Türkisches Gericht Marco W.s Haftbeschwerde abgelehnt


Marco W. muss bis mindestens Mitte Dezember im Gefängnis bleiben. Das türkische Gericht hat die von seinen Anwälten eingereichte Haftbeschwerde abgelehnt. Unions-Politiker Bosbach warnte davor, öffentlich Druck auf die türkische Justiz auszuüben.

Der in der Türkei inhaftierte deutsche Schüler Marco W. muss offenbar weiter in Haft bleiben. Die "Bild"-Zeitung zitiert Michael Nagel, den deutschen Anwalt des 17-Jährigen, mit den Worten: "Unsere eingereichte Haftbeschwerde wurde abermals durch das türkische Gericht abgelehnt." Der Kampf um Marco werde aber weitergehen. "Wir werden jetzt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen. Die nötigen Schritte werden vorbereitet", sagte der Anwalt laut "Bild". Für eine unabhängige Bestätigung sowie weitere Details war Nagel zunächst nicht erreichbar.

Marco wird mindestens bis Mitte Dezember in Haft bleiben

In der "Bild"-Zeitung kündigte der Anwalt des Schülers aus dem niedersächsischen Uelzen nach Vorabbericht an, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen. Nach seinen Angaben wird Marco mindestens bis zum 14. Dezember in Untersuchungshaft bleiben, da das türkische Gericht abermals eine Haftbeschwerde abgelehnt habe.

Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Wolfgang Bosbach hat zur Zurückhaltung im Fall Marco W. gemahnt. "In solchen Fällen kann massiver öffentlicher Druck kontraproduktiv sein", sagte der CDU-Politiker in der ARD. "Es kann auch ein Gebot der Klugheit sei, nicht öffentlich massiven Druck auszuüben." Bosbach verwies auf die schon sechseinhalb Monate dauernde Untersuchungshaft des 17-Jährigen und erklärte, der schleppende Fortgang des Verfahrens dürfe nicht zulasten des Jungen gehen.

Marco wird beschuldigt, eine 13-jährige Britin im Urlaub sexuell missbraucht zu haben. Er ist seit Ostern in Haft. Der Junge hat erklärt, er habe im Einvernehmen mit dem Mädchen gehandelt. Der Anwalt der britischen Familie will einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung und die Höchststrafe von 15 Jahren erreichen. Das Verfahren ist mehrfach vertagt worden. Zuletzt hatte sich EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn in den Fall eingeschaltet und erklärt, die EU-Kommission verfolge ihn genau. Dabei werde besonders auf die Einhaltung der Menschenrechte geachtet.

AP AP

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