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Erster Polizist im Bataclan "Ich rief meine Freundin an, um mich zu verabschieden"


Nach den Anschlägen von Paris kämpfen immer noch viele mit den schrecklichen Erinnerungen an die Terrornacht. Nun hat sich der Polizist geäußert, der als erstes an der Konzerthalle Bataclan eintraf. Er rechnete nicht damit, den Einsatz zu überleben.

Sie wussten nicht, was sie erwartet oder mit wie vielen Tätern sie es zu tun hatten. Alles, was sie wussten war, dass es sich um einen Anschlag handelt und, dass ihre Gegner schwer bewaffnet sind. Nur sie standen zwischen den Kalaschnikows der Terroristen - und den Menschen im Bataclan: Der Polizist, der zusammen mit seinem Kollegen als erstes an der Konzerthalle Bataclan eintraf, hat nun seine Erfahrungen gegenüber dem französischen Radiosender "France Info" geschildert - nachdem die ersten Salven auf sie abgefeuert wurden, riefen die Beamten ihre Freundinnen an, um sich zu verabschieden.

Wie der Polizist, der aus Sicherheitsgründen anonym von den Ereignissen berichtet, "France Info" schildert, waren er und sein Kollege am Abend der Terroranschläge zum Stade de France unterwegs, als sie wegen Berichten von Schüssen im 10. und 11. Arrondissements von Paris Richtung Bataclan umgeleitet wurden. Als die Beamten dort eintrafen, beschlossen sie gemeinsam, nicht auf Verstärkung zu warten, sondern in die Konzerthalle einzudringen. Bewaffnet waren sie zu dem Zeitpunkt nur mit ihren Dienstpistolen - und somit den IS-Terroristen waffentechnisch hoffnungslos unterlegen.

"Wir schossen solange, bis er zu Boden fiel"

Als sie das Bataclan betraten, dauerte es nicht lange, bevor sie den ersten Terroristen sahen - er stand auf der Bühne, seine Kalaschnikow auf eine Person gerichtet. "Er wirkte sehr entspannt, sehr ruhig. Angesichts des Blutbades, war uns sofort klar, was wir zu tun hatten. Wir haben sofort auf den Terroristen geschossen. Wir haben solange auf ihn geschossen, bis er zu Boden fiel. Dann plötzlich kam es zu einer Explosion. Dann wurde uns klar, dass sie planten, sich mit ihren Sprengstoffgürteln in die Luft zu jagen."

 Die Schüsse der Polizisten retteten die Person im Fadenkreuz des getroffenen Attentäters, doch kurz darauf erwiderten die Terroristen das Feuer. Ein Kugelhagel schlug auf die Beamten ein. Die Polizisten trafen eine erstaunliche Entscheidung - sie riefen ihre Freundinnen an: "Ich hinterließ meiner Freundin eine Nachricht, um mich zu verabschieden", schildert der Polizist die Ereignisse.

Ein Rückzug kam für die heroischen Polizisten nicht in Frage: "Ich war sicher, dass wir uns nicht aus dem Bataclan zurückziehen würden. Wir hatten uns entschieden, dass wir die Menschen dort nicht alleine lassen konnten. Ich war mir sicher, an diesem Abend zu sterben."

Heroischer Einsatz rettet Leben

Kurz darauf traf die rettende Verstärkung durch Eliteeinheiten ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Terroristen mit Geiseln in den ersten Stock der Konzerthalle zurückgezogen. Sie überlebten den Einsatz, obwohl sie die ersten waren, die sich den Terroristen im Bataclan entgegenstellten.

Etwas über einen Monat nach den Anschlägen sagte der Beamte gegenüber "France Info", er habe seine Arbeit inzwischen wieder aufgenommen. Einen Psychologen habe er nach den Ereignissen nicht aufgesucht - aber er habe das Bedürfnis, über das Erlebte zu sprechen. Die Menschen, die sich in der Schusslinie der Terroristen befanden, als die Polizisten das Feuer eröffneten, verdanken ihrem mutigen Einsatz wohl ihr Leben.


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