Umzug auf den großen Eisbärenfelsen Eisbär Knut auf Menschenentzug

Knut mag die Menschen, die Menschen mögen Knut. Doch mit seinen eigenen Artgenossen tut sich der Lieblingseisbär der Berliner noch immer etwas schwer. Daher wird Knut jetzt umgesetzt - auf 25 Meter Distanz zu seinen zweibeinigen Fans.

Mehr als zehn Millionen Menschen haben seit März 2007 Berlins Eisbärstar Knut im Zoologischen Garten besucht. Die Fans und der Publikumsliebling - sie waren sich ganz nah. Gerade fünf Meter entfernt von den Schutzgittern machte Knut Männchen und warf immer wieder einen zerknautschten Fußball in die Menge an seinem Gehege. Doch mit dieser Art von Nähe ist es für Knut und seine Fans bald vorbei.

"In vier bis acht Wochen zieht er um auf den großen Eisbärfelsen", sagte am Montag Zoo-Biologe Heiner Klös der Nachrichtenagentur dpa. Dann muss sich Knut, der nach der Handaufzucht von Pfleger Thomas Dörflein stark auf die Nähe von Menschen fixiert war, komplett umstellen. Sein Publikum, das er sich auch noch mit den Weibchen Nancy, Katjuscha und Mutter Tosca teilen muss, ist dann gut 25 Meter weit weg.

"Er soll ja Eisbär sein", kommentiert Zoologe Klös den Plan für den Umzug. "Wir wollen ihn ja nicht unbedingt dahin setzen, wo ihn das Publikum haben will, sondern wo es für ihn als Eisbär am besten ist."

Die geplante Ortsveränderung könnte auch im Sinne bisheriger Kritiker sein. Vertreter der Tierrechtsorganisation PETA, der Deutsche Tierschutzbund und in Berlin auch die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling hatten wiederholt beklagt, dass die Haltung Knuts zwangsläufig zu Verhaltensstörungen führte.

Zunächst hatte der Eisbär als Bezugsperson nur Thomas Dörflein, der vor Menschen aus aller Welt in der "Knut-Show" mit dem knuddelig weißen Tollpatsch spielte. Nach dem überraschenden Tod Dörfleins im September 2008 blieb es dabei, dass Knut ständig den direkten Kontakt zu Menschen in seiner Nähe suchte.

Als er erstmals durch den Zuzug der Münchener Eisbärin Gianna Umgang mit seinesgleichen lernen musste, wich er wochenlang verschreckt zurück. Nur langsam gewöhnte er sich an seine Artgenossin, orientierte sich aber weiter eng am Publikum.

Mit Spannung müssen nun die Zoo-Experten, aber auch die Knut-Fans darauf hoffen, dass der Publikumsliebling mit der künftigen Situation zurechtkommt. Bären-Betreuer Klös würde sogar die Gefahr von Inzucht in Kauf nehmen. Auf dem großen Eisbärfelsen lebt Knut, der im Dezember vier Jahre alt und dann geschlechtsreif wird, zunächst auch mit Mutter Tosca zusammen, die das Eisbärbaby nicht annahm. "Wenn da einmal etwas passiert und es zur Paarung kommt, wäre das nicht so schlimm", sagte Klös. In freier Wildbahn machten Eisbären auch keinen Unterschied. Solange kein genetischer Defekt vorliege, sei dies für einen möglichen Nachwuchs von Knut und Mutter Tosca nicht bedenklich, sagte Klös der Berliner "B.Z.".

Hans-Rüdiger Bein, DPA DPA

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