VG-Wort Pixel

Fahndungserfolg Mordfall Susanna: Tatverdächtiger Ali B. im Irak festgenommen

Verbrechen in Wiesbaden: Susanna ist tot - das ist über den Fall (bisher) bekannt
Nun ist es traurige Gewissheit: Susanna ist tot. Die 14-jährige aus Mainz wurde am 22. Mai als vermisst gemeldet. Nach längerer Suche fand die Polizei bei Wiesbaden-Erbenheim eine weibliche Leiche. Ob es sich um die Leiche von Susanna handelt, war zunächst unklar. "Am heutigen Nachmittag wurde die Leiche einer weiblichen Person gefunden“, sagte ein Polizeisprecher. "Wir können derzeit nicht bestätigen, dass es sich um die Vermisste handelt." Einen Tag später bestätigt Oberstaatsanwalt Achim Thoma den Verdacht: Susanna ist tot. Sie starb durch "Gewalteinwirkung" auf den Hals – und wurde zuvor offenbar vergewaltigt. Von Ali B.? Der 20-jährige Flüchtling gilt als dringend tatverdächtig und wird gesucht. Der Mann sei auf der Flucht. Sein mutmaßlicher Komplize sei bereits festgenommen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen ist Ali B. ins irakische Erbil geflogen, wie die Polizei mitteilte. Inzwischen ist Ali B. im Nordirak auf Bitten der deutschen Polizei festgenommen worden. Der entscheidende Hinweis auf die mutmaßlichen Täter kam übrigens von einem 13-Jährigen, der ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft wohnte. Das wurde von der Polizei ausdrücklich hervorgehoben.
Mehr
Ali B., der die Schülerin Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben soll, wurde laut Bundesinnenminister Horst Seehofer im Irak festgenommen. Ob der Verdächtige an die Bundesrepublik ausgeliefert wird, ist unklar.

Die Flucht ist zu Ende: Der mutmaßliche Mörder und Vergewaltiger der Schülerin Susanna wurde im Irak nur einen Tag nach Beginn der Öffentlichkeitsfahndung festgenommen. Das gab das Bundesinnenministerium in Berlin bekannt.

Kurdische Sicherheitsbehörden haben Ali B. den Angaben zufolge in der Nacht gegen zwei Uhr im Nordirak gestellt. Vorausgegangen sei eine Bitte der Bundespolizei. In einer ersten Stellungnahme dankte Bundesinnenminister Horst Seehofer den Einsatzkräften: "Dieser Erfolg ist Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei", erklärte der CSU-Politiker.

Hat Ali B. Susanna in Wiesbaden ermordet?

Der 20-jährige irakische Staatsbürger Ali B. ist dringend verdächtig, die 14-jährige Susanna aus Mainz in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai vergewaltigt und ermordet zu haben. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei Wiesbaden ist er knapp zwei Wochen nach der Tat am 2. Juni mit seiner Familie und unter falschem Namen aus Deutschland nach Erbil im Nordirak ausgereist.

Wie es nun nach seiner Festnahme weitergeht, ist unklar. Die zuständige Staatsanwaltschaft  kann über das Bundesamt für Justiz und das Auswärtige Amt ein Auslieferungsersuchen an die irakischen Behörden richten. Dies sei der übliche Weg bei Ländern wie dem Irak, mit denen kein Auslieferunsgabkommen besteht, teilte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums dem stern mit, ohne auf den konkreten Fall einzugehen. Ob Ali B. nach Deutschland ausgeliefert wird, ist jedoch alles andere als sicher. Möglicherweise wird ihm auch in seiner Heimat der Prozess gemacht.

In Deutschland ist die Auslieferung von Deutschen ins Ausland beispielsweise durch das Grundgesetz bis auf wenige Ausnahmen verboten.

Auf die Spur gekommen sind die Ermittler dem Verdächtigen nach der Aussage eines 13-jährigen geflüchteten Jungen, der den Beamten den entscheidenden Hinweis gab. Er nannte ihnen den mutmaßlichen Mörder und den späteren Leichenfundort - jedoch einen Tag nach der Abreise des Irakers.

Susanna wurde nur 14 Jahre alt
Susanna wurde nur 14 Jahre alt
© Polizei Wiesbaden / DPA

Am Mittwoch entdeckten Polizisten den Leichnam der Schülerin in der Nähe eines Bahndammes in Wiesbaden, keine 1000 Meter von der Flüchtlingsunterkunft des nun im Irak Festgenommenen entfernt.

Ali B. kam als Flüchtling und fiel mehrfach auf

Ali B. reiste im Herbst 2015 aus seiner Heimat im Irak über die Türkei, Griechenland und die Balkanroute als Flüchtling nach Deutschland ein. Seinen Antrag auf subsidiären Schutz, weil er sich in seiner Heimat von der kurdischen PKK bedroht sah, lehnte das Bamf im Dezember 2016 ab. Weil der 20-Jährige gegen den Bescheid klagte, durfte er vorerst im Land bleiben.

Nach der Ablehnung seines Antrages wurde der Iraker mehrfach bei der Polizei aktenkundig, ohne bisher verurteilt worden zu sein. Unter anderem soll er Gewalt-, Raub- und Widerstandsdelikte begangen haben. Zuletzt geriet er in den Verdacht, im März in seiner Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft eine Elfjährige vergewaltigt zu haben.

Nach dem Leichenfund hatte die Polizei zunächst auch einen 35-jährigen Asylbewerber aus der Türkei festgenommen. Der Mord- und Vergewaltigungsverdacht konnte jedoch nich erhärtet werden, er ist wieder auf freiem Fuß.

Bundesinnenminister Seehofer sagte nach dem schnellen Fahndungserfolg: "Mir ist wichtig, der Bevölkerung mitteilen zu können, dass nach diesem furchtbaren Verbrechen sich Gott sei Dank aufgrund der internationalen Zusammenarbeit niemand mehr - an welcher Stelle in dieser Erde auch immer - sicher fühlen kann."

"Das ist für betroffene Familien natürlich nicht der Trost", sagte der Minister weiter. Dennoch sei es für die "staatliche Gemeinschaft" wichtig, "dass auf ein so furchtbares Verbrechen dann möglicherweise auch die Sühne kommt".

Verbrechen in Wiesbaden: Susanna ist tot - das ist über den Fall (bisher) bekannt
mit DPA-Mateial

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker