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Toter Eisbär-Star: Die Welt weint um Knut

Während die internationale Presse um Eisbär Knut trauert, wird die Kritik an dem Berliner Zoo lauter. Der überlegt derweil, den toten Superstar ausstopfen zu lassen.

Der Tod des Berliner Eisbären Knut ist genauso öffentlich wie sein Leben. Sein letztes Zucken, sein Taumeln, sein Sturz in das Becken des Geheges und schließlich das Treiben seines leblosen Körpers im Wasser - das alles ist in einem Videolink auf der Homepage der Boulevardzeitung "BZ" zu sehen. "Der Bär war noch warm, als die Fernsehanstalten schon anriefen, um einem der Filmer Angebote zu machen", klagt Bärenkurator Heiner Klös am Sonntag, einen Tag nach dem plötzlichen Tod des berühmtesten Eisbären der Welt.

Viele Besucher verließen am Samstag weinend das Gelände, das von der Zoo-Direktion abgesperrt wurde. Aber die Trauer um den toten Knut ist grenzenlos: Auf der ganzen Welt wollten Menschen ihre Gedanken zum Tod des Eisbären-Stars mitteilen. Bei Twitter und Facebook nahmen am Samstag und Sonntag Tausende Anteil. Auch internationale Medien verbreiteten die Nachricht auf ihren Webseiten.

Das US-Magazin "Vanity Fair", das Knut im Mai 2007 auf ihren Titel hob, zeigt auf ihrer Homepage die schönsten Bilder, die Starfotografin Annie Leibovitz, damals von dem Kinderstar schoss. "Knut, wir kannten dich kaum", steht neben den Bildern. Auch Tageszeitungen in Italien, China und England trauern um den kleinen Bären, der nur vier Jahre alt wurde.

Knuts Haltung war "tier- und artwidrig"

Inzwischen wurde aber auch wieder Kritik laut - an der Haltung eines Eisbären in Gefangenschaft und dem Vorgehen des Zoologischen Gartens. Die Tierrechtsorganisation Peta, die von Anfang an vor einer folgenschwerer Vermenschlichung des Eisbärenbabys gewarnt hatte, sieht die Schuld an seinem Tod beim Zoo. Er habe Knut "tier- und artwidrig" gehalten, hieß es in einer Mitteilung. Insbesondere die Zusammenführung Knuts in einem Gehege mit den drei Bärinnen Tosca, Katjuscha und Nancy habe nicht gut gehen können. "Knut, der eine Goldgrube für den Berliner Zoo war, hätte eine bessere Tierhaltung verdient", sagte die Grünen-Tierschutzexpertin Claudia Hämmerling am Sonntag. Thomas Pietsch von der Tierhilfe-Organisation "Vier Pfoten" forderte ein Ende der Eisbärhaltung in Zoos: "Der Schutz der wildlebenden Eisbären und ihrer Lebensräume muss Priorität haben."

Am Montag solle die Sektion von Knut stattfinden. Klös sagte, nach der Klärung der Todesursache solle entschieden werden, was mit dem Tier geschehe: "Er könnte ausgestopft oder der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden." Knut starb kurz vor seiner Geschlechtsreife. Der Berliner Zoo hatte bereits mit anderen Zoos Kontakt aufgenommen, um eine Eisbärin zu identifizieren, mit der Nachwuchs gezeugt werden könnte. Statistisch hatte der Bär eine Lebenserwartung von 40 Jahren. Wie bei einer Monarchie hätte sich Knuts Ruhm und der des Berliner Zoos von einer Bärengeneration in die nächste vererbt. Mit Knuts jähem Ende sind diese Träume geplatzt.

Auf seiner Internetseite hat der Zoo inzwischen ein Online-Gedenkbuch eingerichtet. Von Montag an, so steht es dort geschrieben, will er ein Sonderkonto einrichten, auf das Spenden zugunsten der Erforschung und Erhaltung des Lebensraumes für Eisbären eingezahlt werden können. "Knut war auch ein Sinnbild für die Bedrohung seiner Art und die der natürlichen Lebensräume der Tiere", steht auf der Seite. Nur durfte Knut diese natürlichen Lebensräume selbst nie kennenlernen.

kmi/DPA/AFP / DPA