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Nabu-Vogelzählung Verhasstes Gartengrün: Bei diesen Pflanzen machen Vögel lieber den Abflug

Nabu Stunde der Gartenvögel: Ein Rotkehlchen im Flug
Ein Rotkehlchen im Flug. Der Nabu ruft an diesem Wochenende zur Vogelzählung auf. In Gärten mit exotischen Pflanzen wird nicht viel zu zählen sein.
© Sebastian Gollnow / DPA
Die Vogelzählung des Nabu läuft an diesem Wochenende. Warum tobt in manchen Gärten das Leben, in anderen aber ist kein Piep zu hören? Es könnte an den Pflanzen liegen.

An diesem Wochenende ruft der Nabu deutschlandweit zur "Stunde der Gartenvögel" auf. Egal, ob ornithologische Laien oder Experten – wer Interesse hat und eine Stunde Zeit entbehren kann, soll Vögel zählen, empfiehlt der Naturschutzbund. Die Zählungen dürften in manchen Parks und Gärten erfolgreicher sein als in anderen. Doch warum ist das so? Was lockt die Tiere an und was schreckt sie ab?

Wo sich Vögel wohl fühlen, darauf gab es bereits beim Schreiben dieses Textes einen ersten Hinweis, und zwar per Blick aus dem Bürofenster. Zu sehen war, wie ein Elster-Paar stundenlang beeindruckende Bauarbeiten erledigte. Die zwei großen schwarz-weißen Vögel hatten sich den Ilex-Baum am Straßenrand ausgesucht und schleppten unermüdlich Zweige und anderes Nistmaterial an. Demnächst wird es hier wohl Elster-Nachwuchs geben.

Der Ilex – oder auch Europäische Stechpalme – ist ein gutes Beispiel für Pflanzen, die Parks oder Gärten vogelfreundlicher machen. Wer den "Baum des Jahres" von 2021 im Garten hat, kann mit Sicherheit viele Vögel beobachten, denn die Tiere lieben die roten Beeren. Mit seinen ledrigen, stacheligen Blättern ist der pflegeleichte Busch, der zu einem meterhohen Baum heranwachsen kann, außerdem hübsch anzusehen. Im Sommer locken seine Blüten viele Insekten an.

Keine Nahrung, kein Unterschlupf – Nabu rät von exotischen Pflanzen ab 

Was hübsch im Garten ist, darüber lässt sich streiten. Schön sehen auch Forsythien, Rhododendron, Magnolien oder Zierkirschen aus. Doch wer sich solche Pflanzen für den Garten anschafft, kann sicher sein: Sie werden Meisen, Rotkehlchen, Amseln und andere Singvögel vertreiben. Denn diese Büsche bieten den Tieren nichts Essbares. Insekten, die ja für Vögel eine wichtige Nahrung sind, werden sich an ihnen ebenfalls kaum finden.

Auf der Liste der unbeliebtesten Pflanzen bei heimischen Singvögeln ganz oben stehen auch Bambus und Kirschlorbeer. Der immergrüne Kirschlorbeer ist bei Naturschützern geradezu verhasst, was der Nabu Bremen besonders prägnant auf seiner Website formuliert. Wer einen Kirschlorbeer pflanze, begehe ein "Verbrechen an der Natur", heißt es dort. "Selbst eine Betonmauer ist ökologisch wertvoller, auf ihr wachsen mit der Zeit wenigstens Flechten und Moos."

Was also pflanzen, wenn man die heimische Vogelwelt bei sich im Garten haben möchte? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, und es gibt im Netz viele Anregungen, unter anderem beim Nabu. Als Faustregel sollte man sich merken: Heimische Pflanzen nehmen, die Tieren Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten.

Exoten sind tabu – und bei Blumen sollten es keine "gefüllten" Sorten sein, also keine, die speziell mit vielen Blütenblättern gezüchtet wurden. Denn dort fehlen die Staubgefäße, die Pollen und Nektar enthalten. Nur ungefüllte Blumen geben Insekten Nahrung.

Der Unterschied zwischen "gefüllten" und "ungefüllten" Blumen ist leicht am Beispiel der Rosen erklärt. Wildrosen bieten mit ihren ursprünglichen Blüten eine Menge Nektar und Pollen, während bei Zierrosen die Blüten so gezüchtet wurden, dass sie nur noch aus Blütenblättern bestehen. Das sieht zwar schick aus, ernährt aber kein Insekt. Und wo die Insekten fehlen, bleiben auch die Insektenfresser unter den Vögeln aus, wie beispielsweise die Kohlmeise.

Ein bisschen Unordnung kann nicht schaden

Mutige Gartengestalter lassen Teile des Terrains gern etwas unordentlich – zum Beispiel mit Totholz, unter dem Vögel kleine Käfer und anderes essbare Getier finden. Im Herbst gern mal das Laub liegen lassen, was vielleicht auch den Igel freut, den man meist nicht sieht, weil er eher nachts unterwegs ist. Und wer den Insekten eine besondere Freude machen will, lässt Löwenzahn stehen – eine wahre "Kalorienbombe", was Pollen und Nektar angeht.

Es muss auch nicht gleich ein undurchdringlicher Öko-Dschungel sein. Rotkehlchen, Amsel, Zilpzalp oder Zaunkönig sind schon mit wenigen heimischen Büschen zufrieden. Wer eine Eberesche im Garten hat, trifft laut Nabu den Geschmack von 63 Vogelarten. Nicht ohne Grund heißen die Früchte "Vogelbeeren". Und am Weißdorn seien 163 Insektenarten gezählt worden, was unter anderem die Zustimmung des insektenfressenden Zilpzalps findet. Auch andere Pflanzen wie Efeu, Haselnuss, Holunder sowie Obstbäume und -büsche gelten als vogel- und insektenfreundlich.

Wenn sich Naturbegeisterte an diesem Wochenende an der Zählaktion "Stunde der Gartenvögel" beteiligen, können sie sicher sein: In bunten Parks und Gärten mit heimischen Bäumen, Büschen und Blumen werden deutlich mehr Arten zu finden sein als in "ordentlichen" Gebieten mit Rollrasen und Kirschlorbeer.

Quellen: Nabu zu vogelfreundlichen Gärten, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Nabu Bremen, Stunde der Gartenvögel, RBB

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