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20 Jahre Brandanschlag in Solingen: Mevlüde Genç: "Ich will Versöhnung"

Vor 20 Jahren zündeten Rechtsradikale ihr Haus in Solingen an, fünf Familienmitglieder starben. Mevlüde Genç über ihren Kampf gegen den Hass.

Am 29. Mai 1993 starben fünf türkische Frauen und Mädchen bei einem Brandanschlag in Solingen. Vier rechtsradikale Männer wurden später vom Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Mordes verurteilt. Die Opfer stammten aus der Familie Genç. Die Familie nimmt an der heutigen Gedenkfeier der Stadt zum 20. Jahrestag teil – unter ihnen auch Mevlüde Genç, die zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte bei dem Brandanschlag verlor.

Von jenem Tag habe ich meinen neun Enkelkindern nie erzählt. Als sie älter wurden, erfuhren sie es aus den Medien. Da habe ich ihnen gesagt, dass ihre Geschwister und Mütter am Rauch gestorben sind. Ich konnte ihnen nicht sagen, dass sie verbrannt sind. Vor 40 Jahren bin ich hierhergekommen, ich hatte nur zwei Koffer mitgebracht.

Heute ist Deutschland meine Heimat, ich habe keine andere. Trotz allem, was geschehen ist, habe ich nie darüber nachgedacht, wieder in die Türkei zu gehen. Hier habe ich meine Freunde. Doch ich bin traurig, dass wir noch keinen echten Dialog zwischen Einwanderern und Deutschen gefunden haben. Die Einwanderer fühlen, dass es immer noch keine Nähe gibt.

Seit 20 Jahren ist der Schmerz mein ständiger Begleiter. Aber ich will Versöhnung, ich will ein Vorbild sein, damit dieser unmenschliche Hass irgendwann aufhört. Ich habe großes Vertrauen in Deutschland, in den Rechtsstaat, ich habe nie meinen Glauben an unsere Gesellschaft verloren.

Der stern unterstützt die Initiative "Mut gegen rechte Gewalt"

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