Trafalgar Politisch korrekte Seeschlacht


Mit einem nachgestellten Seegefecht hat Großbritannien der Schlacht von Trafalgar vor rund 200 Jahren gedacht. Aus Rücksicht auf die Besiegten kämpften die "Blauen" gegen die "Roten".

Angeführt von einem Nachbau des Flaggschiffs "Victory" beschwor die Flotte mit zehn Tonnen Schießpulver und Feuerwerkstechnik die Erinnerung an die Schlacht herauf, bei der Admiral Horatio Nelson die französisch-spanische Flotte zerschlug und Großbritannien für mehr als 100 Jahre die Herrschaft auf den Meeren sicherte.

Nach dem Ende der Seeschlacht erleuchtete ein riesiges Feuerwehr den Himmel. Zuvor hatten die Zuschauer eine internationale Flottenparade verfolgt. Elizabeth II. schaute von Bord des Eisbrechers "Endurance" der Parade vor dem südenglischen Hafen Portsmouth zu. In der historischen Schlacht hatten englische Schiffe vor dem südspanischen Kap Trafalgar am 21. Oktober 1805 über Napoleons französisch-spanische Flotte gesiegt.

Heikle französisch-britische Beziehungen

Auch zwei Jahrhunderte nach der Schlacht sind die französisch-britischen Beziehungen immer noch ein sensibles Thema, wie zuletzt das Ringen um die Finanzplanung der EU auf dem Brüsseler Gipfel zeigte. Die Organisatoren der Gedenkfeiern wollten daher Fingerspitzengefühl zeigen und das französische Debakel nicht nachstellen. Sie dachten sich eine Seeschlacht aus, bei der eine nicht genauer bezeichnete rote Flotte gegen eine blaue kämpft.

Eine "ziemlich dumme" Idee, fand Anna Tribe, die Urururenkelin von Nelson, der während der Schlacht am 21. Oktober 1805 den an Bord der "Victory" von einem Schuss in die Wirbelsäule getroffen wurde und starb. "Ich bin sicher, dass Franzosen und Spanier erwachsen genug sind um einzusehen, dass wir gewonnen haben", sagte die 75-Jährige.

Der französische Vizeadmiral Jacques Mazars, der mit fünf Schiffen kam, versicherte: "Wir sind stolz hier zu sein und an dem großen, einwöchigen Seefest in Portsmouth teilzunehmen." Es gehe nicht darum, alte Rivalitäten wiederzubeleben. Stattdessen wollten die heutigen Verbündeten einen großen historischen Augenblick feiern, in dem beide Seiten Mut gezeigt hätten.

Zu der Flottenparade am Dienstag entsandten 35 Staaten 58 Schiffe. Bis zum Jahrestag der Schlacht von Trafalgar im Oktober sind in Großbritannien noch zahlreiche Veranstaltungen geplant.

Nelson, einer der größten britischen Helden, errang zahlreiche Siege gegen Franzosen und Spanier. Sein Triumph bei Trafalgar zerschlug alle Hoffnungen Napoleons auf eine Invasion Großbritanniens und legte die Grundlage für dessen spätere Niederlage auf dem Kontinent. Die Statue Nelsons auf dem Londoner Trafalgar-Square ist heute eines der Wahrzeichen der Stadt.

Thomas Wagner/AP


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