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Michigan Schul-Amoklauf mit vier Toten: Schütze zeichnete schon vorher blutige Szenen – angeblich für Videospiel

Gretchen Whitmer (r), Gouverneurin von Michigan, umarmt Dave Coulter, Oakland County Executive, als die beiden in der Oxford High School Blumen niederlegen und ihre Aufwartung machen
Gretchen Whitmer (r), Gouverneurin von Michigan, umarmt Dave Coulter, Oakland County Executive, als die beiden in der Oxford High School Blumen niederlegen und ihre Aufwartung machen
© Jake May/The Flint Journal/AP / dpa
Vor seinem Amoklauf in Michigan soll der mutmaßliche Schütze im Unterricht noch blutige, mordlustige Szenen gezeichnet haben. Den Lehrern konnte er glaubhaft machen, dass er ein Videospiel designt. Aber es gab auch andere Vorzeichen.

Der mutmaßliche Schütze des Amoklaufs einer High School in Michigan soll schon vorher auffällig gewesen sein. Demnach soll der 15-Jährige nicht nur dabei erwischt worden sein, wie er auf seinem Smartphone während des Unterrichts in einschlägigen Online-Shops nach Munition suchte, sondern auch, wie er noch vor der Tat blutige Mord- und Selbstmordszenen zeichnete. Das bestätigte jetzt der Intendant der Schule in einem öffentlichen Brief. Mehrere Medien berichteten davon. 

Hätte der Fall verhindert werden können?

An einer Schule im US-Bundesstaat Michigan hat ein 15-Jähriger vier Mitschüler:innen erschossen und sieben weitere Menschen verletzt. Der Tatverdächtige ließ sich nach den Schüssen widerstandslos festnehmen, wie die Polizei des nördlich der Stadt Detroit gelegenen Landkreises Oakland County am vergangenen Dienstag mitteilte. Nun werden sich auch die Eltern des Jungen vor Gericht verantworten müssen. Ihnen drohen 15 Jahre Haft. 

Ein solcher Vorwurf gegen die Eltern ist ein ungewöhnlicher Schritt der US-Strafverfolgungsbehörden. Durch dieses Vorgehen sollten "jene zur Verantwortung gezogen werden, die zu dieser Tragödie beigetragen haben, und es soll eine Botschaft an Waffenbesitzer ausgesandt werden, dass sie eine Verantwortung haben", erklärte die zuständige Staatsanwältin Karen McDonald. Denn nicht zu Unrecht fragen sich jetzt Behörden, Angehörige wie auch Mitarbeitende der Schule, ob die Tragödie nicht auch hätte verhindert werden können. 

Eltern kauften dem Sohn eine Waffe

Einstimmigen Medienberichten zufolge habe der Vater des Schülers zusammen mit seinem Sohn die Tatwaffe vier Tage vor der Attacke gekauft. Die Mutter soll die halbautomatische Pistole auf Onlineplattformen als "Weihnachtsgeschenk" für ihr "Baby" bezeichnet haben und soll mit ihrem Sohn zu einem Schießstand gefahren sein. Noch einen Tag vor dem Amoklauf soll der Junge im Unterricht dabei erwischt worden sein, wie er sich online Munition ansah. Das bestätigte auch der Brief des Intendanten Tim Thorne, der zuvor von der Nachrichtenplattform "WXYZ Michigan" veröffentlicht wurde. 

Auf Nachfrage der Lehrenden soll der 15-Jährige demnach geantwortet haben, dass Schießsport in seiner Familie ein Hobby sei. Seine Mutter schickte ihm daraufhin laut Staatsanwaltschaft die Textnachricht: "LOL. Ich bin Dir nicht böse. Du musst lernen, nicht erwischt zu werden." Obwohl die Schule versucht habe, die Mutter zu erreichen, erwiderte sie die Anrufe nicht – bis zum nächsten Tag. Doch sie bestätigte lediglich die Aussagen ihres Sohnes. 

