der schwarze Maserati in der Zeit seines Verschwindens (Modell "Ghibli", Kennzeichen PI-TK 777) aufgefallen?
  • Wer hat am Tatort in Wedel Beobachtungen gemacht? Am Abend vorher speiste Khoren G. im Café Central in Hamburg (Große Bäckerstraße 4). Die Polizei sucht Zeugen, die etwas Auffälliges gesehen haben.

Was geschah wann und wo? Karte zum Mordfall Keser

Hinweise zu dem Mord an Tunahan Keser nimmt die Kripo Itzehoe unter (04821) 6020 oder SOKO.Itzehoe.BKI@polzei.landsh.de entgegen. Zeugen können sich auch an jede andere Polizeidienststelle sowie an das Aufnahmestudio von "Aktenzeichen XY" unter (089) 950195 oder xy@zdf.de wenden. Auch ein Upload-Portal im Internet hat die Polizei eingerichtet.

Weitere Informationen zu dem Fall hat die Polizei Schleswig-Holstein hier zusammengestellt.

Die gesamte "Aktenzeichen XY ... ungelöst"-Sendung gibt es in der ZDF-Mediathek zum Nachsehen.

Beliebtes TV-Format: "Aktenzeichen XY": Zahlen, Fakten, Aufklärungsrate