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Amazonas: Mutter mit drei Kindern 34 Tage im Dschungel verschollen – Indigene retten sie per Whatsapp

Nach einem Unwetter irrten eine Mutter, ihr Sohn und ihre Töchter orientierungslos durch das Amazonasgebiet – mehr als einen Monat lang. Indigene Bewohner nahmen sie auf und verschickten per Smartphone einen Hilferuf.

Amazonas

Amazonasgebiet in Peru

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Wilde Früchte und Samen waren das Einzige, was eine 40-jährige Mutter und ihre drei Kinder im Alter von zehn, zwölf und 14 Jahren gegessen haben. 34 Tage lang. Solange waren die Vier verschollen im kolumbianischen Urwald – bis sie auf spektakuläre Weise gerettet wurden.

Begonnen hatte ihre Odyssee am 19. Dezember, wie zahlreiche Medien des südamerikanischen Landes berichten, darunter auch die größte Tageszeitung "El Tiempo". Gemeinsam mit dem Ehemann und Vater waren die Mutter und die drei Kinder demnach im Amazonas unterwegs, zum ersten Mal besuchten sie ihn an seinem Arbeitsplatz, auf einer abgelegenen Farm.

34 Tage im Amazonasgebiet verschollen

Der Mann verließ zwischendurch seine Familie, um etwas einzukaufen. Wenig später setzte ein Unwetter ein: Starkregen und Sturm. Die Mutter und die Kinder beschlossen nach einiger Zeit, nach ihrem Ehemann und Vater Ausschau und ihm entgegenzukommen, vermuten die Behörden. Dabei seien sie offenbar vom Weg abgekommen, dazu setzte die Dunkelheit ein. Als der Mann vom Einkaufen zurückkehrte, war seine Familie mitten im Regenwald verschwunden – und sollte über einen Monat nicht mehr auftauchen.

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Mit ihrem Sohn und den beiden Töchtern irrte die 40-Jährige fortan durch den Dschungel – umgeben von gefährlichen Tierarten. Die Mutter berichtete dem Blatt, wie sie mit ihren Kindern überlebt habe: In den ersten fünf Tagen hätten sie nicht gewagt, etwas zu essen und nur Wasser getrunken. Sie seien immer schwächer geworden. "Ich habe meinen Kindern gesagt, dass sie ruhig sein sollen, dass Gott auf uns aufpassen wird“, sagte sie. Nach 15 Tagen im Dschungel seien die Kinder von Insekten befallen worden. Das Zeitgefühl habe nachgelassen. An einem Flussufer hätten sie sich dann niedergelassen. "Wir dachten, wir würden am Fluss sterben."

Ein Fischer rettete Mutter und Kinder

Am 24. Januar war die Tortur vorbei. Ein Fischer entdeckte die Familie, nahm sie in seinem Kanu auf. Das gereichte Essen erbrachen sie sofort wieder, der Organismus sei nicht mehr an Brot gewöhnt gewesen. Der Fischer brachte die Vier in das Dorf La Esperenza in Peru, die indigene Gruppe der Secoya nahm sie bei sich auf. "Hier in La Esperanza gibt es eine Familie, die sagt, dass sie vor ungefähr einem Monat verloren gegangen ist." Diese Audiobotschaft aus dem Dorf machte zusammen mit einigen Bildern bei Whatsapp die Runde – und fand von dort den Weg zu Facebook und zum Ehemann der verschollen geglaubten Familie. 

Die kolumbianische und die peruanische Armee wurden eingeschaltet, die Retter brachten die Mutter und ihre drei Kinder wieder zu ihrem Vater und Ehemann. "Die Familie brach in Tränen aus, als sie wieder zusammen waren", notierte der Reporter von "El Tiempo". Auch der Sender Noticias Caracol berichtete von der Rettung:

Im Krankenhaus stellten Ärzte Unterernährung, Dehydrierung, Fußverletzungen, Infektionen und Larvenbefall der Haut fest. Die Behandlung ist teuer und kompliziert, die Familie arm – aber lebendig und nach über einem Monat wieder vereint.

Quellen: "El Tiempo (1)"El Tiempo" (2)BBC, Noticias Caracol, Nachrichtenagentur DPA

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