Fall Mannichl Polizei sucht nun fünf Personen


Wer hat den Anschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl verübt? Die Sonderkommission kommt nicht weiter, ein verdächtiges Paar musste wieder frei gelassen werden. Nun wird nach vier Personen gesucht, von denen detaillierte Beschreibungen vorliegen. Die Polizei veröffentlichte Phantombilder.

Das wegen Beihilfe zum versuchten Mord an dem Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl verdächtigte Neonazi-Paar ist am Dienstag freigelassen worden. Gegen den 33-jährigen Mann und seine 22-jährige Frau besteht kein dringender Tatverdacht mehr, weil sie Alibis haben, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag in Passau mitteilten. Die am Mittwoch vergangener Woche erlassenen Haftbefehle wurden aufgehoben. Gefahndet wird nun nach fünf Personen; von vieren gibt es Phantomzeichnungen.

Das dem Umkreis der extremistischen "Freien Nationalisten" zugerechnete Ehepaar aus München war durch Zeugenangaben ins Visier der Ermittler geraten. Es bestreitet jede Tatbeteiligung und hat mehrere Alibizeugen benannt. "Die in den letzten Tagen durchgeführten Überprüfungen haben deren Alibi nicht weiter entkräftet, sondern eher bestätigt", berichtete die Polizei. Nach Mannichls Angaben hatte der Täter eine Glatze und hatte ihn mit den Worten beschimpft: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum."

Nun fünf Personen gesucht

Die 50 Mitglieder starke Sonderkommission sucht nun nach einer Personengruppe, die am Tattag gegen 17 Uhr in Fürstenzell unter anderem am Friedhof und in der Passauer Straße beobachtet wurden. Ob sie in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tatgeschehen stehen, sei derzeit offen, hieß es. Demnach handelt es sich um eine Frau, die 20 bis 25 Jahre alt, etwa 1,60 Meter groß und schlank ist. Ihre schwarzen schulterlangen Haare wirkten zerzaust und vom Kopf abstehend. Sie hatte ein Piercing am rechten Auge in Kegelform und trug eine Netzstrumpfhose, einen hellkarierten Rock, eine schwarze Jacke mit Reißverschluss, und rundem Ärmelabzeichen, dazu Springerstiefel mit verschiedenfarbenen Schnürbändern. Ein etwa 20 Jahre alter, mittelgroßer Mann hatte einen schwarzen Hahnenkamm auf dem Kopf und am Hinterkopf einen Zopf oder Pferdeschwanz, am rechten Ohr viele Ohrringe.

Gesehen wurde auch ein 20 bis 40 Jahre alter Mann mit Totalglatze, der sehr groß und kräftig war, Speckfalten im Nacken hatte und an der rechten Halsseite ein rundliches, mattrot-schwarzes Tattoo. Der dritte Gesuchte hat eine Tätowierung in Form eines Kreuzes mit durchgehendem Pfeil auf der rechten Gesichtshälfte, mit schwarzem Rand und gelber Nachzeichnung. Er war auffallend groß, 35 bis 40 Jahre alt, hat eine Glatze und spitz verlaufende Ohrmuscheln. Der vierte Mann, zu dem es eine Personenbeschreibung gibt, ist etwa 40 Jahre alt, ziemlich groß, kräftig gebaut, hat einen bulligen Nacken und eine Glatze. Sein Tattoo fällt auf: eine grüne Schlange hinter dem linken Ohr nach vorne verlaufend Richtung Schläfe mit ausgestreckter roter Zunge. Die Polizei betonte, dass sich die Gesuchten sowohl im rechten Spektrum aber auch im Punker- oder Rockermilieu und in der Gothic-Szene aufhalten können.

Mannichl dankt für Lichterdemo

Das Anschlagsopfer Alois Mannichl dankte unterdessen den 700 Einwohnern von Fürstenzell, die am Vorabend mit einer Lichterdemo ihre Solidarität bekundet hatten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus habe er sich gut von der Messerwunde in der Brust erholt und freue sich auf Weihnachten im Kreis seiner Familie, erklärte er in einer Mitteilung der Polizei Passau.

Der Zeitung "Passauer Woche" sagte er: "Ich bin kein Held! Meine Kollegen, die rund um die Uhr arbeiten, sind für mich Helden!" Er lasse sich von den Rechtsradikalen nicht klein kriegen und wolle möglichst bald wieder arbeiten. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post": "Ich bin optimistisch, dass die Straftat aufgeklärt wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Wenn der Hintergrund ermittelt sei, "wird der Schrecken groß sein, was in der rechten Szene für eine Brutalität herrscht und was sich dort insgesamt angestaut hat", sagte Freiberg.

AP AP

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