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Pilotendialog beim Absturz von AF447 "Fuck, we're dead"


Das Unglück ereignete sich vor mehr als fünf Jahren. Jetzt wurden neue Details des Airbus-Absturzes von Air France bekannt: Zu Beginn der Katastrophe saß der unerfahrenste Pilot allein im Cockpit.

Der Absturz des Air-France-Airbus auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris am 1. Juni 2009 gehört zu den schwersten Katastrophen der zivilen Luftfahrt in den letzten Jahren. Alle 228 Menschen an Bord kamen ums Leben, als die Maschine eine tropische Gewitterzone durchflog, die Geschwindigkeitsmesser vereisten und der Airbus in den Atlantik stürzte.

Da nach mehreren Suchaktionen der Flugschreiber und der Cockpit Voice Recorder von Tauchrobotern aus den Tiefen des Meeres geborgen wurden, konnte das Drama im Cockpit rekonstruiert werden. Nach mehreren Zwischenberichten legten die Untersuchungsbehörden im Juli 2012 den Abschlussbericht vor; der Fall AF447 gilt als gut dokumentiert und abgeschlossen.

Pilot mit der geringsten Erfahrung saß am Steuer

Doch ausgerechnet in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "Vanity Fair", die nicht zur Pflichtlektüre von Luftfahrtexperten gehört, sorgt ein Artikel für Aufsehen, der die letzten Minuten im Cockpit ausführlich beschreibt. In dem 13-seitigen Artikel mit dem Titel "The Human Factor" schreibt William Langewiesche, dass zwei der drei Piloten das Cockpit verlassen hatten, als das Drama begann. Der 32-jährige Pierre-Cedric-Bonin mit 3000 Stunden Flugerfahrung steuerte den Airbus A330-200 allein, während Kapitän Marc Dubois (11.000 Flugstunden) und Kopilot David Robert (6000 Flugstunden) sich zum Schlafen zurückgezogen hatten.

Als das tropische Gewitter mit Turbulenzen einsetzte, die Geschwindigkeitsmesser falsche Werte anzeigten, war der unerfahrenste Pilot schnell überfordert. Er reagierte falsch, zog die Nase des Airbus nach oben, satt nach unten, um wieder Geschwindigkeit aufzunehmen. "Putain, j'ai plus le contrôle de l'avion" ("Verdammt, ich habe keine Kontrolle mehr über das Flugzeug"), heißt es im Mitschnitt des Stimmenrekorders.

Die letzten Worte des Kopiloten

In dem US-Magazin werden noch weitere Zitate aus dem dramatischen Wortwechsel im Cockpit wiedergegeben, allerdings in englischer Übersetzung. Die Schimpfworte verdeutlichen die Verzweiflung, die damals in der Pilotenkanzel herrschte. Keine zwei Minuten vor dem Aufprall erschien auch der erfahrene Kapitän Dubois wieder im Cockpit. Doch war es bereits zu spät, den Airbus wieder in eine stabile Fluglage zu manövrieren. "Fuck, we're dead", waren einige der letzten Worte des Kopiloten.

Der Artikel kommt wie Alain Bouillard, der Chefermittler des Unglücks, zu dem Schluss, dass die Katastrophe wahrscheinlich hätte verhindert werden können, wenn der Kapitän nur 15 Minuten später schlafen gegangen wäre.

Das Fazit ist für die Hinterbliebenen der Absturzopfer bitter. Doch hatte das Unglück umfangreiche Konsequenzen. Die Pitot-Rohre, die Geschwindigkeitsmesser des französischen Herstellers, wurden an den Airbus-Jets dieses Typs ausgetauscht. Auch hat Air France seine Pilotenausbildung und das regelmäßige Training der Crews im Simulator entsprechend verbessert. Dazu gehört auch das manuelle Steuern ohne Autopiloten in Notfallsituationen.

Ergänzung vom 15. 10. 2014: Die Fluggesellschaft Air France hat inzwischen auf den erwähnten Artikel in dem US-Magazin "Vanity Fair" reagiert und spricht von einer fehlerhaften Interpretation der Vorgänge im Cockpit. Demnach haben nicht zwei der drei Piloten geschlafen, als beim Flug AF447 die Probleme auftraten. Außerdem seien beim Verlust der Geschwindigkeitsanzeigen beide Kopiloten im Cockpit gewesen. Der Kapitän wäre eine Minute und 38 Sekunden nach Beginn des Vorfalls ins Cockpit zurückgekehrt.

tib

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