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US-Bundesstaat Virginia Frauen ohne deren Wissen sterilisiert: 71-jähriger Arzt zu 59 Jahren Haft verurteilt

Gynäkologischer Stuhl
20,8 Millionen US-Dollar Versicherungsschaden sollen im Laufe der Jahre entstanden sein (Symbolbild)
© Sanjin Strukic / PIXSELL / Picture Alliance
Neun Jahre lang hat ein heute 71-jähriger Arzt an Frauen nicht notwendige Operationen und unerlaubte Sterilisationen durchgeführt und falsche Diagnosen gegeben. Dafür geht er nun für fast sechs Jahrzehnte hinter Gitter.

Ein Arzt aus Chesapeake im US-Bundesstaat Virginia ist zu 59 Jahren Haft verurteilt worden. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Gynäkologe und Geburtshelfer zwischen 2010 und 2019 mehr als 25 Frauen unnötig operiert, sterilisiert und teils sogar Gebärmutterentfernungen durchgeführt. Dabei sei neben dem persönlichen Schaden auch ein Versicherungsschaden von fast 21 Millionen US-Dollar entstanden.

"Motiviert durch seine unersättliche und verwerfliche Gier"

Der heute 71-Jährige war bereits im November vor einem Geschworenengericht in 52 Anklagepunkten wegen Betrugs im Gesundheitswesen und anderen Vorwürfen schuldig gesprochen worden. Am Dienstag wurde er laut einer Erklärung der Staatsanwaltschaft des Eastern District of Virginia zu 59 Jahren Haft in einem Bundesgefängnis verurteilt.

Neben den 25 Frauen, die in der Verhandlung aussagten, lägen dem Gericht weitere 60 Aussagen von Opfern vor – darunter auch Krankenpflegerinnen, die sich wiederholt bei Vorgesetzten über den Gynäkologen beschwert hätten. Außerdem habe das FBI über eine Hotline Hunderte von Hinweisen erhalten.

"Motiviert durch seine unersättliche und verwerfliche Gier" nutzte der Verurteilte "ein ganzes Arsenal an erschreckenden Taktiken, um Patientinnen zu manipulieren und zu täuschen, damit sie sich invasiven, unnötigen und zerstörerischen medizinischen Eingriffen unterziehen", wird Staatsanwalt Raj Parekh in der Erklärung zitiert. In vielen Fällen hätten die Eingriffe Unfruchtbarkeit zur Folge gehabt.

Arzt stellte falsche Krebs-Diagnosen, um Patientinnen zu operieren

Laut einem Bericht der "New York Times" begann die Untersuchung im September 2018, als sich ein Krankenhausmitarbeiter an das FBI wandte. Dieser habe den Arzt verdächtigt, unnötige Operationen durchzuführen. Seiner Aussage zufolge wussten die Patientinnen nicht einmal, welchen Prozeduren sie sich unterzogen – sie seien für ihre jährliche Kontrolluntersuchung in der Klinik gewesen. Tatsächlich habe das Personal Schwierigkeiten gehabt, mit dem Gynäkologen Schritt zu halten, "da er von einem Eingriff zum nächsten rannte".  

Arzt tastet Bauch einer Schwangeren ab

Um die privaten und staatlichen Krankenkassen um Millionen Dollar zu betrügen, habe der Gynäkologe seinen Patientinnen erklärt, dass die Operationen nötig seien, weil sie bereits Krebs hätten oder diesen so vermeiden könnten. Viele der Eingriffe hätten innerhalb von wenigen Tage nach der Falschdiagnosen stattgefunden.

Außerdem habe er Behandlungsunterlagen gefälscht, um bei schwangeren Patientinnen frühzeitig Wehen auslösen und dadurch Geburtshilfe in Rechnung stellen zu können. Der Mediziner habe Versicherungen Hunderttausende Dollar für diagnostische Verfahren berechnet, die er nie durchführte. Auch die gesetzlich vorgeschriebene 30-tägige Wartezeit für Sterilisationen habe der Verurteilte umgangen, indem er rückdatierte Formulare eingereicht habe.

Verurteilter will Berufung einlegen

"CNN" zufolge beschlagnahmte die Regierung nach dem Schuldspruch Vermögenswerte von mehr als zwei Millionen Dollar, einen Bentley, zwei Grundstücke und medizinische Geräte. Ein Anwalt des 71-Jährigen habe erklärt, dass sei Mandant Berufung einlegen wird.

Laut "New York Times" war es nicht das erste Mal, dass sich der Gynäkologe rechtlich verantworten muss. 1982 habe er seine Zulassung in einem Krankenhaus in Portsmouth "aufgrund von schlechtem klinischen Urteilsvermögen und der Durchführung unnötiger Operationen" verloren, wie aus einer eidesstattlichen Erklärung hervorgehen soll. 1996 habe er sich in zwei Fällen der Steuerhinterziehung für schuldig bekannt.

Quellen:Mitteilung Staatsanwaltschaft Eastern District of Virginia; "New York Times"; "CNN"

yks

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