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Ünsal Arik: Boxweltmeister und Erdogan-Kritiker steht in der Türkei vor Gericht

Der Box-Weltmeister Ünsal Arik nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan spricht. Dafür muss sich der Deutsch-Türke nun vor Gericht verantworten.

Ünsal Arik zu Gast bei Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale"

Der Boxer Ünsal Arik war im März dieses Jahres zu Gast bei Jan Böhmermann - und lederte im "Neo Magazin Royale" gehörig gegen den türkischen Staatspräsidenten Erdogan ab.

Ünal Arik ist ein erfolgreicher Boxer: Der Super-Weltergewichtler holte zahlreiche internationale Titel und ist amtierender Weltmeister in dieser Gewichtsklasse. Daneben ist der 1980 im bayerischen Parsberg geborene Deutsch-Türke einer der lautesten Erdogan-Kritiker des Landes. Erstmals trat er damit 2014 öffentlich in Erscheinung. Nach einem in der Türkei ausgetragenen Boxkampf trug Arik ein T-Shirt mit der Aufschrift "Das Land gehört Atatürk, nicht Tayyip".

Ärger mit der türkischen brachte ihm jetzt ein Song ein, der übersetzt den Titel trägt: "Ich werde Dich zerstören". Darin rappt der Boxer auf Türkisch gegen den türkischen Präsidenten. Was er darin von sich gibt, reicht der türkischen Staatsanwaltschaft offenbar als Grund für eine Anklage: Am 19. Dezember muss sich Arik in Sakarya vor Gericht verantworten.

Ünsal Arik beschimpft Erdogan im TV

Doch nicht nur in dem Song pestete Arik gegen den türkischen Staatschef, auch bei anderen Gelegenheiten nahm er kein Blatt vor den Mund. Im März dieses Jahres war er zu Gast bei Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale", und teilte ordentlich gegen Erdogan aus: "Es gibt Leute, die haben Ego-Probleme, und Erdogans Ego ist sehr klein", sagte er in der Sendung. Und legte mit einem Hitler-Vergleich nach: "Adolf war ja cool, weil er hat Adolf umgebracht", hob Arik an, "aber so viele Eier hat Erdogan nicht." Der sei nicht sein Präsident: "Jemand, der so mein Land repräsentiert, hat weder in der noch auf dieser Welt was verloren. Dieser Mensch ist einfach böse und der gehört weg."

Nicht nur Erdogan bekam sein Fett weg, auch die in Deutschland lebenden Anhänger des Präsidenten sind Arik ein Dorn im Auge. Bei Sat.1 hatte er diese Menschen im vergangenen Jahr als "dumm" bezeichnet. Im "" legte er im März nach: "Jeder Türke, dem es hier nicht passt, weiß doch, wo der Flughafen ist."

"Ich löse meine Probleme alleine"

Persönliche Konsequenzen fürchtete Arik nicht: "Ich bin ja ein Mann, ich gehe in den Ring und teile aus und stecke ein." Das unterscheide ihn von Erdogan: "Er braucht 500 Bodyguards und ich löse meine Probleme alleine."

Beim Prozess am 19. Dezember wird es nicht zum direkten Duell kommen. Weder Erdogan wird anwesend sein noch Ünsal Arik. Er lässt sich von seiner Anwältin vertreten.

ch

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