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Ukraine-Krieg "Fahrt zur Hölle!": Ukrainer verkaufen tödliche Botschaften auf Raketen und sammeln damit Spenden

Beschriftete Raketen aus der Ukraine
Beschriftete Geschosse aus der Ukraine
© NurPhoto / Imago Images
Mit Raketen und Artilleriegeschossen will die Ukraine die russischen Angreifer zurückdrängen. Darauf werden Botschaft an die Feinde aufgebracht – die für Spenden verkauft werden.

Schon seit mehr als fünf Monaten tobt der Krieg in der Ukraine. Obwohl viele Expert:innen nach dem russischen Angriff damit gerechnet hatten, dass die Truppen Russlands Präsidenten Wladimir Putin das Land schnell erobern würden, verteidigt sich die Ukraine – mit internationaler Unterstützung – nach wie vor tapfer.

Teil der militärischen Verteidigung sind auch Raketen und Artilleriegeschosse, mit denen die feindlichen Soldaten beschossen werden und die das weitere Vorrücken der russischen Truppen verhindern sollen. Ukrainische Websites bieten die Möglichkeit an, diese Raketen mit individuellen Botschaften an Russland zu versehen. Die Einnahmen kommen dem ukrainischen Militär zugute, berichtet die Website "Kyiv Independent".

Ukraine-Krieg: Botschaften ab 30 Euro

Drei Organisationen haben so laut dem Bericht bereits insgesamt mehr als 110.000 Euro eingenommen. "Mit den Botschaften auf den Raketen können die Leute ihren Schmerz, ihren Ärger oder ihren Glauben an den ukrainischen Sieg ausdrücken", erklärt Lyubov Galan.

Sie hat das Projekt "Boomboard" mitgegründet. Eine "Textnachricht" an das russische Militär kostet dort etwas 30 Euro. Für 175 Euro verschickt man eine Rakete mit einem Meme darauf. Ein anderes Angebot preist eine Drohne als "persönliche Werbefläche" an – für stolze 19.500 Euro.

Laut Galan ist die Nachfrage groß. Das Angebot werde für alle möglichen Botschaften genutzt, sagt sie. "F*ck Russland! Fahrt zur Hölle", lautete eine Nachricht. Andere werden kreativer: "Hey ihr Russen! Ich hoffe, ihr mögt ukrainischen Heavy Metal!" In manchen Botschaften wird klar Bezug auf russische Angriffe genommen: "Rache für das Theater in Mariupol", stand auf einer Rakete.

Bei dem Luftangriff auf das Theater im März waren schätzungsweise 600 Menschen gestorben. Etwa 50.000 Euro hat "Boomboard" bisher eingebracht, insgesamt gab es schon 3000 Bestellungen. Das Ziel der Initiatoren: 200.000 Euro, um vier Kampfdrohnen kaufen zu können.

"Rache für alle Tiere"

Das ähnliche Projekt "RevengeFor" kommt auf gut 35.000 Euro Einnahmen, die vor allem aus dem Ausland kommen. Die höchste Spende zahlte jemand aus Norwegen, der in seiner Botschaft "Rache für alle Tiere" androhte: "Habt schlaflose Nächte in der Ukraine." "Russland ist ein Land, das die Rache der ganzen Welt verdient", schreiben die Initiator:innen auf ihrer Website. "Helft ukrainischen Soldaten, Russland für alles zu bestrafen."

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Soldat:innen bringen diese Nachrichten per Edding auf den Raketen oder Bomben auf, der Aufwand ist gering. "Technisch gesehen ist es nicht schwierig. Wenn man eine Rakete hat, muss man sich nur einen Textmarker nehmen und schreiben", erklärt die Freiwillige Jewgenia Soboljewa.

Auch Russland verwendet auf seinen Raketen teilweise zynische Aufschriften. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte nach dem Angriff  auf den Bahnhof in Kramatorsk Anfang April auf seinem Telegram-Kanal Bilder, auf denen ein Fragment einer Tochka-U-Rakete mit der russischen Aufschrift "Für Kinder" zu sehen war.

Quellen: "Kyiv Independent" / "BoomBoard" / "RevengeFor"

epp

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