HOME

9/11-Witwe Opfer des Absturzes: "Jetzt ist sie bei ihm"

Am 11. September 2001 verlor sie ihren Ehemann, jetzt ist sie selbst ums Leben gekommen: Beverly Eckert saß in der Unglücksmaschine, die in der Nacht in den USA abgestürzt ist. Das Entsetzen ist groß - unter den Angehörigen, die am Flughafen in Buffalo warten, und unter den Einwohnern der Kleinstadt, auf die die Maschine abgestürzt ist.

Tränen und Trauer dort, wo sich sonst Freunde und Verwandte fröhlich begrüßen: Dutzende Angehörige warten auf dem Buffalo Niagara International Airport bang, ob sich die schlimmsten Befürchtungen erfüllen und ihre Liebsten auf der Passagierliste stehen und damit zu den 50 Toten gehören. Darunter auch Sue Bourque, die das Ganze nur zu gut kennt - ihr Schwager, Sean Rooney, ist bei den Attentaten vom 11. September in New York ums Leben gekommen. Jetzt geht es um ihre Schwester, die Witwe von Rooney.

Denn Beverly Eckert war mit Flug 3407 von Newark unterwegs nach Buffalo, um mit der Familie den 58. Geburtstag ihres verstorbenen Mannes zu feiern. Nach seinem Tod hatte sie sich als Vizevorsitzende des Vereins "Stimmen des 11. September" für das Gedenken an die Opfer eingesetzt. Die Nachricht von ihrem Tod sei noch nicht offiziell, sagt ihre Schwester der Lokalzeitung "Buffalo News". Doch sie ist realistisch: "Wir wissen, dass sie an Bord war. Und jetzt ist sie bei ihm."

"Man denkt immer: So was passiert mir nicht", sagt Susan Leckey der Lokalzeitung. "Es passiert immer nur den anderen, und das sieht man dann im Fernsehen." Sie ist wegen ihrer Nichte hier: Ellyce Kausner. Die Jura-Studentin wollte in ihrem früheren Heimatort Buffalo ihre ehemaligen Teamkolleginnen vom College Hockey-Team wiedertreffen, mit den Mädels feiern.

"Das Haus war plattgemacht"

Pures Entsetzen in der Kleinstadt Clarence: Die Nachbarn sind zur Unglücksstelle geeilt, können kaum glauben, was da in der Nacht passiert ist. Sie sind gewohnt dass die Flugzeuge im Landeanflug über ihre Köpfe donnern. Im Fall von Flug 3407 haben es einige Sekunden vorher geahnt - wie David Luce, der knapp 150 Meter von der Unglücksstelle entfernt wohnt. Er war kurz vor dem Absturz auf das Flugzeug aufmerksam geworden, weil es sich etwas seltsam anhörte: "Es war sehr laut, doch dann stoppte das Geräusch ganz plötzlich", sagte er den "Buffalo News". Dann habe es ein oder zwei Sekunden später eine gewaltige Explosion gegeben. "Ich dachte, etwas hätte unser Haus getroffen."

Doch es war nicht sein Haus, in das die Maschine krachte, sondern es war das eines Nachbarn, aus dem Sekunden nach dem Unglück meterhohe Flammen in den Nachthimmel schlugen. Als er etwas näher heranging, sah er das ganze Ausmaß der Katastrophe: "Das Haus war plattgemacht. Da gab es kein Haus mehr, nur ein großer Haufen Schutt, der brannte."

Eine andere Nachbarin hörte ein lautes Donnern, das das ganze Haus erschüttern ließ. "Dann war plötzlich alles still", sagte Jennifer Clark der "New York Times". Ihr Mann und sie waren bereits im Bett, als es passierte. Dann sei sie aufgestanden und hätte durchs Fenster einen Feuerball gesehen. Sie weckte ihren Mann und sagte zu ihm: "Ich glaube, da ist gerade ein Flugzeug abgestürzt." Jetzt ist sie am Unglücksort und leidet mit den Passagieren und ihren Angehörigen. "Und es muss furchtbar sein für die Feuerwehrmänner, die die Leichen dieser armen Menschen finden müssen."

Von Ulrike Klode

Themen in diesem Artikel