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Malaysia: 15-Jährige seit Tagen im Dschungel verschwunden – Polizei findet Leiche

Es war die schiere Verzweiflung: Seit Tagen suchten Einsatzkräfte in Malaysia nach einer 15-Jährigen, die spurlos im Dschungel verschwand. Jetzt machte die polizei eine traurige Entdeckung.

Soldaten streifen durch ein Waldgebiet.

Aktualisierung, 13. August 2019: Zehn Tage nach dem Verschwinden der 15-Jährigen in Malaysia hat die Polizei im Dschungel die mutmaßliche Leiche der Jugendlichen gefunden. Die Sicherheitsbehörden seien sich "sehr sicher", dass es sich um Nora Q. handle, sagte der Vize-Polizeichef Malaysias. Die Tote sei nackt im Wald aufgefunden worden. Ob sie Verletzungen aufwies, blieb zunächst offen. Die Leiche war laut Mansor in einem kleinen Fluss in einer Schlucht rund zweieinhalb Kilometer von dem Urlauber-Resort aufgefunden worden, aus dem die 15-Jährige am 4. August verschwunden war.


Meldung vom 9. August 2019:

Es sollten zwei Wochen Urlaub werden. Zwei Wochen weit weg vom Alltagsstress, fernab von Terminen und Hektik in ihrer Londoner Heimat. Doch für eine irische Mutter und ihren französischen Mann, die in der britischen Hauptstadt leben, gerieten diese zwei Wochen schon zu Beginn zum Albtraum. Denn seit Sonntag ist die 15-jährige Tochter der Eltern verschwunden, mitten im Dschungel von Malaysia und ohne dass es eine wirkliche Spur von ihr gibt.

Am vergangenen Samstag checkte die Familie nach 18-stündiger Anreise im "The Dusun" ein, einem kleinen Öko-Resort mit sieben Bungalows, gut 50 Kilometer südöstlich von der malayischen Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt und mitten im Dschungel. Die Anlage wirbt mit ihrer abgeschiedenen Lage ("abseits des Stromnetzes") im Regenwald und der Möglichkeit, Spaziergänge durch die Wildnis zu machen.

15-jähriges vermisstes Mädchen Nora Q., Suchmannschaft in Malaysia

Die 15-jährige Nora Q. wurde im Dschungel von Malaysia gesucht

Nora verschwand im Dschungel von Malaysia

Doch schon am Sonntagvormittag war es mit der Ruhe und Abgeschiedenheit vorbei. Die Eltern machten in einer der kleinen Hütten die besorgniserregende Entdeckung: Ihre Tochter Nora war verschwunden, die Fenster standen weit offen. Seitdem vergeht kein Tag ohne Suchaktionen, kein Tag ohne Hoffen und Bangen.

Zwischenzeitlich beteiligten sich mehr als 200 Menschen an den Suchaktionen in dem unwegsamen Gelände, Polizeitaucher durchsuchten einen Fluss, Drohnen und Hubschrauber mit Wärmebildkameras stiegen auf, Spürhunde schnüffelten im Dschungel, an Wanderer wurden Fotos verteilt, Plakate an Wänden aufgehängt – doch Nora wurde nicht gefunden.

Wurde die 15-Jährige entführt? Oder hat sie sich in der Wildnis verlaufen? Die Polizei weiß es nicht. Aber sie weiß, dass die Hoffnungen, das Mädchen noch lebend zu entdecken, jeden Tag, jede Stunde kleiner werden. "Wir müssen das Opfer so schnell wie möglich finden", sagte der zuständige Polizeichef der malayischen Zeitung "The Star." Selbst kräftige Menschen wären nach fünf Tagen im Dschungel geschwächt. Doch Nora ist erst 15. Dazu nach Angaben der Familie in ihrer Entwicklung leicht zurückgeblieben. "Sie ist sehr schüchtern, sehr zurückhaltend und sehr ängstlich", beschrieb ihr Großvater der britischen BBC das Mädchen. Es sei untypisch für seine Enkelin, sich auf eigene Faust davonzumachen. Ohne Hilfe könne sie sich nicht allein zurechtfinden.

Unterstützung für Familie des vermissten Mädchens

Inzwischen hat sich eine Tante der Jugendlichen per Video an die Öffentlichkeit gewandt, die Eltern der Vermissten seien in ihrer Sorge nicht dazu in der Lage. "Es ist extrem dramatisch für die ganze Familie", sagte Éadaoin Agnew mit den Tränen kämpfend in die Kamera. "Wir müssen alles tun, um sie nach Hause zu bringen."

Unterstützung bekommt die Familie auch vom "Lucie Blackman Trust" (LBT), einer Organisation, die sich für die Angehörigen von Vermissten einsetzt. Der LBT veröffentlichte auf seinen Internetpräsenzen Suchplakate und hat eine Hotline für Hinweise eingerichtet. "Nora wüsste sich nicht alleine zu helfen und sie würde ihre Familie niemals freiwillig verlassen", sagte Aisling Agnew vom LBT. Ein Spendenaufruf hat inzwischen rund 60.000 Euro für die Angehörigen eingebracht.

Die Polizei geht unterdessen, am fünften Tag nach dem Verschwinden, neue Wege. Beamte streifen mit Megaphonen ausgerüstet durch den Dschungel, aus ihnen schallt die Stimme der Mutter der 15-Jährigen. "Nora, Liebling, Nora, ich liebe dich, hier ist Mama!", durchbricht es die Stille des Urwalds. Die Einsatzkräfte hoffen, dass die Stimme der Mutter das Mädchen hervorlockt, sollte es sich irgendwo in der Natur versteckt haben.

Audio
Polizei setzt bei Suche nach Vermisster auf Stimme der Mutter

Laut der "Daily Mail" wurden auf dem Boden des Dschungels, rund sechs Kilometer vom "The Dusun" entfernt, inzwischen Fußabdrücke entdeckt, die von Nora stammen könnten. "Wir glauben immer noch, dass die Vermisste in unserer Nähe ist", sagte der Polizeichef gegenüber Reportern. Doch Gewitter und Regen sind angekündigt, sie Suche wird dadurch noch zusätzlich erschwert. Hinzu kommt: Inzwischen seien Fingerabdrücke im Schlafzimmer Noras entdeckt worden, schreiben britische Medien. Zu wem sie gehören könnten, sagt die Polizei nicht. Ein Verbrechen schließen die Beamten inzwischen explizit nicht mehr aus. Sie suchen weiter. 

Quellen: "The Dusun", "The Star", BBC, "Lucie Blackman Trust", "Daily Mail", Nachrichtenagentur DPA

wue