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Prozess in Malawi: Mann entjungfert 100 Mädchen in ritueller Praxis - trotz HIV-Infektion

Eric Aniva will über hundert Mädchen entjungfert haben. Ihre Familien engagierten ihn dafür - zur rituellen "Reinigung". Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Doch nicht weil die Frauen zu dieser Praxis gezwungen wurden, sondern weil er seine HIV-Erkrankung verschwiegen hat.

Ein Brauch in Malawi verlangt, dass Mädchen mit einem "Hyäne" schlafen. Eric Aniva ist einer der "Hyänen".

Ein Brauch in Malawi verlangt, dass Mädchen gleich nach ihrer ersten Menstruation mit einem "Hyäne" schlafen. Eric Aniva ist einer der "Hyänen".

An diesem Freitag soll in Malawi ein Urteil über einen Mann gefällt werden, der mehr als 100 Mädchen und Frauen mit HIV infiziert haben könnte. Eric Aniva ist eine "Hyäne", ein Sexarbeiter der ganz besonderen Art. Er wurde von den Familien der jungen Mädchen dafür engagiert, sie zu entjungfern und Witwen in zeremoniellen Ritualen zu "reinigen". Er nahm die Aufträge an, obwohl er wusste, dass er HIV-positiv ist. Nun muss er sich unter anderem wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Aniva wurde im vergangenen Juli auf Befehl des malawischen Präsidenten Peter Mutharika verhaftet, nachdem er in in einem Interview mit der BBC mit seiner Tätigkeit als "Hyäne" geprahlt hatte. "Die Mehrheit der Mädchen, mit denen ich geschlafen habe, waren Schulmädchen. Manche von ihnen waren erst zwölf oder 13 Jahre alt, aber ich bevorzuge eigentlich ältere", erzählte Aniva damals. Vier bis sieben Dollar habe er für jede Entjungferung bekommen.

In einigen südlichen Gebieten von Malawi verlangt es die Tradition, dass ein Mädchen innerhalb von drei Tagen nach ihrer ersten Menstruation Geschlechtsverkehr hat. Dieser Vorgang soll den Übertritt ins Erwachsenenalter markieren. Weigern sich die Mädchen, drohen ihren Familien und Dörfern Krankheiten und Unglücke - so der verheerende Aberglaube.

Nur Witwen sagten gegen Aniva aus

Vor Gericht sagte jedoch keins der betroffenen Mädchen gegen Aniva aus. Stattdessen versucht man nun den zirka 40-Jährigen wegen eines Rituals zur Verantwortung zu ziehen, das erst vor kurzem im Abschnitt 5 des Gleichstellungsgesetzes von Malawi als "schädliche Kulturpraxis" definiert wurde: der Beischlaf mit Witwen zu ihrer so genannten "Reinigung".

Frauen, die ihren Ehemann verloren haben, werden dem traditionellen Glauben nach dazu verpflichtet, mit einem "Hyänen" zu schlafen, bevor sie die Verstorbenen beerdigen können. Dasselbe wird Frauen abverlangt, die eine Abtreibung hinter sich haben.

Zwei Frauen sagten im Prozess diesbezüglich gegen Aniva aus. Doch wie ihre Aussagen vom Gericht bewertet werden, ist fraglich. Eine der Frauen sagte, dass das Ritual vollzogen wurde, bevor es verboten wurde. Die andere Zeugin gab an, sie habe flüchten können, bevor es zum Geschlechtsakt gekommen sei. 

"Hochbeachtete Praxis" im ländlichen Malawi

Ein Sozialarbeiter aus Nsanje, der Gegend, in der Aniva lebt, verteidigte in einem Gespräch mit der BBC den Angeklagten: "Witwenreinigung ist eine hochbeachtete Praxis bei uns", sagte der Mann, der anonym bleiben wollte. "Unsere Vorfahren verpflichten uns dazu, diesen Brauch zu bewahren."

In Malawi nimmt man nicht so sehr Anstoß an der Ausübung der Praxis als solche, sondern daran, dass Aniva seine Tätigkeit fortgesetzt hat, nachdem er von seiner HIV-Infektion erfahren hatte. "HIV ist mörderisch. Wie konnte jemand in dieser Position sowas machen? Ich glaube, dieser Mann ist der Teufel. Gierig und egoistisch", zitiert die BBC einen Pastor. "Wenn ich das Urteil fällen könnte, würde ich ihn wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilen", fügte er hinzu.

Sollte Aniva verurteilt werden, drohen ihm aber höchstens fünf Jahre Haft.

ivi
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