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Geheimbund Nxivm: Prozess um Brandzeichen-Sex-Sekte – Milliardärserbin bekennt sich schuldig

Getarnt als Selbsthilfegruppe für Frauen hatte sich in den USA eine geheime Sado-Maso-Sekte ausgebreitet. In dem Prozess um Brandzeichen und Sex-Sklaven bekennt sich ein ehemaliges Mitglied schuldig – die Schnaps-Erbin Clare Bronfman.

Das Brandzeichen von Sarah Edmondson.

Nxivm – ausgesprochen "Nexium" – versprach Frauen einen Weg zu mehr Selbstbewusstsein und Macht. Doch in Wirklichkeit verbarg sich dahinter eine gefährliche Sexsekte, die Frauen einer Art Gehirnwäsche unterzog. Weltweit bekannt wurde die Sekte, weil auch Hollywood-Prominenz in sie verwickelt war und vor allem, weil der Sektengründer die Frauen dazu gebracht hatte, seine Initialen als Brandzeichen in der Schamgegend zu tragen.

Gründer Keith Raniere floh mit getreuen Anhängerinnen nach Mexiko, wurde dort aber im März 2018 verhaftet und an die USA ausgeliefert. Vor dem Prozess gegen Raniere steht derzeit Sektenmitglied Clare Bronfman vor Gericht. Sie ist die milliardenschwere Erbin eines Schnaps-Imperiums – gehört aber nur zu den Randfiguren der Sekte. So muss sich Bronfman auch nicht wegen der Grausamkeiten und der Folterpraktiken vor Gericht verantworten. Ihr wird lediglich Kreditkartenbetrug und ein Verstoß gegen die Einwanderungsbestimmungen vorgeworfen. Im Auftrag der Sekte soll sie eine illegale Einwanderin mit gefälschtem Arbeitsvisum beherbergt haben.

Spießrutenlauf vor dem Gerichtsgebäude für Clare Bronfman.

Spießrutenlauf vor dem Gerichtsgebäude für Clare Bronfman.

DPA

Clare Bronfman werden mindere Delikte vorgeworfen

Die 40-jährige Bronfman erklärte sich am Freitag vor einem Bundesgericht in Brooklyn, New York, in beiden Fällen für schuldig. Diese Einlassung wird den Prozess beschleunigen. Bronfman versprach, keine Rechtsmittel gegen ein Urteil einzulegen, wenn ihre Strafe 27 Monate oder weniger betrage. Außerdem sei sie bereit, eine Strafe von sechs Millionen US-Dollar zu akzeptieren.

Ihr Anwalt betonte, dass sie keine Vereinbarung mit Staatsanwälten getroffen habe. Sie sagte, sie sei "wirklich reumütig". "Ich wollte in der Welt Gutes tun und den Menschen helfen", sagte sie. "Aber ich habe Fehler gemacht."

Ex-Mitglied enthüllte die Praktiken

Die Enthüllungen über die Sexsekte kamen durch das ehemalige Nxivm-Mitglied Frank Parlato in Gang und waren von persönlichen Rachemotiven geprägt. Inhaltlich wurden sie von ehemaligen Mitgliedern der Sekte bestätigt. Die "New York Times" ("Inside a Secretive Group Where Women Are Branded") sprach mit Ex-Mitgliedern. In dem Blatt schilderten sie, wie die Aufnahmerituale der geheimen Schwesternschaft abliefen. Um Zugang zum inneren Kreis zu erhalten, mussten die Frauen sich erpressbar machen und intime Nacktaufnahmen von sich abliefern, aber auch finanzielle Verpflichtungen eingehen. Die geheime Frauengruppe soll einem kruden Sado-Maso-Ritus gehuldigt haben.

Laut Parlato mussten die Frauen strenge Diäten mit 500 bis 800 Kalorien pro Tag einhalten, weil Sektenführer Raniere magere Frauen bevorzugt. Neue "Sklavinnen" sollten gewaltsam gebrandmarkt werden, so Parlato. Auf seiner Enthüllungsseite zeigte er die Brandmale von zahlreichen Frauen. Die komplizierten Linien der Brandzeichen sollten die Initialen der Sektenführer darstellen. "Sie werden nicht sofort gebrandmarkt", sagte Parlato der "Sun". "Das Branding kommt überraschend. Ihnen wird gesagt, dass Sie eine kleine Tätowierung bekommen. Aber dann nimmt ein Doktor dieses heiße Eisen. Das Zeichen sieht aus wie ein Symbol, aber es sind eigentlich Ranieres Initialen, KR, und die einer Schauspielerin."

Die kanadische Schauspielerin Sarah Edmondson bestätigte in der "New York Times" die Enthüllungen Parlatos über das Aufnahmeritual. Auch sie wurde mit der Macht einer freimaurerartigen Verbindung gelockt. Ihr wurde versprochen, im Geheimen würde die Schwesternschaft Wahlen entscheiden können und den Gang der Geschichte beeinflussen. Auch wurde ihr angekündigt, dass sie nur eine kleine Tätowierung als Teil der Einweihung bekommen würde. Sie musste sich ausziehen und auf einem Massagetisch legen, während drei andere Frauen sie an Beinen und Schultern festhielten. Dann mussten sie Folgendes sagen: "Master, bitte brandmarken Sie mich, es ist eine Ehre für mich." Eine Ärztin fertigte dann das komplizierte Brandzeichen mit einem medizinischen Gerät und nicht etwa mit einem Brandeisen. Das soll etwa 20 bis 30 Minuten dauern. So lange füllten Schreie und der Geruch von brennendem Fleisch den Raum. "Ich schrie und weinte die ganze Zeit", sagte Edmondson der "New York Times".

Prozess nur noch gegen den Gründer der Sekte

Vor Clare Bronfman hatte sich die Schauspielerin Allison Mack bereits schuldig bekannt, zwei Frauen im Zusammenhang mit Nxivm erpresst zu haben. Auch die ehemalige Nxivm-Präsidentin Nancy Salzman und ihre Tochter Lauren Salzman haben auf "schuldig" plädiert.

Durch diese Plädoyers werden sie ein Urteil erhalten, ohne am eigentlichen Prozess teilzunehmen. Gründer Raniere ist vermutlich der einzige verbliebene Angeklagte in dem Prozess, der voraussichtlich Ende des Monats beginnt.

Raniere, 58, wurde im März 2018 wegen Frauenhandel verhaftet, eine Kaution wurde abgelehnt. Raniere wird beschuldigt, hinter der Organisation Nxivm eine die Sex-Geheimgesellschaft aufgebaut zu haben. Dieser Part war bereits 2017 bekannt, aber die Ermittlungen haben weitere Taten ans Licht gebracht. Nun wird Raniere auch beschuldigt, Minderjährige sexuell ausgenutzt zu haben. Es sollen dabei auch Fotos gemacht worden sein.

Raniere hat sich für nicht schuldig erklärt. Sein Sex mit Frauen in der Organisation sei stets einvernehmlich gewesen. Die Anklage wegen Kindesmissbrauchs hat er ebenfalls zurückgewiesen.