Blutige Mord- und Selbstmordszenen

Am Tag der Tat soll eine Lehrkraft den Jungen dabei erwischt haben, wie er Todes- und Selbstmordszenen im Unterricht zeichnete. Laut "The Times" soll daneben gestanden haben: "Die Gedanken wollen nicht aufhören, helft mir." 

"Der Schüler wurde sofort aus dem Klassenzimmer entfernt und in das Büro des Vertrauenslehrers gebracht, wo er behauptete, die Zeichnung sei Teil eines Videospiels, das er entwerfe, und die Lehrkräfte darüber informierte, dass er Game-Design als Beruf anstrebe", so Thorne in seinem Brief. 

Der 15-Jährige wartete daraufhin dort anderthalb Stunden auf seine Eltern. Laut der Mitarbeitenden erschien er ruhig und hatte Sorge, den Unterrichtsstoff zu verpassen und bat deshalb darum, die Hausaufgaben der verpassten Stunde zu bekommen. "Zu keinem Zeitpunkt glaubten die Betreuer, dass der Schüler aufgrund seines Verhaltens, seiner Reaktionen und seines ruhig wirkenden Auftretens andere verletzen könnte", so Thorne weiter. 

Die Eltern gingen ohne den Sohn 

Im Gespräch mit den Vertrauenslehrkräften erwähnten die Eltern weder, dass sie ihrem Sohn eine Waffe gekauft hatten, noch überprüften sie, ob er sie in seinem Rucksack dabei hatte. Auch die Bitte, ihren Sohn für den heutigen Tag mitzunehmen, lehnten sie ab und gingen zurück zur Arbeit. Die Vertrauenslehrkräfte hätten daraufhin beschlossen, dass es besser sei, den Jungen zurück in den Unterricht als ein leeres Zuhause zu schicken.

Dennoch hätten sie den Eltern gesagt, dass der Sohn binnen 48 Stunden eine Beratungsstelle aufzusuchen habe, sonst würden sie die Vorkommnisse an das Jugendamt melden. Der Fall sei aber nicht an die Schulleitung gemeldet worden. Am Nachmittag holte der Junge auf der Toilette seine Waffe aus dem Rucksack und schoss auf den Fluren seiner Schule. 

Großer Ärger unter Angehörigen 

"Wir verstehen zwar, dass diese Entscheidung Ärger und Verwirrung ausgelöst sowie berechtigte Fragen aufgeworfen hat, aber die Vertrauenslehrer haben ihre Entscheidung auf der Grundlage ihrer beruflichen Ausbildung getroffen", schreibt Throne. Die Lehrkräfte hätten nicht über alle Fakten verfügt, die jetzt bekannt seien. Noch dazu sei der Junge vorher nie auffällig gewesen. 

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"Unsere Vertrauenslehrer sind engagierte, langjährige Mitglieder der Schule, die ihr Leben der Unterstützung von Schülern und der Behandlung von Problemen der psychischen Gesundheit und des Verhaltens von Schülern gewidmet haben", verteidigt der Intendant seine Mitarbeitenden.

Eltern waren auf der Flucht 

Dem 15-Jährigen soll nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. Ihm droht lebenslange Haft. Die US-Polizei fasste die offenbar flüchtigen Eltern nach eintägiger Fahndung am frühen Samstagmorgen im nahen Detroit. Sie seien im ersten Stock eines Fabrikgebäudes entdeckt und festgenommen worden, sagte Detroits Polizeichef James White.

Sie seien genauso schockiert von der Tat ihres Sohnes wie alle anderen auch. Die zuständige Richterin legte die Kaution gemäß dem Ersuchen der Staatsanwaltschaft auf rund 450.000 Euro fest. "Sie hätten wissen müssen, dass er gefährlich war, und sie gaben ihm eine Waffe und sicherten sie nicht", so Staatsanwältin Karen McDonald. 

Quellen:"The Times", "NY Post", "WXYZ Michigan", "Zeit Online"

yak

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