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Neue Doku über John Wayne Gacy Hat der "Killer-Clown" noch viel mehr Teenager in sein Haus gelockt und getötet?

John Wayne Gacy wurde für die Morde an 33 Menschen 1994 hingerichtet
John Wayne Gacy wurde 1994 für die Morde an 33 Menschen hingerichtet. Zahlreiche der Leichen fand man unter seinem Haus in einem Vorort von Chicago.
© AFP / William Yates / Chicago Tribune / Picture Alliance
Er inspirierte Stephen King zum mordenden Clown Pennywise und gilt als einer der grausamsten Killer der US-Geschichte: John Wayne Gacy vergewaltigte und ermordete mindestens 33 Jungen und junge Männer. Eine neue Doku wirft die Frage auf, ob es nicht noch mehr waren.

Spätestens seit Stephen Kings "Es" haben Clowns einen nicht unerheblichen Teil ihres Charmes eingebüßt – Pennywise, dem kindermordenden Clown zum Dank. Diesen erschuf King für seinen 1986 erschienenen Roman und ließ sich dabei von einem realen Fall inspirieren: John Wayne Gacy, der sich als "Killer-Clown" in die lange Liste der US-Serienmörder einreihte.

Der Streamingdienst des US-Senders NBC, Peacock, widmet Gacy nun eine sechsteilige Doku-Serie und veröffentlicht darin auch bislang ungesehenes Material, wie zum Beispiel große Teile eines langen Interviews, das er 1992 mit einem FBI-Profiler im Gefängnis führte. Gacy war 1980 für die Morde an 33 Jungen und jungen Männern zum Tode verurteilt worden und wurde 1994 durch die Giftspritze hingerichtet. Wie bei vielen Serienmördern gab es jedoch schon immer Vermutungen, dass er vielleicht noch mehr Menschen getötet haben könnte. Diese Vermutungen heizt in der Doku ein Ermittler von damals nun neu an. 

John Wayne Gacy: "45 klingt wie eine gute Zahl"

Der inzwischen pensionierte Polizist Rafael Tovar erinnert sich in Episode vier an ein Gespräch, dass er mit Gacy im Auto gehabt haben will, als er ihn damals nach einem der Verhöre zurück ins Gefängnis gefahren habe. "Gibt es weitere?", habe er den Mörder gefragt. "45 klingt wie eine gute Zahl", habe dieser geantwortet. Auf Nachfrage, wo die Opfer seien, sei Gacy dann jedoch ausgewichen: "Nein, das ist euer Job. Das müsst ihr herausfinden." Ermittler Tovar führt im weiteren Verlauf aus, dass er damals zahlreiche Gespräche mit Gacy geführt und daher ein gutes Gespür für ihn gehabt hätte. "Ich bin davon überzeugt, dass es mehr gab", sagt er.

In einer anderen Episode der Doku wird eine Audiodatei abgespielt, in der sich Gacy mit seinem Anwalt darüber unterhält, wie er eine Leiche nahe einer Highschool abgelegt haben will. Dies passe zu keinem der 33 Morde, für die er damals verurteilt wurde. 

Gacy tötete nach Erkenntnissen der Ermittler zwischen 1972 und 1978 insgesamt 33 junge Männer im Alter von 14 bis 21 Jahren. Oftmals lockte er Prostituierte oder junge Ausreißer in sein kleines Häuschen nahe Norridge, einem Vorort von Chicago, manchmal versprach er ihnen Jobs, manchmal Bier und Pornohefte. In seinem Haus überredete er viele seiner Opfer unter Vortäuschung eines Zaubertricks dazu, Handschellen anzulegen. Anschließend vergewaltigte und folterte er die jungen Männer, ehe er sie erdrosselte und in dem Kriechkeller unter seinem Haus verscharrte. 26 Leichen wurden dort bei seiner Verhaftung 1978 gefunden, drei weitere an anderen Stellen seines Grundstücks. Vier will er in den Des Plaines River geworfen haben.

Da er als "Clown Pogo" in seiner Nachbarschaft bekannt und bei zahlreichen Straßenfesten aufgetreten war, tauften ihn die Medien damals den Killer-Clown. Nach heutigem Stand begang er jedoch keines seiner Verbrechen als Clown verkleidet.

Gacy erhielt einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde für die längste Strafe, die jemals über einen Serienmörder verhängt wurde. Für die Morde wurde er zu 21-mal lebenslänglich verurteilt und erhielt obendrein 12-mal die Todesstrafe. 

Neue Doku über John Wayne Gacy: Hat der "Killer-Clown" noch viel mehr Teenager in sein Haus gelockt und getötet?

Gacy war in der Community beliebt

In der Dokumentation kommt auch David Hachmeister vor, ein weiterer Ermittler der Polizei von Des Plaines. Er beschattete Gacy im Vorfeld der Verhaftung 1978, kam dabei auch mit ihm ins Gespräch. Gegenüber Hachmeister sagte Gacy seinen berühmten Satz "Clowns can get away with murder", zu deutsch: "Clowns kommen mit Mord davon."

Der Polizist berichtet, wie sehr schockiert er noch immer davon ist, dass Gacy so normal zu sein schien. Er habe auf Festen für die Kinder den Clown gemacht, sich für die lokalen Demokraten politisch engagiert und war mit seiner Baufirma ein respektiertes Mitglied der Community. Zudem habe er einmal im Jahr ein beliebtes Picknick für die Nachbarschaft organisiert und einst sogar für ein Foto mit der damaligen First Lady Rosalynn Carter posiert.

Zwar ist Gacy nunmehr seit fast 30 Jahren tot, doch restlos aufgeklärt ist der Fall noch immer nicht. Einige der damals gefundenen Opfer sind bis heute nicht identifiziert. Zuletzt bekam eine Familie 2017 Gewissheit, als eine DNS-Analyse herausstellte: Eine der gefundenen Leichen unter dem Haus von Gacy, Opfer 24, war ihr Sohn, Bruder und Onkel, der mit 16 Jahren von Zuhause auszog, wenig später verschwand und nie wieder auftauchte. 

Alexa Danner, Produzentin der Doku-Serie bringt es auf den Punkt: "Wenn es noch mehr Opfer gibt da draußen und man die zu ihm zurückverfolgen könnte, könnten Familien ihren Frieden finden, die immer noch auf der Suche nach Antworten sind."

Quellen:  NBC News / Den of Geek / Murderpedia / FBI Akte zu John Wayne Gacy


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