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"Sewol" Taucher stirbt bei Einsatz an gekenterter Fähre


In Südkorea ist bei der Bergung der Leichen der "Sewol" ein Taucher ums Leben gekommen. Auch Tage nach dem verheerenden Fährunglück ist das Land geschockt.

Bei den gefährlichen Taucheinsätzen an der gekenterten südkoreanischen Fähre "Sewol" ist ein Taucher ums Leben gekommen. Der 53-Jährige sei zum ersten Mal an der Unglücksstelle im Einsatz gewesen und habe in 25 Metern Tiefe plötzlich Atemprobleme bekommen, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Der Taucher verlor demnach das Bewusstsein. Nach seiner Bergung wurde er im Krankenhaus für tot erklärt.

Es ist der erste tödliche Zwischenfall während der Bergung der Leichen aus dem gesunkenen Wrack der "Sewol". Der Luftschlauch des 53-Jährigen habe sich mit anderen Leinen verheddert, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap den Sprecher der Küstenwache.

Die Fähre war Mitte April mit 476 Menschen an Bord gekentert, nur 174 Insassen konnten gerettet werden. Bislang wurden 263 Leichen geborgen, weitere 39 gelten noch als vermisst. An der Suche sind dutzende Taucher beteiligt. Erschwert wird ihre Arbeit durch die starken Gezeitenströmungen und eine extrem schlechte Sicht in dem trübem Wasser. Bislang mussten etwa zehn Taucher medizinisch behandelt werden.

Fähre war dramatisch überladen

Unterdessen wird immer deutlicher, dass die Fähre offenbar dramatisch überladen war. Yonhap zitierte Ermittler, wonach das Schiff auf seiner Unglücksfahrt statt der zulässigen 987 Tonnen Fracht 3608 Tonnen geladen hatte. Die "Sewol" habe dabei nur 580 Tonnen Ballastwasser geführt - und damit nur 37 Prozent der erforderlichen Menge -, um das Schiff zu stabilisieren. Das Ballastwasser sei zugunsten der zusätzlichen Ladung reduziert worden.

Nach Angaben der Ermittler war dies eine gängige Praxis: Bei 139 ihrer 241 Fahrten seit März vergangenen Jahres zwischen dem Hafen von Incheon und der Insel Jeju sei die "Sewol" bewusst überladen gewesen. Im Jahr 2012 seien zudem auf mehreren Decks illegal zusätzliche Kabinen eingebaut worden. Auch die Vorwürfe gegen die Besatzung erneuerten die Ermittler: So habe die Crew 40 Minuten nach dem ersten Notruf verstreichen lassen, bevor sie die Passagiere gewarnt habe.

Präsidentin bittet um Verzeihung

Präsidentin Park Geun Hye bat die Angehörigen der Opfer erneut um Verzeihung. "Gier nach materiellem Gewinn hat über die Sicherheitsnormen gesiegt, und solch unverantwortliches Handeln hat zum Verlust kostbarer Leben geführt", sagte Park. Die Staatschefin kündigte an, hart gegen "Korruption und Fehlverhalten" vorzugehen.

Laut einem Bericht der Zeitung "Hankyoreh Shinmun" wurde die Einhaltung der Sicherheitsnormen auch nach einem schweren Unglück im Jahr 1993 kaum überprüft. Damals war eine überladene Fähre vor der Westküste Südkoreas gesunken, 292 Menschen kamen ums Leben.

she/AFP AFP

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