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Prozess in Australien: Mutter soll Tochter absichtlich Urin gespritzt und Abführmittel verabreicht haben

In Australien steht eine Mutter wegen eines unglaublichen Falls vor Gericht. Sie soll ihrer immungeschwächten Tochter absichtlich Urin injiziert und Abführmittel verabreicht haben. Der Polizei soll sie gesagt haben, sie "vermisse es, Krankenschwester zu sein."

Eine Frau hält eine Spritze, im Hintergrund sieht man ein Mädchen

Die Mutter soll ihrer Tochter das Urin mit einer Spritze injiziert haben (Symbolfoto)

Getty Images

Ein unfassbarer Fall von Kindesmisshandlung wird derzeit vor dem Amtsgericht im australischen Newcastle verhandelt. Eine 47-Jährige aus dem Bundesstaat New South Wales steht im Verdacht, ihrer Tochter absichtlich Urin injiziert und Abführmittel verabreicht zu haben. Verhandelt werden drei Fälle zwischen Dezember 2013 und März 2015.

Wie "The Chronicle" berichtete, leidet das Mädchen seit 2005 an einer genetischen Erkrankung und einer damit verbundenen Immunschwäche. Im Alter zwischen zwei und neun wurde es immer wieder wegen Nierenversagen, unerklärlichen Durchfällen, Erbrechen und anderer schwerer Erkrankungen in zwei verschiedene Krankenhäuser eingeliefert. Doch irgendwann schöpften die dort leitenden Ärzte Verdacht, nachdem sich im Blut des Mädchens ein unerklärlichen Anstieg einiger ihrer Elektrolyte und eine signifikante Zunahme ihrer weißen Blutkörperchen zeigte. 

Mutter soll Urin über Katheter verabreicht haben 

Vor Gericht erklärte Staatsanwalt Wayne Creasey, dass die ständigen Durchfälle "künstlich und wahrscheinlich durch die heimliche Verabreichung eines Abführmittels verursacht wurden." Zu diesem Ergebnis war der zuständige pädiatrische Gastroenterologe gekommen, nachdem er eine Reihe von Tests gemacht hatte. 

Als die damals Neunjährige im März 2015 mit Nierenversagen ins Westmead Childrens’s Hospital in Sydney eingeliefert wurde, sollen laut Creasey die Blutkulturen einen "plötzlichen, unerklärlichen Anstieg" der chemischen Abfallprodukte Harnstoff und Kreatinin gezeigt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mutter das Urin sogar im Krankenhaus über den intravenösen Zugang des Mädchens verabreicht hat. 

Als die Polizei die Mutter im März 2015 dazu befragten, entdeckten sie in der Handtasche der 47-Jährigen zwei leere Urinprobenbehälter, medizinische Geräte, eine Spritze mit einer Flüssigkeit, fünf gebrauchte Plastikspritzen und einen Stuhlprobenbehälter.

Fall erinnert an Maike B.

Die Mutter, die noch weitere Kinder hat, bestritt, ihrer Tochter jemals Abführmittel gegeben oder Urin gespritzt zu haben. Der Polizei sagte sie, sie habe lediglich medizinischen Vorräte gesammelt, als ihre Tochter in ein neues Krankenhaus verlegt wurde. Zudem erklärte sie den Beamten, sie "vermisse es, Krankenschwester zu sein" und sei gerne "in die Betreuung ihrer Tochter einbezogen".

Kleiner Junge läuft den Flur einer Schule entlang

Früheren Medienberichten zufolge soll die Frau in der Vergangenheit in einem Blog regelmäßig über den schlechten Gesundheitszustand ihrer Tochter berichtet haben. Sie soll sich so eine internationale Fangemeinde aufgebaut und sogar bei Kinderhilfswerken engagiert haben. 

Vor dem Bezirksgericht von Newcastle bekannte sich die ehemalige Krankenschwester und Hebamme für nicht schuldig. 

Der Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall aus Deutschland, in dem eine Mutter gegenüber Krankenkassen, Behörden und Ärzten behauptete, ihre Tochter und ihre drei Söhne litten an schweren chronischen Erkrankungen. Sogar in Talkshows erzählte sie ihre Geschichte. Dabei waren alle Kinder kerngesund. Die 49-Jährige aus dem Kreis Ostholstein wurde im November 2019 vom Gericht Lübeck zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen der schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen und gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren Fällen verurteilt.

Quellen: "The Chronicle", "News.com.au"

jek