Waldbrände in Kalifornien "Es sieht aus wie auf dem Mond"


Auch nach fast einer Woche haben rund 12.000 Feuerwehrleute die verheerenden Waldbrände in Kalifornien nicht aufhalten können. In den Flammen, die eine Fläche von der Größe des Saarlandes verwüsteten, starben mindestens 20 Menschen.

Die Waldbrände in Südkalifornien und Mexiko nehmen immer verheerendere Ausmaße an. Innerhalb von Minuten sind in dem Urlaubsort Lake Arrowhead im Hinterland von Los Angeles etwa 250 Häuser ein Raub der Flammen geworden.

Insgesamt sind in dem US-Bundesstaat bereits mindestens 20 Menschen in der Feuersbrunst ums Leben gekommen, in der die Flammen mancherorts bis zu 90 Meter hoch lodern. Die Brände, durch die fast 2.500 Häuser zerstört wurden, gelten mittlerweile als Jahrhundertfeuer. Auch am Donnerstag gab es vorerst keine Aussicht auf Entwarnung: Die einzige Hoffnung der Behörden ist nun, dass Nebel die Bergregion um San Bernardino zum Wochenende einhüllt und die Feuchtigkeit das Feuer eindämmt.

Unter den Toten befindet sich nach offiziellen Angaben erstmals auch ein Feuerwehrmann, der in der Region San Diego in der Nähe der früheren Goldgräberstadt Julian im Einsatz war.

Drei weitere Feuerwehrleute seien dort verletzt worden, teilte die Behörden mit. Zwei Menschen seien im Grenzgebiet zu Mexiko ums Leben gekommen. Mehr als 250.000 Hektar Land wurden bisher ein Raub der Flammen.

"Totale Verwüstung"

Die Flammen loderten auf dem Weg zu dem 110 Kilometer östlich von Los Angeles gelegenen Ort Lake Arrowhead bis zu 90 Metern hoch - doppelt so hoch wie Kiefern- und Tannenbäume. "Es sieht aus wie auf dem Mond", sagte ein Feuerwehrmann einem lokalen Fernsehsender. "Da ist nichts mehr. Wo einmal Bäume und Häuser waren ist alles weg, totale Verwüstung."

"Die gute Nachricht ist, dass sich das Wetter ändert, wenn auch etwas zu spät", sagte die Chefin des kalifornischen Forstamts, Andrea Tuttle. Am Donnerstag werde es noch Probleme geben, ab Freitag sei aber mit einer höheren Luftfeuchtigkeit zu rechnen. Zuvor hatte Tuttle von Feuern biblischen Ausmaßes gewarnt, weil rund 70 Prozent der Bäume um Lake Arrowhead von Borkenkäfern befallen seien.

Durch den Befall mit den Reiskorn-großen Käfern verliert ein Baum die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen. Der Baum stirbt ab, bleibt aber wie ein riesiges Streichholz stehen: "Wenn das Feuer die toten Bäume erreicht, explodieren sie", sagte ein Mitarbeiter des Forstamtes. Seit Dienstag mussten mehr als 70.000 Menschen in der Region San Bernardino ihre Häuser verlassen.

Im Norden von Los Angeles musste bei Stevensons Ranch am Mittwochnachmittag die Bundesstraße Interstate 5 für mehrere Stunden gesperrt werden, weil bis zu 16 Meter hohe Flammen an den Rändern loderten und die Fahrbahn übersprangen.

Hilfe von Soldaten

Fast 13.000 Feuerwehrleute bekämpfen inzwischen die Brände zwischen der US-mexikanischen Grenze und dem Norden von Los Angeles. Viele der Feuerwehrmänner haben seit Tagen keine Pause gemacht, da auch kleinere Feuer durch plötzlich drehende Winde immer wieder auflodern. In Camp Pendleton im Norden von San Diego bereiten sich 500 Soldaten darauf vor, die Feuerwehrleute ab Freitag zu unterstützen. Die kalifornischen Behörden haben auch die Nachbarstaaten um Hilfe gebeten. US-Präsident George W. Bush hat für Teile des Staates den Notstand ausgerufen. Der künftige Gouverneur Arnold Schwarzenegger nutzte einen Besuch im US-Parlament in Washington, um für schnelle Hilfe zu werben.

Kalifornische Versicherungsgesellschaften gehen bisher von einem Schaden von mehr als einer Milliarde Dollar aus. Dies wäre der zweithöchste Waldbrand-Schaden der kalifornischen Geschichte.


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