HOME

Friedensgebet nach Terroranschlag: Drei Religionen gemeinsam gegen den Terror

Paris, Beirut, Ankara. Der Terrorismus ist in den letzten Wochen sehr präsent. Zum Gedenken der Opfer wurde in Berlin jetzt zu einem Friedensgebet aufgerufen. Das Ziel: Frieden für alle Menschen - egal welcher Religion sie angehören.

Von Wiebke Wetschera

Abwechselnd halten die Vertreter der Religionen ihre Ansprachen und Gebete

Abwechselnd halten die Vertreter der Religionen ihre Ansprachen und Gebete

Nach den schrecklichen Anschlägen von Paris erscheint der Hashtag #prayforparis überall in den sozialen Netzwerken. Egal welcher Religion man angehört, egal wo man wohnt - alle Welt fühlt mit Paris, will für Paris beten. Ein Karikaturist von "Charlie Hebdo" rief einen weiteren Hashtag ins Leben: #parisisaboutlife. Mit der Begründung, Paris bräuchte jetzt nicht noch mehr Religion. Stattdessen würden sie an Musik, Küsse und Champagner glauben. In Berlin war man da heute anderer Meinung: Paris, Beirut und Ankara bräDrei verschiedene Religionen beteten gemeinsam für die Opfer der Terroranschläge.

Der Petriplatz mitten in Berlin. Ein Stück Brachland mit Gerüsten, halb fertigen Fassaden und Baukränen, soweit das Auge reicht. Dort, wo einmal das "House of One" enstehen soll, wird an diesem Tag zum Freitagsgebet eingeladen. Eine Veranstaltung für alle Menschen, die der Symbolik des Terrors ein Symbol des Friedens und der Verständigung entgegensetzen wollen. Und das sind an diesem Tag einige. Die Baugrube ist gut gefüllt. Mit Christen, mit Muslimen, mit Juden. Drei Religionen gemeinsam gegen den Terror.

Gemeinsames Beten für den Frieden

"Ich glaube unser Erfolgsrezept ist es, Unterschiede nicht auszublenden, sondern sie zu einer Chance zu machen. Sie sind keine Probleme, sondern eine Bereicherung", erklärt Imam Kadir Sanci das Prinzip des "House of One". Das "House of One" ist ein Haus der drei Religionen, das mithilfe von Spendengeldern im Zentrum Berlins errichtet werden soll. Unter seinem Dach werden sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee befinden.
Also wird an diesem Freitag gemeinsam für die Opfer von Paris, Beirut und Ankara gebetet. Und zwar in den Gebeten drei verschiedener Religionen. Denn gerade jetzt bräuchte man mehr Religion, so Pfarrer Gregor Hohberg zu Beginn des Friedensgebets. Religion helfe das Friedenspotenzial zu steigern, sich der Gewalt entgegenzusetzen und Seite an Seite, aber mit gegenseitigem Respekt, zu beten.

Ein klares Signal, das die drei Religionsvertreter mit diesem Plakat hochhalten

Ein klares Signal, das die drei Religionsvertreter mit diesem Plakat hochhalten

"Eigentlich", sagt Imam Kadir Sanci, "sollten wir möglichst gemeinsam arbeiten. Denn zusammen sind wir die Mehrheit der Weltbevölkerung, dadurch haben wir eine besondere Verantwortung eine friedliche Lösung zu finden. Sanci möchte während seiner Ansprache vor allem an den wahren Islam erinnern. Gerade durch die Zunahme des Terrorismus wird der Islam oft ins falsche Licht gerückt. Doch Sanci wehrt sich dagegen: "Es gibt nicht den Islam auf der einen Seite und auf der anderen Seite den Westen. Es gibt nur Krieg, Terror und Frieden. Und wir sollten wissen, auf welcher Seite wir stehen." Man müsse nun versuchen gemeinsam mit Worten zu beten, aber auch mit Taten wirklich etwas zu verändern. Um Frieden herzustellen.

Unterscheidung zwischen Gewalt und Frieden

Rabbiner Dr. Andreas Nachama, der Vertreter der Juden des "House of One" findet deutliche Worte, warum Religion jetzt wichtig sei: "Glauben heißt Frieden zu sagen, obwohl alle Krieg schreien." Alle drei Religionsvertreter sind sich einig, dass derzeit eine schwierige Situation vorliegt. Doch alle glauben sie daran, mit ihrem Friedensgebet etwas verändern zu können. Auch Sanci hat Sorgen, was die nächste Zeit anbelangt: "Uns stehen schlimme und schwere Zeiten bevor. Das zeigen uns die politischen Entscheidungen in Polen und in der Slowakei." Und er betont noch einmal, dass es jetzt nicht die Splitterung zwischen Moslems und dem Westen geben dürfe, sondern die Trennung zwischen Gewalttätigen und Friedvollen. Eine wichtige, aber gleichzeitig schwierige Aufgabe. Für ihn heißt es in den nächsten Wochen: wenig schlafen und viel arbeiten. Und natürlich beten - Seite an Seite mit Juden und Christen.