HOME

Syrien-Krieg: "Der Katzenmann von Aleppo": Wie ein Mann Tiere aus dem Bombenhagel rettete

In Syrien tobt ein erbarmungsloser Krieg, unter dem auch die Tiere leiden. Mohammed Alaa kümmert sich um die Katzen in Aleppo – und hilft damit auch den Menschen.

Mohammed Alaa , auch bekannt als "der Katzenmann von Aleppo", trägt einen Käfig mit einer Katze

Mohammed Alaa , auch bekannt als "der Katzenmann von Aleppo", trägt einen Käfig mit einer Katze, die er aus einem ausgebombten Gebiet gerettet hat

DPA

Seit Jahren tobt in Syrien ein brutaler, erbarmungsloser Krieg, der das Land nahezu völlig zerstört hat. Besonders schlimm hat es die Stadt Aleppo getroffen, deren Name zu einer Art Symbol für das Leiden des syrischen Volkes geworden ist. Aleppo wurde in den vergangenen Jahren immer wieder stark bombardiert, befand sich im Belagerungszustand und litt unter Angriffen von allen Seiten, die an diesem Krieg beteiligt sind.

Viele Menschen sind aus Aleppo geflohen und denen, die noch in der Stadt ausharren, kann es niemand verdenken, wenn sie sich zuerst um das eigene Überleben kümmern. Das war in den vergangenen Jahren vielleicht nirgends auf der Welt so schwierig wie in Aleppo. Doch Mohammed Alaa setzt sich neben dem Kampf um das eigene Leben auch noch für jene Bewohner der Stadt ein, die kaum noch Fürsprecher haben: Tiere, vor allem Katzen. Mittlerweile ist er als "Katzenmann von Aleppo" bekannt.

"Katzenmann von Aleppo": Mohammed Alaa kümmert sich im Krieg um Katzen

Alles begann damit, dass Alaa, der als Krankenwagenfahrer arbeitete, auf dem Heimweg nach der Arbeit Lebensmittel für streunende und verlassene Katzen verteilte. Viele der Tiere hatten keine Besitzer mehr, da diese vor dem Krieg geflüchtet waren. Alaa aber blieb in Aleppo, sorgte weiter für die Katzen und nahm einige von ihnen auf.

Ende 2015 wurde Alessandra Abidin, eine italienische Katzenliebhaberin, durch einen Medienbericht auf Alaas Engagement aufmerksam. Abidin erstellte eine Facebook-Seite für das Projekt, über die auch viele andere Menschen darauf aufmerksam wurden. Der Seite folgen mittlerweile fast 50.000 User. Durch viele Spenden aus der ganzen Welt wurde es möglich, dass Alaa ein kleines Tierheim aufbaute, in dem er die Katzen unterbrachte. Benannt wurde es nach einer von Alessandras Lieblingskatzen, Ernesto.

Mohammed Alaa versorgt eine Katze im Ernesto's Cat Sanctuary

Mohammed Alaa versorgt eine Katze im Ernesto's Cat Sanctuary

Das Katzenhaus von Aleppo wurde zum Lichtblick in einer traumatisierten Stadt. Vor allem viele Kinder, die in ihrem Leben fast nur Krieg kannten, fanden bei den Tieren wieder Hoffnung. Dann jedoch kam das Jahr 2016, in dem Aleppo endgültig zum Mittelpunkt des Krieges wurde. Die Stadt wurde nahezu in Grund und Boden gebombt, die Bevölkerung litt stark unter der Belagerung durch die syrische Armee. Hunderttausende Menschen waren eingeschlossen.

Syrien-Krieg: Gegen die Bomben hilft kein Mittel

Zu der Zeit befanden sich mehr als 170 Katzen in Alaas Katzenhaus. Alaa rettete immer mehr verwundete Katzen von den Straßen. Im Nachhinein ist es fast ein Wunder, wie selbst unter diesen Bedingungen die Versorgung der Tiere gewährleistet werden konnte. Gegen die Bomben aber gab es kein Mittel. Kurz vor der Evakuierung von Aleppo wurde das Katzenheim von einer Bombe getroffen, viele Katzen starben durch Bombensplitter. Auch die Phosphorbomben, die über Aleppo abgeworfen wurden, forderten nicht nur unter den Menschen viele Leben.

In dieser Phase des Kriegs überkam Alaa die Verzweiflung. Auf seiner Facebook-Seite postete er ein Video, in dem er sich von seinen Unterstützern verabschiedete. Es tue ihm leid, dass er sie im Stich lasse, aber er wisse nicht, wie lange er noch am Leben sein würde. Alaa verließ seine Stadt. Doch die Geschichte des Katzenretters von Aleppo endete hier nicht. Alaa überlebte und fand, nachdem es in Aleppo wieder vergleichsweise ruhigt war, einen anderen Platz, an dem er sein Katzenhaus erneut aufbauen konnte.

Der Tierarzt Mohammad Youssef (l) untersucht eine Katze im Ernesto's Cat Sanctuary

Tierarzt Mohammad Youssef (l.) untersucht eine Katze 

DPA

Zusammen mit dem Tierarzt Mohammad Youssef kümmert er sich heute in Vollzeit um mehr als 200 Katzen. Außerdem leben auf dem Geländer vier Affen, ein Pferd, Tauben, Kaninchen und mehrere Hunde. "Der Krieg ist immer noch nicht weit entfernt und Syrien immer noch ein Land voller Gewalt. Aber wir werden weiter versuchen, das Leben von so vielen vergessenen Opfern des Krieges – den Tieren – zu verbessern", heißt es auf der Website der Einrichtung. Außerdem gehören mittlerweile ein Kindergarten und ein Waisenhaus dazu.

Quellen: "Ernesto's Sanctuary for Cats in Syria" auf Facebook / ernestosanctuary.com